Rausch der Unterwerfung

Erschienen: 01/2013

Genre: Soft-SM / BDSM

Location: Spanien

Seitenanzahl: 204 (Übergröße)


Erhältlich als:
paperback & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-037-7
ebook: 978-3-86495-038-4

Preis:
Print: 14,90 €[D]
ebook: 6,99 €[D]

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Rausch der Unterwerfung


Inhaltsangabe

Mit Bedenken, aber dem Reiz der Unterwerfung schon viel zu sehr verfallen, folgt Anne der Einladung eines Fremden, ihm drei Tage lang als Sklavin zu dienen. Miguel scheint der Richtige zu sein, sie in die verlockende Welt der tabulosen Lust einzuführen.

Doch schon kurz nach ihrer Ankunft wird Anne klar, dass der unnahbare Bondage-Künstler mehr von ihr erwartet, als sklavischen Gehorsam, und dass ihr vorheriger Online-Kontakt nichts anderes als ein Casting war. Was als erotisches Abenteuer beginnt, entwickelt sich schnell zu einem Tanz auf dem Seil, der zunehmend gefährlicher wird, nicht nur für Annes Herz.

Über die Autorin

Cornelia Eden erblickte des Licht der Welt im Jahr 1972 in einer Kleinstadt in Vorpommern. Fremde Gefilde hatten jedoch schon immer magische Anziehungskraft auf sie. Ihre frühe Kindheit verbrachte sie in Russland, und auch nach Abschluss ihrer Lehre zur Bürokauffrau...

Leseprobe

Nicht im Traum hätte sie gedacht, dass sie wenige Tage später in einem Flieger sitzen würde, schon gar nicht ins Ausland. 

Als sie die E-Mail mit Miguels Anweisungen las, hatte sie fest mit einem Inlandsflug gerechnet, München, Stuttgart, irgendetwas, was weit genug weg war von Berlin, dass er ihr die lange Reise nicht per Auto oder Zug zumuten wollte. Sie hatte sich geschmeichelt gefühlt, dass er so viel Aufhebens um sie machte und sie buchstäblich einfliegen ließ, das hatte Niveau. 

Jedoch war das prickelnde Gefühl, mit dem sie den Flughafen betreten hatte, schnell wieder den dumpf pochenden Bedenken gewichen, als sie am...

...Schalter der Air Berlin erfuhr, dass ihr ein Flug nach Spanien bevorstand, Alicante, um genau zu sein.

Eine ganze Weile hatte sie in der Halle des Flughafens gestanden und mit sich gehadert, schließlich hatte sie eingecheckt.

Aus dem Augenwinkel nahm sie plötzlich wahr, dass ihr Sitznachbar ungeniert auf ihre Beine starrte. Unwillig zog sie ihren Rock nach unten, der sich, obwohl sie ganz still saß, wie von Zauberhand immer wieder in die Höhe schob, bis das breite Spitzenband ihrer halterlosen Strümpfe hervorblitzte.

Missbilligend schaute sie den Mann an, der sich sofort wieder in die Börsenberichte der Frankfurter Allgemeinen vertiefte, in denen er seit Beginn des Fluges las, als wäre es die Bibel. Er trug einen dunklen Anzug, ein weißes Hemd, jedoch keine Krawatte, und Anne identifizierte in ihm sofort genau den Typ Mann, den sie nur zu gut kannte. Lässig zur Schau gestellter Erfolg war so oft der Deckmantel eines kümmerlichen Egos, das zu Hause unter Frauchens Pantoffel stand.

„Würden Sie bitte etwas Rücksicht nehmen?“, zischte sie immer noch verärgert und schlug mit dem Handrücken gegen seine Zeitung, die er in voller Größe ausgebreitet hatte und so gezwungenermaßen weit in ihren Sitzbereich hielt.

Er blickte sie an und runzelte die Stirn. „Wenn Sie es unbequem haben, liegt das wohl eher an Ihrer unpassenden Kleidung und Ihrer Sitzhaltung. Ziehen Sie Ihre Schuhe aus, setzen Sie sich bequemer hin, und Sie werden feststellen, dass meine Zeitung Sie überhaupt nicht stört.“

Verdutzt schaute Anne ihn an. Na gut, vielleicht doch nicht ganz der Pantoffelheld, den sie vermutet hatte, aber auch nicht viel besser. Er schlug die Zeitung zusammen und widmete sich dem Feuilleton. 

Anne lehnte sich gegen die Bordwand des Flugzeugs und schaute wieder aus dem Fenster. Zum wohl hundertsten Mal versuchte sie sich vorzustellen, wie ihr erstes Treffen mit Miguel ablaufen würde. 

Er hatte versprochen, sie am Flughafen abzuholen. Und Anne war nur zu bewusst, dass er sie sofort erkennen würde, sie ihn aber nicht. Zwar hatte sie ihm nie ein Foto von ihrem Gesicht geschickt, aber sie war ganz sicher die einzige Frau, die im Hochsommer lange, weiße Strümpfe trug und in hohen Riemchensandalen in ein Flugzeug gestiegen war. Vielleicht würde er sie eine Weile beobachten, ganz bestimmt sogar. Was, wenn ihm nicht gefiel, was er sah? 

Sie beugte sich nach unten und versuchte, an ihre Handtasche zu gelangen. Sie hatte sie unter den Sitz geschoben, um nicht aufstehen zu müssen, wenn sie etwas daraus brauchte. Miguel hatte es ihr explizit untersagt. Und sie musste auch niemanden bitten, ihr die Tasche aus der oberen Ablage zu reichen. Zum Glück, wie sie mit einem Seitenblick auf ihren Nachbarn feststellte, der seine Zeitung etwas eingeknickt hatte und sie über den Rand hinweg stirnrunzelnd musterte. Anne wurde wütend, sie war sich bewusst, wie es aussehen musste, wenn sie trotz ihrer übergeschlagenen Beine versuchte, unter dem Sitz herumzutasten.

