Surrender: The Gilded Chain

Originaltitel: The Gilded Chain (Surrender #3)
Übersetzer: Julia Weisenberger

Erschienen: 10/2021
Serie: Surrender
Teil der Serie: 3

Genre: Contemporary Romance, Dark Erotica, Soft-SM / BDSM
Zusätzlich: Dominanz & Unterwerfung

Location: Frankreich, Paris


Erhältlich als:
paperback & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-479-5
ebook: 978-3-86495-480-1

Preis:
Print: 14,90 €[D]
ebook: 6,99 €[D]

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Surrender: The Gilded Chain


Inhaltsangabe

Willkommen in einer verborgenen Welt erotischer Fantasien und ungezügelter Leidenschaft ...

Callie Taylor ist seit Jahren von einem Mann besessen, der ihre Liebe nie erwidern wird. Aber alles ändert sich, als Callie Wes Thorne trifft, der nicht nur ein ebenso wohlhabender wie mysteriöser Kunstsammler ist, sondern auch ein bekannter Dominus. Trotz all der Nächte, in denen sie von einem anderen Mann geträumt hat, ist es Wes' räuberischer Blick, der plötzlich jeden ihrer Gedanken bestimmt und ihren Körper in Brand setzt. Eine Berührung von ihm verspricht unvergessliche Leidenschaft, aber Callie weiß, dass Leidenschaft oft ihren Preis hat: Die Welten, in denen die einfache Callie und der reiche Wes leben, sind zu verschieden.

Vom ersten Moment an ist Wes fasziniert von Callies künstlerischem Talent und ihrer entzückenden Unschuld. Nach einem gestohlenen Kuss will Wes Callie auf eine Weise für sich beanspruchen, wie noch keine Frau zuvor. Aber zuerst muss er sie überzeugen, ihre Kontrolle aufzugeben. Und wo könnte man eine Künstlerseele wie die von Callie besser verführen als in Paris? Wes nimmt Callie mit nach Paris - dreißig Tage hat Wes Zeit, um die Leidenschaft in der Unschuld vom Lande zu wecken und sie lustvoll zu unterwerfen.

Über die Autorin

USA Today Bestseller-Autorin Lauren Smith ist tagsüber eine Anwältin aus Oklahoma und nachts eine Autorin, die im Licht ihrer Smartphone-Taschenlampen-App abenteuerliche und heiße Liebesgeschichten schreibt. In dem Moment, als sie versuchte, die gesamte Handlung von "Titanic" neu zu schreiben, nur...

Weitere Teile der Surrender Serie

Leseprobe

Wes Thorne stand auf der Veranda einer der brandneuen, fast fertiggestellten Luxushütten, die auf der Rückseite des Geländes der Broken Spur Ranch mit Blick auf die Berge gebaut wurden. Das Holz des Verandageländers war etwas rau, sollte aber bald mit einem Schleifgerät geglättet werden. Das Eicheholz war massiv und solide und hatte eine satte braune Farbe, die dem Auge schmeichelte. Diese Hütten würden für Jim und Callie unglaublich lukrativ sein.
Der Plan war die Idee seiner Schwester Hayden gewesen, als sie bemerkt hatte, dass Jim Gefahr lief, die Ranch zu verlieren, weil sie mit ihren hohen Hypothekenzahlungen in Verzug geraten...

