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Leseprobe:
Der Brief war zwei
Tage nach dem Theaterbesuch abgeliefert worden und hatte Laura in
eindringlichen Worten zu überzeugen versucht, sich gleich am
darauffolgenden Tag an der unten angegebenen Adresse einzufinden. Der
Bote hatte sogar auf Antwort gewartet und Laura hatte nicht gezögert,
sie entsprechend eindeutig zu formulieren. Ihr Schreiben hatte nur ein
einziges Wort enthalten:
„Ja.“ Und dann hatte sie sich im Schutz ihrer maschera
nobili, die früher nur den männlichen Patriziern vorbehalten und
Damen erst seit kurzer Zeit erlaubt war, auf den Weg gemacht. Laura
hatte sich bei ihrer Ankunft erst an diese völlige Verhüllung gewöhnen
müssen. Seit sie ihren Cavaliere kennengelernt hatte, fand sie diese
Art von Verhüllung allerdings sehr hilfreich, die aus dem schwarzen
Umhang – unter dem nur die Röcke hervorsahen – und der weißen
Wachsmaske sowie aus dem Dreispitz und einem verhüllenden Schal
bestand, und von außen auch nicht den kleinsten Hinweis darauf gab,
wer sich darunter verbarg.
Als sie beim Palazzo
ankam, öffnete ihr unverzüglich ein Diener, als hätte er bereits auf
sie gewartet, führte sie höflich die Treppe hinauf in ein Zimmer und
verschwand dann wieder. Ihr geheimnisvoller Geliebter hatte offenbar
nicht nur eine Wohnung in einem der Palazzi gemietet, die von den
Patriziern als casinos verwendet wurden, verschwiegene Orte, wo
sie ungestört ihren Vergnügungen nachgehen konnten. Ihrem Geliebten
gehörte gleich ein ganzes Haus, und sie fragte sich ein wenig bange,
wie oft dieses offensichtliche Liebesnest von ihm genutzt wurde.
Es waren nur wenige
Kerzen angezündet und der Raum lag in einem intimen Halbdunkel. Ein
Kamin verbreitete wohlige Wärme und Laura trat darauf zu, legte den
Muff beiseite und hielt die Hände ans Feuer. Gleich daneben befand
sich ein einladender, wuchtiger Lehnsessel. Laura sah sich weiter um.
Die Wände waren, soweit sie erkennen konnte, mit Seidentapeten
verkleidet und in der Mitte stand ein für zwei Personen gedeckter
Tisch mit Weinkaraffen, glitzernden Gläsern aus kostbarem Glas von der
Insel Murano und Platten voller Köstlichkeiten. Ihr Cavaliere hatte
offensichtlich einen Sinn für Luxus.
Jemand trat ein. Sie
lächelte, als sie seine Nähe hinter sich fühlte, noch bevor er sie
ansprach. Seine Hände griffen nach ihrem Mantel, ihrem Hut und zogen
beides gemeinsam mit dem weißen Seidenschal fort. Sie trug ein
cremefarbenes Kleid mit einem spitzenumrahmten Dekolleté, dessen
Besatz sich vorne fortsetzte und den offenen Rock umfasste. Darunter
trug sie einen bestickten Seidenunterrock, passende Seidenpantoffel
mit hohen, edelsteinbesetzten Absätzen und zarte Seidenstrümpfe. Sie
hatte lange überlegt, was sie anziehen sollte
– da ihr nichts gut
genug für dieses Treffen erschien – und hatte sich dann für eines der
neuen Kleider entschieden, das Domenico ihr nach dem Verlust der
anderen zugestanden hatte.
„Wie schön, mon
amour, dass Ihr meinem Wunsch gefolgt seid und keine Perücke mehr
tragt. Ich möchte Euer wunderbares Haar sehen, es fühlen und
streicheln“, flüsterte er an ihrem Ohr. Er löste die Bänder ihrer
Maske, nahm sie ihr ab, und sie wandte sich nach ihm um. Er war im
Gegensatz zu ihr immer noch maskiert.
„Offenbar seid Ihr
entschlossen, Euer Inkognito noch weiter zu wahren. Oder werde ich
Euch heute ohne Maske sehen dürfen?“
„Ihr wisst, weshalb es
unmöglich ist, madame“, flüsterte er.
Laura machte den Mund
zum Widerspruch auf, wandte sich nach kurzer Überlegung jedoch ab und
ging neugierig zur Tür, die in den nächsten Raum führte. Sie erblickte
dahinter verborgen ein riesiges Bett. Die schweren roten Samtvorhänge
waren zurückgezogen und gaben den Blick auf weiche Kissen und eine
bestickte Seidendecke frei. Sekundenlang starrte sie mit errötenden
Wangen darauf und fühlte, wie ihre Knie weich wurden.
„Gefällt Euch dieser
Raum?“ Seine Stimme klang leise, aber belustigt, und Laura spürte, wie
sie noch tiefer errötete.
Er trat näher an sie
heran, löste die Haarnadeln, mit denen sie ihr Haar hochgesteckt
hatte, und machte sich daran, die dicken Strähnen mit den Fingern
auszufrisieren, bis ihre Haare wie ein dichter Schleier um ihre
Schultern lagen. „So sehe ich Euch am liebsten“, flüsterte er. „Ihr seht
wundervoll aus.“
„Meint Ihr das
wirklich?“
„Hat Euch das noch
niemals jemand gesagt?“
„Ich habe es nie
geglaubt“, erwiderte Laura verlegen. „Es gibt so viele schöne Frauen
in Venedig …“ Sie unterbrach sich. Mit dem Argwohn schien sich ein
schwarzer Schatten über dieses Zimmer zu legen. „Steht dieser Palazzo
immer zu Eurer Verfügung?“
„Ach, ja, gewiss.“ Er
sagte das lässig, wegwerfend.
Laura schluckte. Dann
war sie also nicht die Einzige, mit der er hier Liebesstunden
verbrachte. Der Gedanke tat weh. Es war dumm gewesen, überhaupt zu
fragen.
„Was tut Ihr?“, fragte
sie erstaunt, als er ein Tuch aus der Tasche zog.
„Euch die Augen
verbinden, meine Schönste, damit ich die Maske abnehmen kann. Sie
stört Euch offenbar ebenso wie mich.“
„Aber …“
„Wir werden jetzt
speisen.“ Er band ihr das Tuch um den Kopf, verknotete es fest, aber
nicht zu streng am Hinterkopf.
„Aber ich sehe doch
nichts!“
„Das müsst Ihr auch
nicht, ich werde Euch füttern.“
Er legte den Arm um
sie, führte sie zum Tisch zurück und schob ihr einen der vergoldeten
und mit rotem Samt bezogenen Sessel zurecht. Sie hörte, wie er sich
ebenfalls einen Sessel neben sie zog, und dann fühlte sie, wie er mit
einem Tuch über ihre Wangen strich.
„Was tut Ihr?!“
„Ich ziehe es vor, Euer
süßes Erröten zu sehen, anstatt weißen Puder und Rouge.“ Sein Mund
fuhr schmeichelnd darüber. „So ist das viel besser.“
„Aber ...“ Laura
unterbrach sich, weil er ihr etwas in den Mund steckte.
„Was ist das?“
„Eine Olive, mon
amour.“
Laura kaute, dann
setzte er ein Glas an ihre Lippen.
„Was …“
„… Wein“, aber ich
bitte Euch, fragt ab nun nichts mehr, vertraut mir einfach. Ich
schwöre, ich werde Euch weder Gift geben noch etwas, das Euch nicht
mundet.“
Laura gehorchte
lächelnd und bereute es auch nicht. Die köstlichsten Speisen wurden
ihr gereicht, teilweise mit seinen Lippen, dazwischen immer Wein und
kleine zarte Küsse auf ihre Wangen, ihren Hals, ihren Nacken und ihre
Hände.