„Brauchen Sie Hilfe?“, fragte er unerwartet freundlich, aber seine Augenbrauen hoben sich in einer Weise, die seinem Gesicht einen anzüglichen Ausdruck verlieh.

„Nein, danke!“, schnappte sie zurück.

Das würde dem Kerl so gefallen, sich runterzubeugen und ihr vielleicht noch wie ein Schuljunge unter den Rock zu gucken.

Es half nichts. Zwar konnte sie ihre Tasche mit den Fingerspitzen ertasten, aber mehr auch nicht. Als sie ihr übergeschlagenes Bein etwas anhob und neben das andere stellte, konnte sie ein leises Seufzen kaum unterdrücken. Ein stechender Schmerz fuhr in ihren Oberschenkel und breitete sich in Richtung Fußspitze aus. Sie hatte nicht einmal bemerkt, dass ihr Bein eingeschlafen war. Doch sie wollte auch nicht, dass ihr Nachbar etwas von ihrer Pein bemerkte, deshalb verzog sie keine Miene, beugte sich nur noch einmal hinunter und zog ihre Tasche unter dem Sitz hervor. Dann kramte sie ihre Make-up-Dose heraus, deren Innendeckel mit einem Spiegel versehen war. Anne hatte weitestgehend auf Schminke verzichtet, weil Miguel einmal angedeutet hatte, dass er nichts davon hielt, und sich deshalb mit Kajal und Wimperntusche begnügt. Sie fuhr kurz mit dem Finger ihre Unterlider entlang, wo der Kajal ein wenig verwischt war, warf einen schnellen Blick auf ihre langen, dunkelblonden Haare, die eine Spange in ihrem Nacken zusammenhielt, klappte die Dose zu und steckte sie weg. Anschließend schlug sie ihre Beine wieder übereinander, wie Miguel es angeordnet hatte, nur diesmal anders herum, was ihre schmerzenden Glieder dankbar begrüßten.

Neben sich hörte sie ihren Nachbarn leise lachen und nahm auch wahr, wie er den Kopf schüttelte. Vermutlich hielt er sie nun endgültig für eine Tussi. Wenn der Typ wüsste, warum sie in diesem Flugzeug saß.

Als sie in ihrem Magen spürte, dass es allmählich abwärts ging und der Pilot die baldige Landung in Alicante ankündigte, war Anne nur noch erleichtert. Zwar war der Flug von knapp drei Stunden nicht wirklich lang gewesen, aber die Schmerzen in ihren Beinen waren kaum noch zu ertragen, außerdem musste sie dringend zur Toilette.

Nach der Landung stand sie auf recht wackligen Beinen im Gang und wartete wie alle anderen Passagiere darauf, das Flugzeug verlassen zu können. Ihr Sitznachbar stand vor ihr und holte gerade eine schwarze Sporttasche aus dem Ablagefach, die so gar nicht zu seiner sonstigen Aufmachung passte. Auch bemerkte sie erst jetzt, wie groß er war. Sie selbst war mit ihren ein Meter einundachtzig ziemlich hochgewachsen und war es gewohnt, selbst vielen Männern auf den Scheitel gucken zu können. Der Typ vor ihr überragte sie aber noch um einen halben Kopf. Eins neunzig schätzte sie, mindestens.

Als sie endlich aus dem Flugzeug heraus war, steuerte sie, so schnell es ihre hohen Absätze erlaubten, auf das nächste Damen-WC zu. Im Waschraum warf sie noch einen letzten Blick in den Spiegel und lächelte sich ein wenig Mut zu.

Ganz sicher war das das Verrückteste, was sie je gemacht hatte, aber es fühlte sich gerade deshalb gut an. Vielleicht lag es auch an der fremdländischen Atmosphäre, die schon hier spürbar war, obwohl sie den Flughafen noch nicht einmal verlassen hatte. Sie war in Abenteuerlaune, und ihre Bedenken hatten sich nahezu in Luft aufgelöst.

Auch wenn sie nur wenig über Miguel wusste, hatte er ihr doch immer den Eindruck vermittelt, erfahren und verantwortungsbewusst zu sein, was ihre Veranlagung betraf. Er war der richtige Mann, sie endgültig in diese erregende verbotene Welt einzuführen. Sie wusste, dass er sich darauf freute, und sie freute sich auch.

 

Erwartungsvoll und mit vor Aufregung feuchten Händen verließ sie den Ankunftsbereich und betrat die Flughafenhalle. Hinter einer kleinen Absperrung standen unzählige Menschen, die auf Freunde und Verwandte warteten. 

Anne hakte die Finger der rechten Hand in die Schlaufen ihrer Handtasche und tauchte langsam in die Menge ein. Sie musterte die Gesichter, suchte vor allem nach einem Mann ohne Begleitung, doch die Ankunftshalle schien voller Familien und Pärchen. Nach einer ganzen Weile, in der nichts geschah und niemand sie ansprach, wurde sie unruhig.

Sie konnte sich nicht vorstellen, dass Miguel sie, von ihrem Anblick ernüchtert, einfach hier am Flughafen stehen ließ. Zwar war sie nicht die große klassische Schönheit, nach der Männer sich umguckten, aber sie war auch nicht unattraktiv, und auf ihre Figur war sie immer schon stolz gewesen. Abgesehen davon hatte Miguel ihr mehr als einmal versichert, dass ihr Aussehen für ihn nachrangig sei. 