...waren. Hayden hatte Wes vorgeschlagen, auf dem Grundstück Hütten zu bauen und sie als Ausflugsziel für stressbelastete Workaholics zu nutzen, die einen Urlaub von E-Mails und superstarkem Handynetz rund um die Uhr benötigten. Das war natürlich brillant, aber er war nicht überrascht. Hayden war schlussendlich besser, was Geschäfte betraf, als er es war. Er liebte die Kunst mehr als das Business und zum Glück hatte er in seinem eigenen Beruf als Kunstexperte großen Erfolg.
Während seine Schwester mit ihren Hochzeitsplänen beschäftigt war, hatte er sich bereit erklärt, herzukommen und den Fortschritt der Hütten zu überprüfen. Er hatte gewusst, dass es nicht gut enden würde, Callie von der Verlobung von Fenn und Hayden zu erzählen. Von dem Moment an, als er die wilde, temperamentvolle Callie kennengelernt hatte, hatte er erkannt, dass sie in Fenn verliebt war. Sie trug ihre Gefühle so offen zur Schau, dass die ganze Welt es sehen konnte, und er hatte es gehasst, die Person sein zu müssen, die die Nachricht überbringen musste, die ihr süßes, unschuldiges kleines Herz in Stücke schneiden würde.
Es hatte sie schlimmer getroffen, als er erwartet hatte. Er war hinaufgegangen, um nach ihr zu sehen, und als sie die Tür öffnete, waren ihre Augen gerötet und ihre Wangen immer noch von glänzenden Tränen befleckt. In ihrem Schmerz lag eine Wildheit, die atemberaubend schön war, und etwas in ihm hatte gegrollt wie ein tiefes Beben unter der Erde. Ihr Schmerz hatte ihn verunsichert, und nur wenige Dinge hatten ihn jemals verunsichert. Deshalb hatte er beschlossen, ein paar Tage zu bleiben, um sicherzugehen, dass es ihr gut gehen würde. Falls jemand fragte, war er natürlich nur hier, um nach den Neubauten zu sehen. Das war seine Geschichte und er würde dabeibleiben. Er schüttelte den Kopf. Er konnte sie nicht verlassen, wenn sie … Wes stoppte sich selbst. Sie brauchte ihn nicht. Zum Teufel, er bezweifelte, dass sie ihn überhaupt mochte. Sie lief immer davon, versteckte sich oder vermied Blickkontakt, als ob sie in seiner Nähe nervös wäre.
Nichts davon änderte etwas an der Tatsache, dass er sie wollte. In den letzten Wochen hatte er in seiner Fantasie geschwelgt, sie in seinem Bett zu haben, mit gefesselten Handgelenken und Beinen, mit völlig entblößtem Körper und bereit, jeden Zentimeter von ihr mit seinem Mund und seinen Händen zu erkunden, während er sie in seine dunklere Welt der Lust einführte. Die Dinge, die er mit ihr tun wollte … die er ihr unbedingt antun wollte, trieben ihn langsam in den Wahnsinn.
Er hatte noch nie so sehr nach einer Frau gelüstet wie nach Callie, und er durchschaute nicht, warum das so war. Sie war jung, unschuldig, nicht sein eigentlicher Typ Frau. Warum also zuckten dann seine Hände mit dem Drang, sie zu berühren, wann immer sie in der Nähe war? Und der Hauch ihres Duftes, nachdem sie frisch geduscht und an seinem Zimmer vorbeigegangen war, schien sich in seine Knochen zu ritzen. Während er von ihr getrennt gewesen war, hatte er versucht, sich selbst davon zu überzeugen, dass es eine dumme Besessenheit war. Während er mitten in der Nacht in seinem leeren Bett hochgeschreckt und hart und frustriert war, weil sie nicht neben ihm lag, hatte er sich eingeredet, es sei nichts weiter als ein Juckreiz, den er kratzen müsse, um ihn aus seinem System herauszukommen. Aber jetzt, wo er hier bei ihr war, so nah, dass er all diese unverhüllten Emotionen auf ihrem Gesicht sehen konnte, besonders den Schmerz, den er durch sein Kommen verursacht hatte … es war unmöglich, sie wieder zu verlassen. Und das Jucken … es war nicht nur vorübergehend.
Er würde sie haben. Es war nur eine Frage der Zeit. Er hatte geschworen, dass sie ihm gehören würde, sobald er sie zu Gesicht bekommen hatte. Er musste sie zähmen, sie in seine Welt bringen. Es würde eine lange, langsame Verführung erfordern, aber Callie würde ihm gehören. Sie musste es. Ihre Unschuld gemischt mit ihrer natürlichen Sinnlichkeit war im Begriff, ihn umzubringen. Wenn er sie nur dazu bringen könnte, Fenn zu vergessen, und ihr all die verruchten Freuden zeigen könnte, die das Leben bringen konnte, dann würde er sie mit Leib und Seele besitzen.
Als er von der Veranda trat und sich die Hände an der Jeans abwischte, sah er, wie Callie das Haus der Ranch verließ und zur Scheune ging. Ihre Schritte waren fest, ihr Gesicht hoch erhoben, und sie sah entschlossen aus. Welchen Herzschmerz auch immer sie gerade durchlitt, sie zeigte ihn nicht und schien sich enorm zusammenzureißen.
Das ist mein Mädchen. Der Gedanke rutschte ihm durch, bevor er ihn zurückhalten konnte. Sie gehörte ihm nicht. Aber sie würde es. Und zwar bald. Mit einem kleinen Lächeln blieb er weiter in der Nähe der Hütten und winkte einigen Bauarbeitern zu, die gerade angekommen waren, aber er behielt die Scheune im Auge. Sie würden bald reden, und er würde seine Pläne sie zu bekommen, in die Tat umsetzen.