Als das Mahl beendet
war, zog er sie zu sich hoch. Laura tastete nach seiner Jacke, hielt
sich daran fest. Sein Arm lag um ihre Taille und an seinem Atem spürte
sie, dass sein Gesicht dicht über ihrem sein musste. Das zärtliche
Essen und der Wein hatten sie erregt, hatte ihre Sinne bereit gemacht
für weitere Freuden. Seine Finger strichen über ihre Schultern,
glitten unter den Stoff ihres Kleides und spielten mit den zarten
Spitzen ihrer Brüste. Seine Lippen folgten und hinterließen eine zarte
feuchte Spur auf ihrer Haut. Sie gab sich seinen Händen und Lippen hin
und fühlte Vertrautheit, ein angenehmes
„Sich-Auflösen“ alles
Fremden zwischen ihnen beiden.
Sie zierte sich nicht,
als er sich an dem Mieder ihres Kleides zu schaffen machte, es
öffnete, ließ es zu, dass er den kostbaren Stoff von ihren Schultern
schob, jedes freie Fleckchen mit Küssen bedeckte, immer weiter und
weiter hinab. Es war so natürlich, von ihm so gehalten zu werden. Und
hatte sie es sich nicht in ihren einsamen Träumen immer wieder
vorgestellt, genauso verführt zu werden?
Hitze stieg in ihr auf
und ein ganz verschwommener Gedanke, hier etwas Unrechtes zu tun. Nun,
vielleicht nicht gerade Unrechtes, aber auch nichts, was einer
anständigen, wohlerzogenen Frau einfallen sollte. Jedenfalls nicht
nach dem, was ihr die Nonnen erklärt hatten. Dennoch wehrte sie sich
nicht. Auch nicht, als der Stoff endlich herabglitt. Er hatte mit
wenigen gekonnten Handgriffen den Verschluss des Rockes geöffnet und
zog ihn nun gleichzeitig mit dem Mieder fort, sodass sie nur im
Unterrock und Korsett vor ihm stand.
Es tat ihr leid, dass
sie sein Gesicht und seine Augen nicht sehen konnte und den Blick, mit
dem er sie ansah, hoffte jedoch, dass er voller Verlangen war. Als er
endlich seine Hand um ihre Brust legte, mit seinem Daumen über die
dunkelrote, über dem Korsett herauslugende Warze strich, sie neckte,
streichelte, entrang sich Lauras Kehle ein ihr unbewusstes kleines
Stöhnen.
„Was tut Ihr nur mit mir?“
„Alles, was mir
notwendig erscheint, um Euch zu verführen“, erwiderte er mit einem
leisen Lachen. Seine Hand glitt unter den reichen Unterrock, schob den
Reifrock beiseite und wanderte an der Außenseite ihres Schenkels
weiter hinauf, während seine Lippen an ihren Brüsten spielten, sie mit
feuchten Küssen bedeckten. „Aber nur, wenn Ihr mir versprecht, mir
eine gehorsame Geliebte zu sein.“
Sie genoss seine
Berührungen, seine Küsse und vor allem seine Hand, denn er begnügte
sich schon längst nicht mehr damit, die weiche Haut ihrer Hüften zu
streicheln, sondern war bereits zwischen ihre Schenkel geglitten.
Dort, wo es am erregendsten kribbelte.
„Ich will Euch eine
gehorsame Geliebte sein“, flüsterte sie zurück. Ihre Stimme wollte ihr
kaum gehorchen, als sie seine Finger zwischen ihren Beinen fühlte, die
den einen Punkt suchten, dessen Berührung ihr so viel Vergnügen
bereitete, und sie schrie leise auf, als er begann, ihn zu massieren.
„Gefällt Euch das?“
„Ja ...“
„Dann werden wir jetzt
beginnen.“
Sie tastete nach ihm,
als er sich zurückzog.
„Womit …?“
„Mit dem Spiel des
Gehorsams.“
Ein erregtes Zittern
durchlief sie.
„Was habt Ihr mit mir vor?“
Seine Stimme klang
plötzlich ernst.