Doch es gab noch eine andere Möglichkeit, warum sie nach weiteren zehn Minuten immer noch allein zwischen all den Menschen stand, die offenbar alle zu jemandem gehörten, nur nicht zu ihr. Diese zweite Möglichkeit gefiel ihr noch weniger als die erste. Unmutig zog sie die Stirn in Falten.

Er könnte von sich aus einen Rückzieher gemacht haben. Von so was hörte man doch ständig. Im Chat noch selbstsicher und dominant, aber in der Realität doch nur ein Reinfall, der im letzten Moment den Schwanz einzog. 

Anne schniefte verdrossen. Ausgerechnet Miguel, der sie über Wochen so beeindruckt hatte. Enttäuscht schaute sie sich noch einmal um. Die Frist, die eine längere Suche im Menschengewühl erklärt hätte, war längst überschritten. Sie konnte nicht fassen, dass sie nun hier festsaß.

Plötzlich sah sie zumindest ein bekanntes Gesicht, was sie innerlich fast aufatmen ließ. Sie hatte schon angefangen, sich im fremden Land, zwischen all den fremden Menschen, ganz verloren zu fühlen.

Die Sporttasche zwischen den Beinen abgestellt, eine Hand lässig in der Hosentasche seines Anzugs, lehnte ihr Flugnachbar an einer Säule und nippte heißen Kaffee aus einem Pappbecher. Als ihre Blicke sich trafen, lächelte er dünn und nickte ihr kurz zu.

Sie setzte sich in Bewegung, wenigstens brauchte sie nicht mehr ganz allein und dumm in der Halle herumzustehen.

„Was machen Sie denn noch hier?“, fragte sie salopp, als sie ihn erreicht hatte.

„Ich warte auf jemanden. Und Sie?“

„Ich auch.“

Er lachte leise. „Dieser Mistkerl.“

„Bitte?“

Wieder lächelte er und nippte an seinem Kaffee. „Der Mann, auf den Sie warten.“

„Ich warte auf meine Mutter.“

„Ja genau, deshalb haben Sie sich auch so in Schale geschmissen und konnten im Flugzeug kaum das Gesicht vom Spiegel losreißen.“

„Na hör’n Sie mal!“ Entrüstet stemmte sie eine Hand in die Hüfte und funkelte ihn böse an. Da grinste er plötzlich, aber es war ein charmantes Grinsen, ohne diesen arroganten Blick, mit dem er sie bisher bedacht hatte.

„Na gut“, gab sie besänftigt zu. „Sie haben recht, ich warte auf einen Mann.“

„Ja, und das ist ganz offensichtlich ein ziemlicher Mistkerl, wenn er Sie hier herumstehen lässt wie bestellt und nicht abgeholt. Das muss frustrierend sein.“

„Also …“ Sie schnappte erneut nach Luft. „Da fassen Sie sich mal schön an die eigene Nase. Sie sind keinen Deut besser. Erst glotzen Sie auf meine Beine, dann machen Sie sich über mich lustig, und jetzt reden Sie auch noch unverschämt über meine Bekanntschaft, über die Sie nicht das Geringste wissen.“

Sie war in Rage, aber der Mann war auch ein gutes Ventil für ihren angestauten Frust. 

„Jetzt sei nicht gleich wieder sauer“, sagte er daraufhin leise. „Im Übrigen bin ich derjenige, der einen Grund hat … sehr böse zu sein.“

„Was?“ 

„Ich hatte dir gesagt, du sollst die Beine übereinandergeschlagen lassen, und zwar den ganzen Flug über. Hast du gedacht, ich würde das nicht kontrollieren?“

„Wie bitte?“ Sie hatte sich verhört, ganz sicher.

„Abgesehen davon sollte es für dich selbstverständlich sein, dass du auf dieser Reise nicht mit irgendeinem Kerl zu quatschen anfängst, den du nicht einmal kennst.“

„Ich …“ Unwillkommene Hitze stieg ihr ins Gesicht.

„Ich werde deine Entschuldigung annehmen, wenn du sie angemessen vorbringst“, schloss er gleichgültig, dann widmete er sich wieder seinem Kaffee und ließ den Blick durch die Ankunftshalle schweifen, als gäbe es dort Interessanteres zu sehen als Anne, die mit halb offenem Mund vor ihm stand.

„Er saß die ganze Zeit neben mir, verdammt noch mal“, durchfuhr es sie, und sie wusste nicht einmal, wie sie die Gefühle einordnen sollte, die sie dabei befielen.

Einerseits war sie wütend. Schon im Flieger hatte sie sich über ihn geärgert und musste nun feststellen, dass er nur mit ihr gespielt hatte. Wie eine Idiotin kam sie sich vor, ein denkbar ungünstiger Start.

Andererseits war sie aber auch erleichtert. Ihre Enttäuschung verflüchtigte sich. Ein Reinfall sah wirklich anders aus. 

Nachdem Miguel in ihren Chat- und E-Mail-Gesprächen so oft betont hatte, wie wenig Äußerlichkeiten für ihn zählten, hatte sie ihre Erwartungen, was ihn selbst betraf, sehr flach gehalten. Das hier war kein Date im eigentlichen Sinn, nicht der Versuch, die Liebe ihres Lebens zu finden, es ging hier nicht einmal wirklich um Sex, zumindest hatte Miguel das immer als Nebensache abgetan.