Callie konnte nicht anders, als Wes dabei zu beobachten, wenn er mit den Bauarbeitern zu tun hatte. Sie fütterte die Hühner in den Ställen, arbeitete mit einem neuen Fohlen, das vor einigen Wochen geboren worden war, und kontrollierte über mehrere Stunden die Futter- und Wassertröge der Rinder, und all diese Aufgaben hielten sie in seiner Sichtweite.
Er trug nicht seinen üblichen Anzug, der ihn reich und geheimnisvoll aussehen ließ. Nein, er trug eine Jeans, T-Shirt und Stiefel und … Ihr Mund wurde trocken, als sie merkte, dass er durch die legere Kleidung nicht normaler und zugänglicher aussah, sondern dadurch etwas Gefährliches ausstrahlte, das zu sagen schien: „Ich habe keine Angst davor, etwas Dreckiges zu tun und dich in diese Welt mitzunehmen, Süße.“ Der Gedanke ließ sie erröten. Das war lächerlich. Er war nur ein weiterer gut aussehender Mann in Jeans, dem sie gerade aus dem Weg ging. Das war der ganze Sinn, dass sie Männern abgeschworen hatte. Keine sexy, rauen und gefährlichen Männer für sie. Sie hatte ihr Herz in eine Stahlkiste gesperrt und diese für immer verschlossen. Kein Mann würde zu ihr durchkommen, damit er sie zertrümmern könnte. Nie wieder.
Doch trotz ihres Schwurs konnte sie ihre Blicke nicht von Wes fernhalten. Es war doch sicher harmlos, ihn nur zu beobachten, oder? Lust und Liebe waren schließlich zwei total verschiedene Dinge … oder etwa nicht?
Sie beobachtete ihn, wie er mit zwei Bauunternehmern an der Veranda einer der Neubauten in die Hocke ging und ihnen etwas gestikulierte. Sogar von dort, wo sie stand, konnte sie die Beugung der Muskeln an seinem Unterarm und das Glitzern der teuren Uhr an seinem Handgelenk sehen. Sie leckte sich die trockenen Lippen und blickte weg, nur um sich gleich dabei zu ertappen, wie sie sich ihm erneut zuwandte. Die leichte Brise trug gerade so viel von ihrem Gespräch zu ihr herüber, dass sie erkannte, dass sie über die Holzverkleidung am Steinsockel der Hütten diskutierten. Natürlich schien Wes alles über das Thema zu wissen. Gab es etwas, in dem Wes Thorne kein Experte war? Sein scheinbar grenzenloses Wissen war bereits unter den besten Umständen unglaublich einschüchternd, aber nachdem er gestern ihren Zusammenbruch miterlebt hatte … nun ja, Callie würde ihn nicht so bald zum Trivial Pursuit herausfordern.
Callie hatte es sich nicht leisten können, zu studieren. Und wenn sie es hätte tun können, hätte sie ihren Vater auf keinen Fall zurücklassen können, nicht als er zu wenig Mitarbeiter gehabt hatte und die Ranch in Gefahr gewesen war. Jetzt war sie hier, im Alter von zwanzig Jahren, und saß in derselben Stadt fest, in der sie ihr ganzes Leben gelebt hatte.
Ein Teil von ihr liebte das Leben auf der Ranch, aber die andere Hälfte wollte in die Welt hinaus, ihre Grenzen austesten und ihr Leben leben.
Wes stand plötzlich auf, schüttelte den beiden Männern, mit denen er gesprochen hatte, die Hand und verschwand dann aus ihrem Blickfeld. Das war auch gut so. Sie musste wirklich wieder an die Arbeit. Mit einem kleinen Seufzer drehte sie sich um, um zurück in die Scheune zu gehen, und prallte direkt gegen eine feste, warme männliche Brust.
„Umpf!“ Sie gab ein nicht ladylikes Geräusch von sich, während ihre Körper kollidierten und sie zurück stolperte.
Starke Hände umfassten ihre Taille. „Was machen Sie da? Haben Sie sich hinter diesem Truck versteckt?“ Dunkle Belustigung lag in seiner Stimme, als ob er sich voll bewusst wäre, dass sie ihm nachspioniert hatte.
Sie schnaubte, hob ihr Kinn an und versuchte, seine Hände von sich zu lösen. Er erlaubte es, und sie war sich dieser Tatsache mehr als alles andere bewusst.