„Ich werde Euch jetzt zeigen, dass Ihr mir gehört, dass
ich mit Euch machen kann, was ich will. Ganz wie ich es Euch gesagt
habe. Aber zuerst sollt Ihr Eure Schönheit nicht vor mir verdecken.
„Ich möchte Euch nackt sehen.“
Laura atmete schnell
ein. Sie spürte, wie diese Worte und alleine diese Vorstellung sie
schon erbeben ließ. Es war genau das, was sie auch wollte. Sie wollte
seine Hände spüren, seine Haut auf ihrer. Es war ihr selbst völlig
unfassbar, wie sehr sie ihn begehrte.
Domenico schob die
Röcke über ihre Hüften und ließ seine Hände über die weichen Schenkel
gleiten. Ihre Brüste bebten bei jedem Atemzug und ihre weichen Lippen
lächelten feucht und verführerisch. Es war eine hervorragende Idee von
ihm gewesen, ihr dieses Tuch um die Augen zu binden. Zum einen erregte
es ihn, sie so hilflos blind vor sich zu haben, und zum anderen konnte
er sich diese lästige Maske ersparen, die ihm bei seinen Liebkosungen
sehr schnell hinderlich geworden wäre. Er suchte mit den Lippen
abermals nach den dunklen harten Brustspitzen und bemerkte mit
Genugtuung das Zittern, das durch Lauras Körper ging. Welch ein
reizvolles Spiel, seine eigene Gattin zu verführen.
„Seit ich Euch auf dem
Ball das erste Mal im Arm hielt, konnte ich an nichts anderes denken
als daran, diese wunderbaren Brüste zu streicheln, sie zu liebkosen
und sie in mich hineinzusaugen, bis Ihr vor Lust schreit“, murmelte
er, völlig vertieft in diesen Anblick und die Berührung ihres Körpers.
„Dann tut das bitte“,
hauchte Laura.
„Nur wenn Ihr mir
völlig und in allen Dingen gehorcht.“ Er sah, dass sie schneller
atmete. Unter seinen geschickten Händen fielen die Unterröcke und er
hielt sekundenlang die Luft an, als er sie endlich – bis auf das
Korsett – nackt vor sich hatte. Auch dieses Korsett würde bald fallen.
Schließlich wollte er sie ja völlig hüllenlos in seinen Armen liegen
haben, aber vorerst wollte er sich am Anblick dieser schmalen Taille,
den vom Korsett hochgepressten, hervorquellenden Brüsten, dem durch
die Schnürung so unnatürlich breiten Becken und diesem wunderbar
weichen, üppigen Hinterteil ergötzen. Sie stöhnte leise unter seinen
Händen, während er die Nachgiebigkeit seiner Gattin gegenüber ihrem
geheimnisvollen Cavaliere weidlich ausnutzte. Seine Hände glitten
genussvoll über ihre Hüften, er schob sie näher zur Wand, wo sie sich
mit den Händen abstützen konnte, während er diese festen Backen
massierte, sie knetete, bis sie gerötet waren, und dabei mit den
Lippen über ihre Schultern und ihren Nacken fuhr und ihren Duft in
sich einsaugte.
Schließlich öffnete er
die enge Schnürung des Korsetts. Jetzt war sie nicht mehr so schlank,
sondern hübsch mollig und ungemein anziehend in ihrer Weichheit. Er
ließ seine Hände über ihren Bauch und ihren Rücken gleiten, massierte
die Druckstellen des engen Korsetts und wurde gewahr, wie erleichtert
und tief sie einatmete. Er hatte es bisher immer als Nachteil
empfunden, eine Frau ganz auszupacken, weil diese engen Dinger
Striemen und hässliche Druckstellen auf der weichen, weißen Haut
hinterließen, die die Schönheit der Frauen trübten. Dieses Mal empfand
er zu seiner Überraschung anders: Er war verärgert darüber, dass sich
seine Gattin dieser Marter unterzog.
