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Leseprobe:
Szene 1
„Was ist los?“ Shouta trat
frisch geduscht in das geräumige Wohn- und Aufenthaltszimmer, das schon mehr
als eine Party gesehen hatte.
Dass mit Hayato etwas nicht stimmte, erfasste er mit einem
Blick. Es waren nicht die tiefen Augenringe und das müde Gesicht, die ihn
darauf aufmerksam machten. Hayato machte hin und wieder eine Nacht durch. Er
feierte gerne. Es war die Tatsache, dass Hayato einen schwarzen Jogginganzug
trug, der noch dazu völlig verschwitzt war. Ein Anzeichen höchster Not.
Hayato legte viel Wert auf sein Äußeres. Er duschte an manchen Tagen
mehrmals.
„Was soll schon sein?“ Hayato zerbröselte eine Zigarette
zwischen seinen langen Fingern. Er lümmelte haltungslos auf dem Brokatsofa
herum, als habe er das Wort Körperspannung noch nie gehört. Seine langen
Haare waren strähnig und ungekämmt.
„Sieh dich doch an.“ Shouta zog sich einen der beiden Sessel
heran und ließ sich, eingewickelt in sein Handtuch, darauf plumpsen. Er
musterte Hayato misstrauisch.
„Hat es was mit dieser Deutschen zu tun?“
„Freya?“ Hayato kratzte sich am Kopf. „Vermutlich nicht.“
„Heißt sie nicht Kiara?“
Hayato seufzte. „Ich habe mit ihr geschlafen.“
„Glückwunsch.“ Shouta fühlte soliden Neid. Wie hatte Hayato
das nur wieder hinbekommen? Wie gerne hätte er selbst diesen perfekten,
unverbrauchten Körper unter sich gespürt.
Hayato sah auf. „Es war zu einfach. Ich habe mit Jessi
gewettet, dass ich es schaffe, und ich habe es geschafft. Sie warm zu halten
und mit zu dieser Party zu nehmen, dürfte nicht allzu schwierig sein. Ich
meine ... ich fühle keinen Triumph mehr.“
„Du meinst, es war nicht herausfordernd genug?“ Shouta
grinste. Ihm kam ein ziemlich übler Gedanke, aber einer, der seinen Plänen
entsprach. Er wollte Kiara beim Sex beobachten, so wie sie es bei ihm getan
hatte. Das war nur recht und billig.
Hayato starrte zu der Tasse mit dem kalten Kaffee hinüber.
„Das war es wohl nicht.“
Shouta beugte sich zu ihm vor. „Und wie wäre es, wenn du zur
Abwechslung mal einen Film drehst? Du kennst meine Sammlung. Wenn du es
schaffst, mir einen Film zu bringen, in dem Kiara die Hauptrolle spielt,
dann kannst du dir ein paar neue Felgen für deinen Wagen aussuchen.“
Hayato sah auf. „Du bist irre, Shouta. Weißt du, was Felgen
für meinen Wagen kosten?“
Shouta lehnte sich zurück und verschränkte die Arme vor der
Brust. „Der Film sollte nicht zu kurz sein. Und er sollte nicht von
schlechterer Qualität sein als meine eigenen.“
„Wenn ich es schaffe, Kiara in Jessis Club zu verführen, wird
das ohnehin aufgezeichnet. Natürlich könnte ich versuchen, dir davon
heimlich eine Kopie für deine Sammlung zu machen, aber ... das ist ein
bisschen ...“ Hayato suchte nach dem Wort, „ ... böse.“
Shouta grinste. „Du liebst
sie nicht, oder? Von daher kann es dir egal sein. Und sie wird es nie
erfahren. Diese Filme sind wie Beutestücke. Ein nettes Andenken an die
Jagd.“
Hayato schüttelte leicht den Kopf. „Ich weiß nicht. Jessi
passt gut auf die Filme auf. Alles andere wäre ein grober Vertrauensbruch,
und dazu ist sie zu sehr Profi. Freiwillig wird sie mir den Film nicht
geben. Sie ist ohnehin nur auf diese Wette eingegangen, weil sie völlig
betrunken war.“
„Ist es dir zu schwierig? Natürlich müsstest du mir ein paar
neue Felgen besorgen, falls du scheiterst.“
Einen Moment zögerte Hayato noch, dann setzte er sich
aufrecht hin. Der alte Glanz kehrte in seine Augen zurück. Er strich sich
den Zopf hinters Ohr. „Wie lang soll dieser Film sein?“
„Mindestens zwanzig Minuten.“
„Sagen wir dreißig.“
Shouta grinste. Das war
der Hayato, den er kannte. „Gut. Und jetzt geh duschen und zieh dir was
Ordentliches an. Wir haben nur noch eine halbe Stunde bis zum Pressetermin.“
Szene 2
Kiara strahlte. Sie redete den gesamten Rückweg auf Hayato
ein, der kaum etwas sagte. Es störte sie nicht. Das Konzert war großartig
gewesen. Eine irre Stimmung. Sie fühlte sich aufgekratzt, hochgepuscht.
Immer wieder sang sie Gackts Texte auf der CD mit und ignorierte Hayatos
Spott über ihr Unvermögen, die richtigen Töne zu treffen. Er versuchte ihr
dabei zu helfen, indem er mitsang. Auch daran störte Kiara sich nicht. Sie
war keine Sängerin, sollte Hayato doch lästern und seine Scherze mit ihr
treiben.
„Hoffentlich sind wir bald da“, sagte er immer wieder
grinsend und kopfschüttelnd.
Es war späte Nacht, als sie endlich wieder in Kazuyas Wohnung
ankamen. Kazuya war noch drüben im Club und würde später in Takeos Wohnung
übernachten. Kiara war ihm dankbar dafür. Sie fühlte sich erhitzt und
schwitzte.
„Eine Dusche wäre gut.“ Sie waren kaum in der Wohnung
angekommen, als Hayato sein Hemd auszog. „Kommst du mit?“
„Es ist Zuyas Wohnung. Ich weiß nicht ...“
„Es wird ihn nicht stören.“ Hayato zog ihr das verschwitzte
Paillettenoberteil über den Kopf. Der Mond war fast rund, und sie hatten
noch kein Licht angemacht. Kiara war auch nicht nach Licht. Sie drängte sich
Hayato entgegen und ließ zu, dass er sie auszog. Mit schnellen Handgriffen
löste sie ihr aufgestecktes Haar, sah dabei zur Tür. Verschlossen. Das war
gut so. Sie hatte Corinna nicht wieder in den Käfig gesperrt. Das Kaninchen
blieb aus Gewohnheit auf der Kuscheldecke vor seinem Käfig, aber offene
Türen waren eine Versuchung.
In der Duschzelle war es eng, eigentlich zu eng für zwei
Personen. Kiara musste immer wieder kichern, wenn Hayato sich den Ellbogen
und das Knie an der Wand anschlug und herzhaft fluchte. Sie drängten sich
nah aneinander, während warmes Wasser auf sie regnete. Hayato wischte in
Kiaras Gesicht herum, um ihr die Schminkreste von der Haut zu putzen.
„Du hast einen Sauberkeitsfimmel, kann das sein?“, fragte sie
kichernd.
„Ich will dich nur nicht so verunstaltet sehen.“
„Verunstaltet?“ Kiara packte sein steifes Glied und grinste.
„Du nennst mich verunstaltet? Sicher?“
„So wie es aussieht, hast du was gegen mich in der Hand.“ Er
beugte sich vor und küsste sie. