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Auszug 1
»Giovanna Rossi! Eine ehemalige Klientin
von mir! Glücklich und reich geschieden«, prahlte Conti und lachte.
Und da waren sie wieder: seine strahlenden weißen Zähne. »Die konnten
unmöglich echt sein«, dachte Fausto und bemerkte, wie ein dumpfes
Gefühl des Neides in ihm hochstieg. Dann setzte er sich wieder. »Wenn
ich Ihnen irgendwie helfen kann...«, klang es in seinen Ohren nach.
Aber konnte ihm wirklich geholfen werden? Fausto de Santis war auf
Strafrecht spezialisiert. Dennoch verstand er genug vom Zivilrecht, um
zu wissen, dass eine uneinvernehmliche Scheidung ihn ein Vermögen
kosten würde. Wenn Chiara nur einen Liebhaber hätte, fantasierte er
vor sich hin und blickte geistesabwesend in die Leere. Solange, bis
sein Blick auf Conti hängen blieb. Contis Blick hingegen klebte in
Givoannas Dekolletee. »Waren die Dinger echt?«, fragte sich Fausto.
Verdammt noch mal, er musste mit diesen Vorurteilen aufhören. Ja, es
gab nun mal attraktive Menschen, die reich von Mutter Natur beschenkt
worden waren. Hatte er nicht selbst so eine geheiratet? Chiara. Ja,
Chiara würde Conti gefallen. Aber wahrscheinlich würde jeder Frau
dieser junge und attraktive Rechtsanwalt gefallen, dachte Fausto und
seufzte.
»Entschuldigen Sie!«, sagte Conti und
setzte sich wieder.
Fausto winkte ab und gab ihm zu verstehen,
dass er sich nicht zu entschuldigen brauchte.
»Sie sagten...«, setzte Fausto an und
wusste nicht recht, wie er seine zahlreichen Gedanken in Worte fassen
konnte. »Meine Frau gefällt Ihnen also!«, sagte er dann einfach gerade
heraus.
Conti verschluckte sich fast an seinem
Espresso.
»Ich...«, stotterte er und kontrollierte
seine Armani Krawatte auf Kaffeeflecken, »verstehen Sie mich bitte
nicht falsch«, stammelte Conti und war in eine Sackgasse geraten. Und
genau dort wollte ihn de Santis haben. Denn er hatte auf einmal einen
Plan. Einen ausgezeichneten Plan.
»...und wenn ich meine Frau ‚auf frischer
Tat’ ertappen würde?«, fantasierte Fausto laut weiter.
»Dann sind Sie aus dem Schneider!«,
konterte Conti und strahlte, »haben Sie denn Beweise?«, setzte er noch
dazu und war nun wieder ganz in seiner Rolle als Scheidungsanwalt.
»Noch nicht!«, antwortete Fausto trocken
und legte das Geld für das Frühstück auf den Tisch.
Den Weg von der Piazza Mazzini zu seiner
Kanzlei in Via Oslavia würde de Santis sein Leben lang nie vergessen.
Conti hatte ihn ein Stück des Weges begleitet. Lange genug, um mit de
Santis einen Vertrag abzuschließen. Natürlich nur verbal, aber Contis
starker Händedruck an der Kreuzung von Via Oslavia und Piazza Mazzini
genügte de Santis. Es war quasi die Unterschrift unter einen Vertrag,
der nie verfasst werden durfte. Fausto würde seine Frau Chiara mit
Conti auf frischer Tat im Bett erwischen. Natürlich gab es noch
diverse Einzelheiten zu besprechen, aber der »Pakt« war schon mal
geschlossen.
Fausto war ein Stein vom Herzen gefallen.
Er fühlte sich mit einem Male frei wie ein Vogel. Unabhängig und
übermütig zugleich. Jeglichen ethischen Gedanken dieser Abmachung
verdrängte er in den hintersten Teil seines Wahrnehmungsvermögens. Was
blieb, war ein überschäumender Übermut. Ja, förmlich zum Feiern war
ihm zu Mute, als er sich auf den Weg zurück in seine Kanzlei machte.
Zwei, drei Stufen auf einmal nahm er und
verschnaufte im ersten Stock. Man lebt nur einmal, dachte er ihm
zweiten Stock. Im dritten Stock: Wozu habe ich meine Angestellten? Und
im vierten Stock, in dem sich seine Kanzlei befand, kam er nie an.
Vielleicht war es der fehlende Sauerstoff in seinem Gehirn. Vielleicht
auch die mahnenden Worte Contis über seine Gesundheit. Wie immer auch.
Er hatte einfach kehrt gemacht. Wie ein böser Schuljunge schwänzte er
die Klasse und warf sich statt dessen auf sein Mofa, das er vor dem
riesigen Hauptportal am frühen Morgen geparkt hatte. Noch einmal
wanderte sein Blick entlang der Fenster und dann in die Höhe zu seiner
Kanzlei. Aber sein Entschluss stand fest. Er musste Emilia sehen,
koste es, was es wolle.