„Ich habe nach dem Heu gesehen.“ Ich habe dich nicht in deinen engen Jeans angegafft.
„Mmm.“ Er machte ein leicht kehliges Geräusch, als ob er ihr zustimmen würde, aber sie hörte den Unglauben darin.
„Wenn Sie mich entschuldigen, ich muss noch einiges im Stall erledigen.“ Sie stapfte um ihn herum und ging direkt auf die offenen Türen ihres Fluchtortes zu. Er würde ihr nicht nachkommen. Er hatte auch Dinge zu erledigen. Das hier würde bald vorbei sein. Sie würde wieder allein sein, in Ruhe gelassen und frei von seltsam intensiven Männern. Dem Himmel sei Dank dafür, dachte sie.
Auf dem Weg zur Box von Volt entschied sie sich, ihn zu striegeln; das würde sie sehr beschäftigt aussehen lassen. Sie schob die Boxentür auf den Gleitschienen auf und schnappte sich ihren Bürsteneimer. Dann machte sie sich bereit, Volt richtig zu verwöhnen. Das Pferd schenkte ihr nicht viel Aufmerksamkeit, während es seine Nase in seinem Hafereimer vergrub und laut mampfte.
Das Geräusch von Schritten hinter ihr ließ sie sich umdrehen. Wes stand in der offenen Boxentür und beobachtete sie.
„Geht es Ihnen gut?“
Sie hielt gerade noch ein bitteres Lachen zurück. „Gut? Natürlich geht es mir gut. Warum sollte es mir nicht gut gehen?“
Aus den Augenwinkeln sah sie ihn einen Schritt näher kommen, und sie hörte das weiche Rascheln seiner Stiefel auf dem mit Heu bestreuten Boden. Wes war zu intensiv für das ruhige Leben auf einer Ranch.
„Lassen Sie mich mal.“ Plötzlich war er direkt hinter ihr. Die Hitze seines Körpers versengte ihre Haut durch die dünne Schicht ihrer Jeans und ihres Shirts. Seine rechte Hand legte sich sanft über ihre, griff nach der Bürste und schob sie von ihrer Handfläche. Sie legte die Finger auf Volts Fell, während Wes sie im Rahmen seiner Arme gefangen hielt, während er das Pferd weiter striegelte. Sie beobachtete, wie seine Hand die Bürste schnell über die Flanken des Tieres bewegte. Wusste er viel über Pferde?
Komisch, sie hatte nicht daran gedacht, zu fragen. Als sie das letzte Mal in seiner Nähe gewesen war, schien er eher ein dunkler Schatten zu sein, eine Präsenz, die außer Sichtweite blieb, während sie sich auf Fenn und die Bedrohung seines Lebens konzentriert hatte. Jetzt musste sie allerdings zugeben, dass sie neugierig war, auch wenn er ihr ein wenig Angst machte. Er klopfte dem Pferd auf den Rücken, wandte sich dann ihr zu und reichte ihr die Bürste.
„Sie scheinen zu wissen, was Sie tun“, sagte sie schließlich und blickte ihm über die Schulter ins Gesicht.
Als sie sein Profil beobachtete, bemerkte sie, dass er seine sinnlichen Lippen zu einer bloßen Andeutung eines Lächelns verzogen hatte.
„Ich besitze sechs davon. Ich sollte hoffentlich wirklich wissen, was ich tue.“ Seine Worte entzündeten ein seltsames Feuer tief in ihrem Bauch, und sie wusste, dass sie gegen ihn stoßen würde, wenn sie sich auch nur einen Zentimeter zurücklehnte.
Callie nahm ihm die Bürste ab und legte sie in das Pflegeset vor Volts Box. Sie klopfte ihre Hände an ihrer Jeans ab, während sie darauf wartete, dass Wes die Pferdebox verließ.
„Sie besitzen wirklich Pferde? Warum haben Sie das nicht früher gesagt?“ Sie hätte ihn dazu bringen können, die Boxen auszumisten … Das Bild von ihm, Heugabel in der Hand, Mist schaufelnd, brachte sie dazu, sich ein kleines Lächeln zu verkneifen.
Er lachte tatsächlich. Der volltönige Klang stellte lustige Sachen mit ihrem Magen an. Er zog sich zusammen und langsam bewegte sich eine Hitzewelle über ihr Gesicht.
„Sie wirken überrascht“, bemerkte er, während er die Stalltür schloss und dann verriegelte.