Aber jetzt, als er vor ihr stand, wurden ihr bei dem Gedanken, wie nahe sie sich in den nächsten Tagen kommen würden, die Knie ganz weich. Noch im Flugzeug hätte sie es nicht zugegeben, zumal ihr sein Verhalten übel aufgestoßen war, aber er war attraktiv, sehr sogar. Sein Haar war dunkel, fast schwarz, und er trug es relativ lang, an der Grenze dessen, was man gerade noch als Kurzhaarschnitt durchgehen lassen konnte. An seinem linken Ohr entdeckte sie einen kleinen Silberring, und an seinem Hals eine Kette aus demselben Material. Er mochte Ende dreißig sein, aber seine Figur war athletisch und ließ feste Muskeln erahnen, das konnte sie trotz des Anzugs sehen.

Dass er braune Augen hatte, bemerkte sie erst jetzt, als er sie plötzlich ansah und seine Brauen sich auf die gleiche arrogant anmutende Art hoben, wie sie es schon im Flugzeug gesehen hatte.

„Was?“, fragte sie verwirrt, während sie immer noch versuchte, ihre Überraschung zu verdauen.

„Ich warte!“ 

Die Entschuldigung! Ja, jetzt erinnerte sie sich.

„Es tut mir leid“, sagte sie schnell und senkte ein wenig den Kopf, um unterwürfig zu erscheinen. So ganz Anfängerin war sie ja nicht mehr, und die Gänsehaut, die ihr unwillkürlich den Rücken hinaufkroch, prickelte angenehm.

Als sie nach einiger Zeit wieder aufblickte, weil er nichts sagte, wusste sie sofort, dass er keineswegs zufrieden war.

„Ist dir das Wörtchen ‚angemessen’ etwa entgangen?“, fragte er.

„Es tut mir sehr leid … Herr.“ 

Sie schluckte. Ihn mit diesem Titel im Chatroom anzureden, das war eine Sache, aber es fühlte sich ganz anders an, wenn er direkt vor ihr stand.

„Schon besser“, hörte sie ihn sagen. „Aber ich finde, du gibst dir noch nicht wirklich Mühe. Lass deine Fantasie spielen und vergiss mal die ganzen Leute um uns herum. Entschuldige dich so, wie es sich gehört, Sklavin.“

„Oh mein Gott, er will, dass ich mich vor ihm hinknie“, dachte sie entsetzt. „Das geht ja gut los.“

„Nun?“, fragte er, offenbar langsam ungeduldig. „Wollen wir die nächsten Tage hier auf dem Flughafen verbringen oder lieber erst mal was essen gehen?“

Anne schloss einen kurzen Moment lang die Augen, nur gut, dass niemand hier sie kannte, dann ging sie auf dem harten Bodenbelag der Halle auf ihre Knie und holte tief Luft.

„Ich bitte um Vergebung, dass ich Eure Anweisung missachtet habe, Herr.“

Aus dem Augenwinkel sah sie einige Leute, die stehen blieben. Anne hörte sie tuscheln und leise lachen. Sie konnte nicht verhindern, dass ihr Gesicht rot anlief. Noch nie hatte sie sich in einer so unmöglichen Situation befunden, doch irgendwo in ihrem Inneren blitzte auch ein Fünkchen Stolz auf. Das sollte ihr erst mal jemand nachmachen. Auch wenn sie von Miguel geradezu genötigt worden war, gehörte doch eine gehörige Portion Mumm dazu, so über den eigenen Schatten zu springen.

Sie blickte zu ihm auf und sah, dass er wohlwollend lächelte, dann reichte er ihr seine Hand und half ihr auf die Beine.

„Na komm“, raunte er ihr zu. „Was soll’n denn die Leute denken, wenn du hier auf dem Boden herumrutschst?“ 

Er warf den Kaffeebecher in einen Abfalleimer und zog sie hinter sich her zum Ausgang.

Sie kicherte, während sie ihm folgte. „Egal, ich schätze, wir geben ohnehin ein seltsames Paar ab.“

Da blieb er stehen, musterte sie von Kopf bis Fuß und warf dann einen Blick auf seinen dunklen Anzug.

„Ja. Satan und seine Braut.“

„Seine jungfräuliche Braut“, bemerkte sie spitzbübisch.

Darauf antwortete er nichts, sah sie aber mit einem seltsamen Blick an, den sie kaum zu deuten wusste. Als würde er sich wortlos bei ihr bedanken. Offenbar bedeutete es ihm tatsächlich sehr viel, dass sie seiner Einladung gefolgt war. 

 

Auf einem der Parkdecks vor dem Flughafengebäude öffnete Miguel die Beifahrertür eines alten, dunkelblauen Nissan Patrol und ließ Anne einsteigen. 

„An Höflichkeit mangelt es ihm nicht“, dachte sie bei sich, während sie sich auf den ungewohnt hohen Sitz des Jeeps schwang und wartete, dass Miguel die Tür zuschlug. Erst als er zögerte, wurde ihr bewusst, dass sie selbst umso weniger ein Musterbeispiel des Anstands abgab. Sie öffnete den Mund, im selben Moment landete die Tür krachend vor ihrer Nase.

„Danke, Herr!“, holte sie das Versäumte trotzdem nach, als Miguel neben ihr eingestiegen war. Er reagierte jedoch nicht, als hätte er es gehört. 

Während der Fahrt schwiegen sie. Anne schaute aus dem Fenster und unterließ es, ihm Fragen zu stellen, die mit „Wohin …“ oder „Was ...“ begannen. Er hatte ihr im Laufe der fünf Wochen, die sie ihn nun kannte, oft genug zu verstehen gegeben, dass er es ganz und gar nicht schätzte, wenn sie Fragen stellte. Außerdem würde sie früh genug erfahren, wohin ihre Reise ging und was als nächstes geschah.