Auszug 2
»Aber nein! Ich habe deinem Mann doch
gesagt, dass ich diese Übersetzung sofort brauche. Die Verhandlung
soll schon morgen stattfinden«, log Massimo. Und da waren sie wieder,
ihre funkelnden Augen, die ihn am liebsten verwünscht hätten. Um den
flehenden Blick in seinen Augen nicht länger ertragen zu müssen,
machte Chiara sich gleich an die Arbeit. Einen Moment lang blieb
Massimo mitten im Raume stehen. Er hatte sich selbst bei einem ganz
sündigen Gedanken ertappt. Ihre bloße Nähe machte ihn ganz und gar
kribbelig. Zu gerne hätte er sie gleich hier an Ort und Stelle
gefragt, ob er wohl mit ihr schlafen dürfte. Aber er hatte nicht den
Mut dazu, diese Frage zu stellen. Statt dessen trieb ihn seine
aufkeimende Lust mit langen Schritten durch ihr Arbeitszimmer.
»So kann ich nicht arbeiten!«, fauchte
sie ihn über die Schulter hinweg an. »Setz’ dich bitte!«, bat Chiara
und wandte ihm wieder ihren Rücken zu.
Sein Verstand riet ihm, ihren klaren
Anweisungen Folge zu leisten. Massimo nahm auf dem Sofa Platz, das ihm
einen herrlichen Blick über den Garten schenkte. Der prasselnde Regen,
der auf die Scheiben klopfte, die Wolken, die diesen sonst so klaren
Himmel überschatteten und die angenehme wohlige Atmosphäre in ihrem
Arbeitszimmer lösten in Massimo ein Gefühl aus... ja, ein Gefühl, das
er nur schwer beschreiben konnte. Eine Brise von Melancholie, ein
Schuss Begehren und eine Hand voll von einem fremdartigen Gefühl, das
ihm nicht vertraut war. Massimo verkniff es sich, Chiara anzusprechen.
Statt dessen wetzte er wie in ungezogener Schuljunge auf dem
Sitzpolster hin und her. So lange, bis sich der Gürtel seines
Bademantels wie von Geisterhand geführt mit einem Male öffnete. Ein
Bruchteil seines Gliedes kam zum Vorschein. Sicherlich, er hätte den
Spalt mit einer banalen Handbewegung wieder schließen können, aber
wollte er das? Nein! Er wollte seine halbe Erektion noch weiter
herausfordern, indem er seine Augen über Chiaras langen Nacken bis
hinab zu ihrem Po wandern ließ.
Das Ergebnis war das eines schlechten
Filmes. Vorhersehbar! Sein Schwanz stand wie eine stählerne Lanze von
ihm ab. Der prasselnde Regen. Die Melodie ihrer Anschläge. Würde sie
es hören, wenn er sich kurz mal einen wichste? Von Lust getrieben nahm
Massimo sein Glied in die Hand. Nun ließ er sich langsam nach hinten
sinken und strich seine Vorhaut mit schnellen Bewegungen über seine
glänzende Eichel.
»Was machst du da?« Chiara hatte ihn
sofort erwischt.
»Ich... du machst mich so...«, stammelte
er, ohne von seinem Schwanz zu lassen.
»Kann ich zusehen?«, fragte sie ihn zur
seiner eigenen Überraschung.
Massimo schluckte, doch der fette Kloß in
seinem Hals hatte sich nicht gelöst. Chiaras Worte trafen ihn wie ein
Blitz. Ja, mit Wutausbrüchen, Schreianfällen, Beschuldigungen wäre er
besser umgegangen als mit ihrem Wunsch, ihm beim Wichsen zuzusehen.
Diese Frau, diese Prinzessin, die in diesem Verließ ihres eigenen
Hauses gefangen zu sein schien, überraschte ihn immer wieder aufs
Neue. Auch schon bei ihrer letzten Begegnung, als er sie zum Höhepunkt
gefingert hatte, war ihre offen gezeigte Lust weit über seine
Vorstellungen hinausgegangen. Das war nicht nur irgendein
unbedeutender Orgasmus gewesen. Das war der Orgasmus seines Lebens
gewesen. Noch nie hatte er eine Frau so kommen gesehen. Der bloße
Gedanke an ihre weit aufgerissenen Augen und ihren hechelnden Mund,
ließ ihn fast abspritzen.
»Ich kann nicht!«, log er und schlug seine
Augen auf.
»Dann mach ich
weiter!«, forderte Chiara ihn mit einem Male heraus und warf sich zu
seinen Füßen. Hatte er richtig gehört? Hatte sie wirklich das vor, was
er sich insgeheim seit Tagen gewünscht hatte? Ohne viel herumzufackeln
spreizte sie seine Beine noch etwas mehr auseinander. |