Callie zog sich ein paar Schritte zurück, denn die Scheune fühlte sich plötzlich viel wärmer an als noch vor einer Minute.
„Sie haben noch nie etwas von Pferden erwähnt. Und Sie sehen nicht so aus, als würden Sie viel reiten.“ Sie ließ ihren Blick über sein schwarzes T-Shirt gleiten, das die ausgeprägten Bauchmuskeln darunter nicht gerade verdeckte. Begaff ihn nicht, Callie. Hör auf, warnte sie sich selbst. Sie sah höher, bemerkte seine kräftigen Unterarme und konnte nicht vergessen, dass seine Hände auf ihrer Haut sie in den kurzen Zeiten, in denen er sie berührt hatte, immer zu verbrennen schienen. Oh ja, Wes Thorne verunsicherte sie, und das gefiel ihr nicht. Wenn sie immer wieder davon überwältigt wurde, wie attraktiv seine Bauchmuskeln und Arme waren, war es ihr unmöglich, ihr Gelübde einzuhalten. Sie musste hier raus, und zwar schnell. Sie schnappte sich den Sattel und machte sich auf den Weg zur Sattelkammer, in der Hoffnung, er würde den Wink verstehen und ihr nicht folgen.
Dieses stille Gebet blieb ungehört, weil er den Türrahmen zu dem Raum ausfüllte, als wollte er sie daran hindern, ihm wieder zu entkommen. Sie konzentrierte sich darauf, ihren Sattel wegzulegen.
„Sie und ich haben überhaupt nicht viel geredet, und schon gar nicht über Pferde. Ich würde mich freuen, mich jetzt zu unterhalten … über Pferde. Ich spiele Polo. Dafür muss man sehr gut auf diesen Tieren sein.“ Er machte eine Pause und das erregte ihre Aufmerksamkeit. Als ihr Blick den seinen traf, fuhr er fort. „Ich genieße das Reiten, und zwar nicht nur Pferde.“
Eine Sekunde lang hatte sie keine Ahnung, was er meinte. Reiten … Dann begriff sie und errötete vor Scham. Er deutete an, dass … oh!
„Nun, es tut mir leid, Sie zu enttäuschen, Mr. Thorne, aber ich habe keine Lust, heute oder jemals wieder geritten zu werden. Ich bin nicht daran interessiert, Punkt.“ Statt ihn so zu verärgern, dass er ging, kam er näher.
„Nein, du verspürst diese Lust nicht, noch nicht.“
Als sie sich zu ihm umdrehte, schoss sie ihm den grimmigsten Blick zu, den sie hinbekam. „Ich glaube, Sie begreifen nicht. Ich möchte in Ruhe gelassen werden. Keine Männer mehr, keine Romantik, nichts mehr …“ Plötzlich klangen ihre Worte ein wenig erstickt, als ob sie nicht atmen könnte. Sie war gerade dabei, ihm, dem letzten Menschen auf Erden, der verstehen würde, was sie durchmachte, ihren Herzschmerz zu beichten. Seine Schwester hatte Callie alles über Wes erzählt. Von den Frauen, mit denen er sich traf, dass er sich nie in jemanden verliebte. Er war nicht wie Fenn. Wes war kein Mann der Liebe, sondern der Begierde, und das wollte sie auch nicht erleben.
Wes neigte sein linkes Handgelenk, um seine teure Uhr zu konsultieren und die Zeit zu überprüfen.
„Das klingt für mich ein bisschen wie eine Herausforderung. Willst du mich herausfordern?“ Es war keine Drohung, nein, aber etwas an der Art und Weise, wie er „herausfordern“ sagte, ließ ihr Inneres sich zusammenziehen.
„Herausfordern? Ich weiß nicht, wovon Sie sprechen.“ Hartnäckig blieb sie beim Siezen, wie um ihn sich vom Leib zu halten.
Wes’ Lippen zuckten. „Du hast also beschlossen, dich nicht mehr zu verlieben? Ist es das? Keine Männer mehr für dich, weil ein Mann dir das Herz gebrochen hat?“
Anstatt ihm zu antworten, schluckte sie nur schwer und holte tief Luft.
„Eine kleine freundschaftliche Wette würde dich dann nicht in Gefahr bringen, oder? Was, wenn ich sagen würde, dass ich deine Meinung in dreißig Tagen ändern könnte? Dass du dann wieder einen Mann willst. Nicht irgendeinen Mann, sondern mich.“
Callie konzentrierte sich auf den Eingang und überlegte, ob sie ihm entkommen könnte, aber es schien nicht wahrscheinlich. Was wäre, wenn sie ihn einfach sein kleines Spiel spielen lassen würde? Es würde ihr nicht wehtun; er würde ihr nicht nahekommen können.
Ich bin in Sicherheit. Er wird nicht zu meinem Herzen gelangen. Da war sie sich sicher. Sicher genug, dass sie schließlich seinem Blick begegnete und nickte.
„Sie glauben, Sie können mich in dreißig Tagen verführen? Na schön. Die Wette gilt. Viel Glück dabei, Mr. Thorne.“
„Vielen Dank, aber ich habe noch nie Glück gebraucht.“ Als sie um ihn herum gehen wollte, hielt er sie mit ausgestrecktem Arm zurück. „Einen Moment noch, wir müssen die Bedingungen aushandeln. Wenn ich verliere, lasse ich dir von einem meiner Kontakte an der Kunstschule auf Long Island eine Empfehlung für die Aufnahme in ihr Programm schreiben.“
„Kunstschule?“ Wie konnte er das anbieten? Sie würde nie in der Lage sein, sich das leisten zu können.
„Ja, es gibt dort ein Stipendienprogramm, für das du dich qualifizieren würdest, und die Empfehlung meines Freundes würde deine Aufnahme besiegeln.“
Callie ließ all das auf sich wirken. Wenn sie der Versuchung widerstehen würde, mit ihm zu schlafen, würde er ihr helfen, in die Kunstschule zu kommen? Die eine Sache, die sie mehr als alles andere wollte? Da musste es einen Haken geben.
„Und wenn Sie gewinnen?“ Sie konnte die Worte ‚wenn ich verliere‘ nicht aussprechen.
„Wenn ich gewinne, wirst du eine Leidenschaft erleben, die deine kühnsten Träume übertreffen wird. Ich weiß, wie man einer Frau Lust bereitet, Callie. Jeder Trick, jedes Spielzeug, jede kleine Fantasie, die du je hattest, sie können alle dir gehören. Ich kann dir versprechen, dass dein Leben, solange wir zusammen sind, nie wieder dasselbe sein wird. Alles, was du willst, ich kann es dir geben. Alles.“ Er war so zuversichtlich, so kühn, dass sie ihm fast glaubte.
Aber es gab eine Sache, die er ihr nicht geben konnte, und zum Glück war das die eine Sache, die sie nie wieder erleben wollte. Liebe.
„Das klingt nicht nach einer schwer zu gewinnenden Wette“, antwortete sie. Warum sie das Bedürfnis verspürte, ihn zu necken, wusste sie nicht.
Er lachte leise und schien ganz und gar nicht verärgert. „Wenn du glaubst, dass diese Herausforderung so leicht zu gewinnen ist, lehnst du nichts von dem ab, was ich dir vorschlage?“
Vorschlagen? Was dachte er, was er vorschlagen könnte? „Was meinen Sie?“
„Ich muss in der nächsten Woche nach Paris reisen, und ich denke, es ist nur fair, dich mitzunehmen. Ich habe deine Kunstwerke gesehen. Ich weiß, dass es dir gefallen würde, die Museen und Sehenswürdigkeiten zu besichtigen. Es ist der perfekte Ort für einen Künstler.“
Paris … Was er ihr anbot … Die Welt, von der sie immer geträumt hatte, als wäre es ganz einfach, sie ihr zu geben … Es war unmöglich. Sie könnte sich niemals leisten, diese Reise zu machen.
Scham erhitzte ihre Wangen und sie zog den Kopf ein. „Es tut mir leid, aber ich kann mir das nicht leisten…“
Mit einem tiefen Knurren zwang er ihr Kinn hoch, so dass sie ihm wieder in die Augen sehen musste. „Ich bin vielleicht kein Mann mit ehrenhaften Absichten dir gegenüber, aber wenn auch sonst nichts, so bin ich doch ein Gentleman. Die Reise und alles währenddessen wird auf meine Kosten gehen. Alles, was du tun musst, ist, mich zu begleiten.“
„Eine kostenlose Reise nach Paris?“ Sie konnte nicht anders, als diesem hübschen geschenkten Gaul ins Maul zu schauen. Er antwortete mit einem Nicken.
Paris. Wie konnte sie das ablehnen? Er hatte den einzigen Ort auf der ganzen Welt gewählt, zu dem sie nicht nein sagen konnte.