Nach einer guten halben Stunde verließen sie die Autobahn und fuhren in Richtung Meer, das in der Ferne im Schein der Abendsonne glitzerte. Wenig später erreichten sie einen kleinen, idyllischen Ort; weiße Häuser, die sich um eine tiefblaue Meeresbucht kuschelten, davor ein Jachthafen und ein sichelförmiger Strand. Auf den umliegenden Hügeln machte Anne etliche Villen aus, von denen einige sogar nach stattlichen Anwesen aussahen.

Miguel parkte in der Nähe des Bootshafens und stieg aus.

„Stopp!“, sagte er barsch, als Anne nach dem Türhebel griff, dann warf er die Fahrertür zu, ging um den Wagen herum zur Beifahrerseite und öffnete sie.

„Wir mögen ein seltsames Paar sein, aber wenigstens eins mit Stil“, sagte er und reichte ihr die Hand. Sie lächelte. Noch nie zuvor war ihr von einem Mann aus dem Auto geholfen worden. Und eigentlich mochte sie es nicht einmal, wenn man ihr im Restaurant die Tür aufhielt oder den Mantel reichte. Doch bei Miguel fühlte es sich anders an. Er tat es nicht, um sie zu beeindrucken. Er machte eine Forderung daraus.

Als sie vor ihm stand, hob er die Hand, die die ihre noch immer umfasste, und streckte seinen Zeigefinger aus, der auf Annes Nase zielte.

„Ab sofort keine Eigenmächtigkeiten mehr“, sagte er und drückte ihre Hand fest zusammen. „Du bist mein Gast, und ich werde für dich sorgen. Im Gegenzug wirst du nur das tun, was ich dir sage … oder mich um Erlaubnis bitten. Ist das angekommen?“

Anne nickte schnell. Etwas Ähnliches hatte er schon in einem ihrer letzten Chatgespräche gesagt, als sie über die Einzelheiten des Treffens gesprochen hatten, über Tabus von ihrer Seite und Erwartungen seinerseits, und sie hatte eifrig zugestimmt.

„Ich hör nichts!“

„Ja, Herr!“

Anne keuchte auf, als ein stechender Schmerz durch ihre Fingerglieder fuhr. So einfach, wie sie es sich vorgestellt hatte, war es wohl doch nicht, ihre Versprechen zu halten. Doch er selbst hatte auch etwas versprochen. Hatte er nicht immer wieder gesagt, dass er auf ihre Unerfahrenheit Rücksicht nehmen würde?

Sein Griff lockerte sich, und sein Daumen fuhr plötzlich sanft über ihre schmerzenden Fingerglieder.

„Du wirst schnell feststellen, dass ich dir nichts durchgehen lasse. Ich will, dass du dich konzentrierst. Im Moment verlange ich nur ganz einfache, realisierbare Dinge von dir, nichts, was dich überfordern dürfte.“

„Ja, Herr!“ Diesmal senkte Anne ihren Kopf ganz automatisch, doch auch das schien nicht richtig zu sein, denn zwei energische Finger unter ihrem Kinn zwangen ihn augenblicklich wieder in die Höhe, bis sie in Miguels forschende Augen sah, in denen ein schwer zu deutendes Glitzern funkelte.

„Lektion Nummer zwei“, fuhr er ruhig fort. „Eine achtbare Sklavin präsentiert sich an der Seite ihres Herrn mit gesenktem Blick, aber erhobenem Kopf, denn sie ist stolz auf das, was sie ist. Das kannst du jetzt auf dem Weg zum Restaurant ein wenig üben.“

Sie liefen die belebte Promenade entlang bis zu einem Restaurant, wo sie an einem Tisch an der Front der offenen Terrasse Platz nahmen. Nur mühsam unterdrückte Anne einen erleichterten Seufzer, als sie sich setzte. Der kurze Weg hatte ihr mehr Konzentration abverlangt, als sie erwartet hatte. Kopf hoch, Blick gesenkt, das war eine ungewohnte Kombination. Doch Miguels Arm hatte ihr Halt gegeben, und der stete Blick auf die Gehwegsteine half ihr, nicht zu stolpern. Trotzdem war sie mehr als dankbar gewesen, dass er die gesamte Zeit über kein Wort sagte.

Als der Kellner kam, bestellte Miguel in offenbar fließendem Spanisch und lehnte sich dann schweigend auf seinem Stuhl zurück. Etwas missmutig schaute Anne in den kleinen Hafen hinunter. So viel also zum Thema Stil. Er hätte sie wenigstens fragen können, was sie trinken wollte. Als der Kellner jedoch mit einem Krug Sangria und einer großen Wasserflasche zurückkehrte, war sie besänftigt. Wenn Miguel mit dem Essen genauso richtig lag, wie mit den Getränken, dann wollte sie sich nicht beschweren.

Er füllte ihre Gläser zur Hälfte mit der Sangria und streckte sie zur anderen Hälfte mit Wasser.

„Das Zeug, das die hier machen, ist ziemlich stark“, erklärte er dabei. „Ich will nicht, dass du an unserem ersten Abend beschwipst bist.“

„Ich auch nicht“, antwortete sie und nahm ihr Glas dankbar lächelnd entgegen.

Während sie an ihrer Sangria nippte, legte Miguel seine Hände vor sich auf den Tisch und blickte sie ernst an.

„Lass uns eins von Anfang an klarstellen. Auch wenn es dir vielleicht so vorkommen mag, als wäre ich ständig unzufrieden mit dir, solltest du wissen, dass ich mich wirklich freue, dass du hier bist, und dass ich möchte, dass du die Tage hier genießt und etwas mitnimmst, was dich noch lange Zeit begleiten wird.“

Sie wusste nicht, was sie darauf antworten sollte, also nickte sie nur.

„Du weißt, worauf du dich eingelassen hast, wir haben ja ausführlich darüber gesprochen.“

Sie nickte erneut und hoffte, nicht wieder rot zu werden, was natürlich den genau gegenteiligen Effekt hatte.

„Ich hasse das …“, sagte sie unwillig, als er amüsiert die Lippen verzog. „Ich werde ständig rot, bei allen möglichen Kleinigkeiten, manchmal sogar, wenn es gar keinen Anlass gibt. Das bedeutet nichts … wirklich. Ich bin nicht prüde oder so was.“

„Nein“, antwortete er. „Aber es gefällt mir, wenn du so aussiehst, als wärest du verlegen. Das gehört sich auch so für eine jungfräuliche Braut.“

Er griff plötzlich in seine Hosentasche, und noch ehe sie erkennen konnte, dass er ihr eine kleine Digicam entgegenstreckte, hatte er bereits ein Foto von ihren glühenden Wangen geschossen.

„Oh nein!“, quietschte sie und schlug die Hände vors Gesicht. „Ich sehe bestimmt scheußlich aus.“

„Wenn du es sagst, dann wird es wohl so sein. Ich kann das nicht beurteilen.“

Etwas verwirrt schaute sie ihn an. Meinte er das ernst oder spielte er schon wieder mit ihr? Er winkte jedoch ab und kehrte zum Anfang ihres Gesprächs zurück.

„Wir hatten auch über dein Safeword gesprochen. Hast du dir mittlerweile eins überlegt?“

Sie nickte und war froh, dass er ihr diese Frage stellte. Das Safeword war ihre Reißleine, ihr Stoppschild. Das Wort konnte das Spiel, auf das sie sich eingelassen hatte, sofort zu beenden. Es gab ihr Sicherheit.

„Pandoras Büchse.“

„Das sind zwei Wörter“, kommentierte er und schmunzelte leicht. „Aber gut, meinetwegen. Pandoras Büchse also … Neugier und Hybris. Genauso fühlst du dich gerade, nicht wahr?“

Sie nickte erneut.

„Beschreib es mir! Und sei möglichst genau. Wie fühlst du dich jetzt in diesem Augenblick?“

Eine Weile überlegte sie und biss dabei unbewusst auf ihrer Unterlippe herum. „Ein bisschen wie nach drei Kannen schwarzem Kaffee“, antwortete sie schließlich und schloss einen kurzen Moment lang die Augen. „Ich kann meinen Herzschlag spüren, und in meinem Bauch spielt auch irgendwas verrückt. Ehrlich gesagt, ich bin ganz schön aufgeregt und nervös. Und diese Strümpfe bringen mich fast um.“

„Du bist sie bald los“, versprach er und zwinkerte ihr zu, dann zog er einen kleinen Notizblock hervor und schrieb etwas hinein.

Währenddessen kam der Kellner mit einer bunten Platte voller appetitlich angerichteter Tapas zurück.

„Greif zu“, sagte Miguel. „Du darfst alles essen, was du möchtest … nur die Scampi rührst du nicht an.“

„Aber … die sind doch das Beste von allem“, meinte sie enttäuscht.

„Eben.“ Er grinste. „Du hast mir erzählt, wie sehr du sie magst. Aber noch hast du sie dir nicht verdient. Vielleicht lass ich dir welche übrig, wenn du dich anständig benimmst.“

Sie zog einen Schmollmund und begann zu essen. Doch auch, wenn sie sich mit den Gemüse- und Käsehäppchen begnügen musste, es schmeckte köstlich, dazu die Sangria und die warme spanische Abendluft. Sie fühlte sich plötzlich wie im siebten Himmel und vergaß eine ganze Weile ihre Nervosität.

„Und? Wie siehts aus? Möchtest du immer noch von den Scampi kosten?“

„Klar!“

Sehnsüchtig schaute sie auf seinen Teller, auf dem die letzten drei der Garnelenschwänze lagen.

„In Ordnung“, sagte er. „Dann darfst du jetzt aufstehen, dich über den Tisch beugen und sie von meinem Teller essen … mit dem Mund“, fügte er hinzu, als sie bereits ihre Hand ausstreckte. „Am besten, du verschränkst die Arme hinter dem Rücken, damit du gar nicht erst in Versuchung kommst.“

Mit großen Augen starrte Anne ihn an, dann blickte sie sich vorsichtig um. Die Restaurantterrasse war bis auf den letzten Platz besetzt, die Tische hinter ihr voller Menschen, die aßen, tranken, sich entspannt unterhielten und ihr keinerlei Beachtung schenkten. Aber sie war sicher, dass sich das sehr schnell ändern würde, wenn sie Miguels Aufforderung nachkam, zumal er mit seiner letzten Anweisung offenbar auch verhindern wollte, dass sie ihren Rock am Saum festhielt, der mit Sicherheit in die Höhe rutschen würde. Und sie hatte zu allem Übel auch kein Höschen an, so wie er es in seiner E-Mail verlangt hatte. Unwillkürlich beschleunigte sich ihr Atem. Wie würde er reagieren, wenn sie sich weigerte? Legte er es vielleicht darauf an? Wollte er sie testen?

Als sie Miguels Einladung gefolgt war, hatte sie es wohl wissend getan, dass er sie vor Herausforderungen stellen würde. Sie hatte sich vor allem Sorgen darum gemacht, dass ihr Vertrauen missbraucht würde und sie an einen Mann geriet, der sie ausnutzte und ihr wer weiß was antat. Demütigungen erdulden zu müssen, hatte sie weniger gekümmert, ganz im Gegenteil … aber doch nicht in aller Öffentlichkeit! Wenn es hart auf hart kam, würde man sie noch verhaften.

„Ich bin kein sehr geduldiger Mensch“, sagte Miguel plötzlich leise. „Und du möchtest ganz bestimmt nicht heute schon erleben, was passiert, wenn ich ungeduldig werde. Also tu jetzt, was ich gesagt habe. Sofort!“

Augenblicklich stand Anne auf und verschränkte die Hände hinter ihrem Rücken. Der Mann verstand es wirklich, sie unter Druck zu setzen. Auch wenn sie nicht einmal wusste, womit er ihr drohte, sie wollte es tatsächlich nicht gleich an ihrem ersten Abend erfahren.

Während sie sich langsam über den Tisch beugte und versuchte, ihr Gleichgewicht nicht zu verlieren, spürte sie, wie ihr der Schweiß aus allen Poren trat. Hinter sich hörte sie mehrstimmiges, herzhaftes Gelächter. Galt das ihr?

Hilfe suchend schaute sie in Miguels Gesicht und schüttelte kaum merklich den Kopf. Doch aus seiner Miene war jede Regung gewichen, seine Augen waren kühle Warnung, seine schön geschwungenen Lippen gemeißelter Granit.

„Wirds bald?“ 

Wie unter einem Schlag duckte Anne sich tiefer und fragte sich plötzlich, was sie da überhaupt tat und warum sie schon jetzt, allein vom Klang seiner gefährlich leisen, unnachgiebigen Stimme, so erregt wurde. In ihrem Schoß pochte es rhythmisch, sie fühlte sich benommen, konnte sich kaum auf ihre Aufgabe konzentrieren.

Mit ihren Händen im Rücken gelang es ihr zumindest, ihren Rock einigermaßen in Position zu halten. Zwar rutschte er deutlich über die Spitzenbänder ihrer vermaledeiten Strümpfe hinauf, aber zumindest ihr Hintern blieb bedeckt. Mit den Lippen angelte sie nach der ersten Garnele und begann zu kauen. Dabei wollte sie sich ein wenig aufrichten, im gleichen Moment stieß sie ein unterdrücktes, schmerzvolles Quieken aus, das selbst in ihren eigenen Ohren seltsam klang.

Miguels Hände, die links und rechts neben dem Teller lagen, hatten ihre Nippel gepackt und hielten sie unbarmherzig fest.

„Du bist noch nicht fertig, Frau, schön aufessen“, raunte er in ihr Ohr.

Sie keuchte, als sie einen warmen Luftzug an ihren Schamlippen spürte, die offenbar unter dem entblößten Ansatz ihres Hinterns hervorlugten. Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit, und schon war der Rock ihrer Kontrolle entglitten. Jetzt war Eile angesagt. Schnell schnappte sie sich die nächste Garnele und kaute hastig.

„Pass auf, dass du dich nicht verschluckst, sonst tuts wirklich weh“, kommentierte er ihre Bemühungen und kniff, wie um die Worte zu unterstreichen, noch fester in ihre Brustwarzen. Annes Knie knickten ein, die Luft vor ihren Augen begann zu flimmern. Nur mit Mühe unterdrückte sie einen weiteren Schmerzenslaut und nahm stattdessen die dritte Garnele vom Teller auf.

Miguel ließ sie jedoch noch immer nicht los, sondern wartete seelenruhig, bis sie nicht mehr kaute.

„Fertig?“, fragte er sie schließlich. 

Sie nickte. 

„Mach den Mund auf!“

Schnell pulte sie mit der Zunge auch noch die letzten Krümelchen zwischen ihren Zähnen hervor und schluckte sie runter. Dann hielt sie ihm ihren offenen Mund entgegen. Ihr war mittlerweile alles egal. Sie wollte nur noch, dass er sie losließ, und am liebsten wäre sie dann sofort unter den Tisch gekrochen, um für immer dort zu bleiben.

„Gut. Du darfst dich jetzt wieder hinsetzen.“

Der Schmerz in ihren Nippeln ließ augenblicklich nach, als er sie freigab, auch wenn es noch eine ganze Weile weiter in den harten Knospen pochte. 

Anne sank auf ihren Stuhl. In ihrem Inneren bebte es, ihr Herz hämmerte wie wild gegen ihre Rippen. Sie starrte auf ihre Hände, die sich auf ihren Knien zu einem merkwürdigen Knoten verschlungen hatten, während ihr Schoß wie unter Reizstrom zuckte. 

„Dem Erfinder der Unterwäsche gehört ein Denkmal gebaut“, dachte sie, als sie spürte, wie ein kleines Rinnsal sich seinen Weg bahnte und in ihren Rock sickerte, ohne dass sie etwas dagegen tun konnte. Dass dies zu einem gut sichtbaren Fleck und damit gleich zur nächsten Peinlichkeit führen würde, darüber mochte sie noch gar nicht nachdenken. Sie schloss die Augen und versuchte, sich zu fassen. Es war nicht nur Erregung, die sie fühlte, sondern auch Scham. Es war das gleiche unwillkommene Gefühl, das sie manchmal überkam, wenn sie sich ihren Fantasien hingab, doch diesmal war die Situation real und der Mann, der ihr seinen Willen aufzwang, echt.

Als sie die Augen wieder aufschlug, sah sie direkt in Miguels lächelndes Gesicht. Seine Hand hielt ihr eine frische Serviette entgegen.

„Wisch dich ab!“, forderte er sie auf, und ihr war sofort klar, dass er damit nicht ihren Mund gemeint hatte.

Angesichts ihrer Situation war sie ihm jedoch geradezu dankbar. Sie nahm die Serviette, rutschte näher an den Tisch heran und versuchte unauffällig, den Fleck auf ihrem Rock zu trocknen und so viel Feuchtigkeit wie möglich aufzunehmen, damit er nicht noch größer wurde.