„Das nächste Mal will
ich Euch ohne dieses teuflische Mieder sehen“, murmelte er an ihrem
Nacken.
„Aber ich brauche das
Korsett. Keine Dame würde ohne Korsett auf die Straße gehen. Ganz
abgesehen davon, dass mir meine Kleider nicht mehr passen würden!“
„Dann schnürt Euch eben
nicht so eng und lasst Euch neue Kleider machen“, erwiderte er
ungeduldig. Seine Frau hatte doch wahrhaftig genügend Nadelgeld zur
Verfügung, um sich jeden Tag ein neues Kleid anmessen zu lassen!
„Wie Ihr wünscht ...“,
kam es nach einem leichten Zögern.
Zufrieden zog er sie
in die Mitte des Raumes, um sie ausgiebig zu betrachten.
„Ihr habt einen wunderbaren Körper, mon amour“,
murmelte er, sich wieder auf seine Rolle als Franzose besinnend.
„Einen Körper, der einen Mann verrückt nach Euch machen kann.“ Er ging
um sie herum ohne sie zu berühren und genoss jedes Stückchen ihres
Körpers, schon völlig begierig darauf, sie in Kürze nicht nur mit den
Augen, sondern auch mit seinen Händen und Lippen genießen zu können.
Er ließ sich Zeit. Viel Zeit. Er war zwar ungeduldig, brannte darauf,
sie endlich so zu besitzen, wie ihm das schon seit längerem
vorschwebte, aber gleichzeitig wollte er es genießen, sie zu
verführen. Und ihr dabei auch die Gelegenheit nehmen, später behaupten
zu können, er wäre gegen ihren Willen über sie hergefallen. Er wusste
nur zu gut, zu welch haarsträubenden Ausreden Frauen, die man beim
Treuebruch erwischte, fähig waren.
„Ihr seid nackt und
könnt nichts sehen. Aber ich sehe Euch, meine schöne Geliebte. Und ich
möchte, dass Ihr genau das tut, was ich von Euch verlange.“ „Zuerst
eine gehorsame Geliebte und dann eine gehorsame Gattin“, dachte er
entschlossen. Hatte er sie erst einmal als seine Geliebte fest in
seiner Hand, war es gewiss auch leichter, eine folgsame Ehefrau aus
ihr zu machen, die sich – wie es sich gehörte –ihrem Gatten in allen
Dingen unterordnete.
„Und was ist es, was
Ihr von mir verlangt?“ Laura drehte sich nach ihm um und streckte die
Hände nach ihm aus. Es war erregend, ihn nicht sehen zu können, sie
fühlte sich ganz in seiner Gewalt und genoss es. Sie ertastete den
weichen Stoff seiner Jacke, glitt an seiner Brust höher bis zu seinem
Hals, der noch von der Schleife verdeckt war, weiter hinauf bis zu
seinem energischen Kinn. Sie zeichnete mit dem Finger die Konturen
seines Gesichts nach, seine Lippen, lachte zärtlich, als er begann,
zart an einem ihrer Finger zu saugen, und trat dann einen Schritt
näher. Seine Lippen senkten sich auf die ihren, bevor er sie unter den
Knien und unter den Armen fasste und hochhob und einige Schritte trug,
bis er sie sanft hinlegte. Das Holz knisterte heimelig im Kamin.
Draußen, vor dem Fenster, hörte sie die Rufe eines Gondolieres, der
sich den Weg frei schrie, und die Glocke von San Marco klang herüber.
Sie zog erschrocken
die Luft ein, als ihre Beine plötzlich höher waren als ihr Kopf. Ihre
Hände ertasteten weichen Samt. Er hatte sie tatsächlich mit dem Kopf
nach unten auf den Lehnsessel neben dem Kamin gelegt und zwar so, dass
ihre Waden oben auf der Lehne ruhten und ihre Gesäßbacken die
Rückenlehne berührten. Der Sessel war zwar breit und bequem, sehr
weich, aber doch so kurz, dass ihr Kopf nach unten hing, ihr Körper
durchgebogen wurde und ihre Brüste schamlos hinaufragten. Sie rückte
ein wenig herum. Sie kam sich lächerlich vor in dieser Haltung, ein
wenig hilflos. Welch ein seltsamer Einfall ihres Cavalieres!