„Alles, was ich tun muss, ist, Sie zu begleiten?“ Ihr Herz schlug so schnell, dass sie sich zwingen musste, sich zu beruhigen.
„Ja, komm mit mir. Gib mir dreißig Tage Zeit, dir den Hof zu machen, wie du es verdienst.“ Er klang so feierlich, so ernst wegen dieser albernen Wette, aber die Flammen, die in seinen Augen brodelten, waren vielversprechend und machten ihr ein wenig Angst.
Er kommt mir nicht nahe, versprach sie sich. Nein. Ich bin in Sicherheit.
„Okay. Ich komme mit.“ Die Worte ertönten, und sie fühlte sich, als lebte sie in einer Art seltsamen Traum. Sie würde mit Wes Thorne nach Paris reisen. Passierte das alles wirklich?
„Gut. Ich kann bei dir bleiben und dir mit Volt helfen, wenn du möchtest.“ Er trat nicht auf die Seite, als sie wieder versuchte, an ihm vorbeizukommen.
Callie musste von ihm weg. Nur weil sie eingewilligt hatte, mit ihm nach Paris zu reisen, bedeutete das nicht, dass sie wollte, dass er ihr den ganzen Tag hinterherlief. Sie wollte in Ruhe gelassen werden. Sie wollte sich nicht von einem Mann einschüchtern lassen, der die Verkörperung von Sünde war, obwohl sie erst gestern geschworen hatte, Männer wie ihn zu meiden. Diese Wette war wahrscheinlich nur eine Möglichkeit für ihn, sich zu amüsieren. Er wollte bestimmt nur mit ihr spielen. Mehr nicht. Es gab keine Möglichkeit, dass ein Mann wie er Interesse an ihr hatte, und sie wollte das auch nicht. Wes würde ein hochgewachsenes, schickes Model wollen, eine schlanke Schönheit der High Society, kein kleines, kurvenreiches Mädchen in Jeans mit schwieligen Händen. Es machte einfach keinen Sinn, dass er sich für sie interessierte. Er musste sich hier wirklich langweilen, wenn er ihr Aufmerksamkeit schenkte. Ich muss meilenweit die einzige Frau sein, wenn das so ist. Es war ein deprimierender Gedanke.
„Es tut mir leid. Ich bin nicht in der besten Stimmung. Sie sollten wahrscheinlich einfach gehen.“ Bitte geh einfach, flehte sie innerlich. Sie fürchtete, dass ihr Plan, Männer wie ihn zu meiden, nicht von Dauer sein würde, wenn sie noch einmal darum bitten müsste. Sie würde wieder zum Trottel werden, ihr Herz an etwas hängen und später verletzt werden. Schluss damit, das liebe Mädchen zu sein. Ich muss mich schützen!
Der intensive wölfische Schimmer in seinen Augen wurde sanfter und er näherte sich ihr. Bevor sie sich bewegen konnte, drückte er sie gegen eines der Gestelle, auf dem ein alter Sattel hing, den sie zuvor an diesem Tag eingeölt hatte. Der schwere Duft des Heus, der intensive Geruch des Öls und Wes’ Atem verzehrten sie, ließen ihr Universum zu dieser einen unendlichen und doch geschlossenen Zeitspanne zusammenschrumpfen. Er legte eine Hand auf den Sattel auf ihrer Taillenhöhe, so nah, aber er berührte nicht ihre Hüfte. Seine andere Hand legte er unter ihr Kinn und hob es sanft an, so dass sie den Kopf nach hinten neigen musste, um ihm in die Augen zu schauen. Seine sanfte, aber unerschütterliche Berührung ließ die neu errichtete Ziegelsteinmauer um ihr Herz erbeben.
Nein, ich kann nicht zulassen, dass er mir zu Kopf steigt. Sie musste ihre Emotionen und ihre Reaktion auf ihn kontrollieren.
„Vergieße deine Tränen für ihn, Callie. So viel darfst du“, flüsterte er. Sein warmer Atem strich über ihre Lippen, als sich sein Gesicht dem ihren näherte.
„Dürfen?“ Sie sträubte sich und drückte fest gegen seine Brust. Er rührte sich nicht.
„Ja.“ Er lächelte fast kalt. „Du darfst weinen, wenn dein Herz gebrochen ist, aber du sollst wissen, dass die ganze Welt auf dich wartet, wenn du bereit bist.“