Als sie fertig war, hatte sie ein neues Problem. Wohin mit der Serviette? Sie hatte ihre Handtasche auf Miguels Anordnung hin im Auto zurückgelassen, ihr Rock hatte keine Taschen, und auch sonst hatte sie keine Idee für eine unauffällige Entsorgung. 

„Gib sie mir“, hörte sie Miguel sagen. „Ich kümmer mich drum.“

Seine Hand langte bereits unter den Tisch und tippte auffordernd gegen ihr Knie.

Anne seufzte und schob ihm das klatschnasse Ding zwischen die Finger. Sie hatte diesem Mann bereits ihre intimsten Gedanken verraten, er besaß Fotos von ihren Brüsten, ihrer rasierten Möse und ihrem Hinterteil, und er würde all das schon bald auch live zu Gesicht bekommen. Es gab also überhaupt keinen Grund, sein Hilfsangebot abzulehnen, zumal er sich ohnehin durchsetzen würde.

Er lächelte, lehnte sich zurück und warf die Serviette auf seinen Teller. Dann legte er sein Besteck ordentlich daneben und hob die Hand, um sich dem Kellner bemerkbar zu machen. Hatte dieser Mann eigentlich vor irgendetwas Respekt?

Anne wagte nun endlich einen kurzen Rundblick. Zu ihrem Erstaunen stellte sie fest, dass nicht ein einziger Restaurantbesucher in ihre Richtung schaute. Während sie eine gefühlte Ewigkeit lang fast gestorben war, weil sie die Blicke von Dutzenden fremden Menschen auf ihrem halb entblößten Hintern zu spüren glaubte, schien niemand überhaupt bemerkt zu haben, was vorging. 

„Die sind alle viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt“, sagte Miguel, der offenbar ihre Überraschung bemerkt hatte. „Du würdest dich wundern, wie weit du gehen musst, wenn du Aufmerksamkeit willst.“

Der Kellner räumte die Teller vom Tisch und schien sich nach weiteren Wünschen zu erkundigen. Miguel bestellte wieder etwas, was Anne nicht verstand, dann zog der Kellner mit seiner Fracht, einschließlich der Serviette mit Annes trocknendem Mösensaft, davon.

„Ich möchte eigentlich keinen Nachtisch mehr“, sagte sie leise und fühlte sich plötzlich müde und ziemlich erschöpft. Der ganze Tag, der Flug, die Aufregung und vor allem die letzten beiden Stunden, die seit ihrer Landung vergangen waren, hatten sie geschafft.

„Du bekommst auch keinen Nachtisch, und heißer Kaffee ist jetzt auch nicht das Richtige. Ich habe dir einen kleinen Absacker bestellt, damit du dein Essen besser … verdauen kannst.“ 

Er grinste ein wenig schadenfroh, und Anne musste plötzlich lachen.

„Du … Ihr wollt wohl doch noch, dass ich einen Schwips bekomme?“

„Du solltest etwas mehr auf die Adjektive achten, die ich benutze. Ich sagte: ‚klein’.“

„Adjektive“, murmelte sie verdutzt. „Klingt fast nach einem Schriftsteller oder so was.“

Sein Grinsen verflüchtigte sich. „Wir hatten uns darauf geeinigt, dass dich nicht zu interessieren hat, was ich beruflich mache. Richtig?“

„Richtig.“ Sie senkte den Kopf.

„Du wirst es ohnehin bald erfahren.“

An seine Sprunghaftigkeit musste sie sich noch gewöhnen.

Der Kellner erschien wieder am Tisch und servierte Anne ein bauchiges Glas mit einer schwarzen Flüssigkeit und Miguel einen Espresso, dazu stellte er ein winziges Tablett auf den Tisch, auf dem, von einer Klammer gehalten, die Rechnung lag.

Neugierig roch Anne an ihrem Glas, jedoch ohne es zu berühren. Sie wollte lieber auf Miguels Erlaubnis warten, bevor sie das schwarze Zeug trank, das süß und nach Kaffee roch.

„Tía Maria“, sagte Miguel und hob seinen Espresso. „Das ist ein spanischer Mokkalikör, was Süßes, er wird dir schmecken. Trink!“

Anne lächelte und kostete vorsichtig. Der Likör war in der Tat recht süß, aber wohlschmeckend, und er brannte angenehm in ihrer Kehle.

Nachdem sie ausgetrunken hatten, stand Miguel auf, schob einen Geldschein unter die Rechnung und reichte ihr galant seinen Arm. Anne erhob sich ebenfalls, dabei fuhr sie kurz mit der Hand über den hinteren Teil ihres Rocks, aber sie ertastete nichts, was ihr zu größerer Sorge Anlass gab. Nun konnte sie es auch genießen, neben dem ungewohnt großen Mann an ihrer Seite die Promenade zurück Richtung Auto zu schlendern, zumal es ihr diesmal schon viel leichter fiel, ihren Kopf gerade zu halten und den Blick gesenkt. Und plötzlich merkte sie, dass sie lächelte. Die ersten Herausforderungen hatte sie gemeistert, sie fühlte sich wohl. Die Luft war warm und roch nach dem Meer, das nur wenige Meter entfernt über feinen Strandsand leckte, doch das nahm sie nur am Rande wahr. Miguels gleichmäßige Schritte, die Wärme seines Arms und auch das vage Gefühl, dass er sie von der Seite beobachtete, fesselten ihre ganze Aufmerksamkeit.

Ich will, dass du dich konzentrierst.

Nichts leichter als das.

 

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