„Legt Euch behaglich
hin, meine Geliebte, Ihr werdet längere Zeit so bleiben.“
Laura legte den Kopf
zurück, ihr Haar floss über dem weichen Samt zu Boden und breitete
sich dort aus wie ein dunkler, im Schein der Kerzen und des Feuers
glänzender Wasserfall. Sie wusste, wie offen und verletzlich sie in
dieser Pose war und legte wie schützend die Arme über ihre Brüste. Sie
lauschte seinen Schritten. Er ging um sie herum.
„Bedeckt nicht Eure
Brüste, meine Schönheit. Ich will Euch sehen. Und ich will, dass Ihr
wisst, dass ich zusehe, wenn Ihr sie streichelt.“
Laura legte ihre Arme
noch fester um den Körper. Was er da verlangte, war völlig unmöglich!
Sich vor ihm zu streicheln, als wäre sie alleine mit ihren Fantasien!
Sie horchte, aber es war nur Stille um sie herum. Sie hörte nichts
weiter als ihren eigenen Atem.
„Seid Ihr noch da ...?“
„Gewiss, meine
reizvolle Geliebte. Und ich warte ...“
Laura biss sich auf
die Lippen. Dann, unendlich langsam öffnete sie die Arme, ließ sie
neben ihren Körper sinken. Sie lauschte, aber er sagte nichts mehr.
Und schließlich hob sie zögernd die Hände, strich über die Seiten
ihrer Brüste. Dann weiter hinauf, ihre Finger ertasteten die harten,
hochstehenden Spitzen, umkreisten die zusammengezogenen Höfe. Es war
trotz des Kamins kühl in diesem Raum, aber diese fremde Lust, der Reiz
etwas zu tun, das ihr bisher niemals eingefallen wäre, erhitzte ihren
Körper. Ihre Finger tanzten auf ihren Brüsten, hauchzart, sinnlich
erregend. Berührungen, die ihre Leidenschaft erwachen ließen.
Sie hörte plötzlich
seinen Atem
– er musste jetzt ganz in der Nähe stehen und ihr
zusehen.
Ob das, was sie jetzt
machte, wohl sonst Mätressen für ihre Geliebten taten? Ob die schöne
Nicoletta dies für Domenico getan hatte? Der Gedanke stieß sie ab und
erregte sie zugleich. Hatten die großen Kurtisanen der vergangenen
Jahrhunderte ihre Freier auf diese Art erfreut? Vielleicht. Vielleicht
war eine von ihnen sogar auf einem Sessel wie diesem gelegen und hatte
sich sinnlichen Spielen hingegeben. Aber hatten sie es auch so gerne
getan wie sie? Hatten sie die Männer, die sie für ihre Dienste
bezahlten, geliebt? Nein, wohl nicht. Aber sie tat es. Sie liebte
ihren Cavaliere nur um den Lohn seiner Leidenschaft und seiner Liebe,
die sie sich noch erringen wollte. Ihr Kopf sank tiefer, als sie ihren
Körper nach oben bog, ihren eigenen Händen entgegen.
Sie seufzte leise, als
sie begann, ihre Brüste fester zu streicheln, ihren Körper, ihren
Bauch, ihre Hüften. Ihre Hände glitten wie von selbst bis zu ihren
Schenkeln, als eine Sehnsucht nach mehr sie erfasste. Sie wollte, dass
er sie ebenfalls streichelte, sie küsste, sie wollte seine Hände auf
ihrem Körper und zwischen ihren Beinen fühlen. Seine Lippen spüren.
„Bitte
...“
„Ich warte, meine
Geliebte ...“ Seine Stimme klang zärtlich, aber es lag zugleich ein
befehlender Ton darin, dem sie sich nicht entziehen konnte.
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