Wes legte die Hand an ihre Wange, trat dicht an sie heran und presste seine Lippen auf ihre. Es war kein keuscher Kuss. Seine Zunge glitt nach innen, streichelte ihre, und sie zuckte an ihm zusammen. Er attackierte ihre Sinne. Seine Hände waren plötzlich überall, glitten langsam über ihren Rücken, folgten ihren Hüften, streichelten die empfindliche Haut in ihrem Nacken. Ihr Herzschlag dröhnte in ihren Ohren wie das Echo von donnernden Hufen eines Mustangs auf den Feldern auf der anderen Seite der Berge.
Seine Zähne sanken in ihre Unterlippe. Der kleine Stich ließ sie vor Schreck nach Luft schnappen, und ein verräterischer Hauch von Bewusstheit und Lust durchströmte sie. Er umschmeichelte ihre Lippen, neckte und spielte mit ihrem Mund und schien sich ihren Körper mit der Art einzuprägen, wie seine Handflächen ihre Kurven und Wölbungen nachzeichneten. Sie konnte nicht denken, konnte nicht atmen. Sie musste das unterbinden. Sie musste … Als sie zu zittern begann, trat er plötzlich zurück und legte seine Stirn gegen ihre. Ihre gemeinsamen Atemzüge bestanden zu gleichen Teilen aus sanftem Keuchen.
„Du bist noch nicht bereit. Noch nicht.“ Er strich eine Locke ihres Haares aus ihrem Gesicht und steckte sie hinter eines ihrer Ohren. Die Geste war intim und zärtlich. Sie zitterte.
„Bereit für was?“, wollte sie wissen, aber ihre Stimme klang atemlos.
„Für mich. Aber du wirst es sein. Ich habe dreißig Tage, um es dir zu beweisen. Leider muss ich für ein paar Tage nach Weston zurückkehren, aber ich komme zurück und hole dich ab.“ Er zog sich aus ihrem persönlichen Bereich zurück und blickte sie noch einen Moment lang an, bevor er aus der Sattelkammer heraustrat und ging.
Callie hob ihre Fingerspitzen zu den Lippen, ihre Hand zitterte. Was hatte sie getan? Wes hatte sie geküsst. Er hatte sie geküsst. Ihr erster Kuss. Es war nicht so verlaufen, wie sie es geplant hatte, und er war nicht von dem Mann gekommen, den sie wollte, dem Mann, den sie liebte. Ihr Herz bebte in ihrer Brust. Es fühlte sich an, als hätte sie Fenn betrogen, aber das hatte sie nicht. Ein Mensch konnte niemanden verraten, mit dem man nie in einer Beziehung gewesen war. Das war die harte Realität, die sie akzeptieren musste. Sie mochte Fenn geliebt haben, aber er liebte sie nicht zurück, nicht auf romantische Art. Sie würde immer nur eine kleine Schwester für ihn sein. Und das hatte ihr Herz in tausend Stücke zerschmettert. Was würde es mit ihr anstellen, in Wes’ Nähe zu sein, wenn sie nicht kalt und von seiner Leidenschaft unbeeindruckt bleiben konnte?
Was soll ich nur tun?
Sie konnte immer noch den Druck seiner Lippen auf ihren spüren, als hätte er sie mit einem einzigen sinnlichen Kuss gebrandmarkt. Sie hasste sich selbst dafür, wie ihr Körper mit seinem verschmolzen war, und für das kribbelnde Bedürfnis direkt unter ihrer Haut, das sich nach seiner Berührung, seiner Liebkosung sehnte. Aber sie wollte es nicht, sie wollte ihn nicht. Und das sollte sie auch nicht.
Wes Thorne war gefährlich. Beängstigend intensiv und von allem zu viel. Da war immer noch dieses unausgesprochene Wort, das in der Luft um sie herum surrte. Er hatte es nie ausgesprochen, aber sie hatte es in seinem Kuss gefühlt.
Bald. Erst nachdem sie wieder ins Haus zurückgekehrt war, wurde ihr klar, dass sie vielleicht die Verlobungsparty von Fenn und Hayden verpassen würde, wenn sie mit Wes nach Paris ging. Hatte er das mit Absicht getan? Gab er ihr eine Ablenkung, um sie davon abzuhalten, sich etwas entgegenzustellen, das ihr Herz zu Staub zermahlen würde? Vielleicht war Wes doch nicht so herzlos … oder er war listiger, als sie es sich je erträumt hatte.

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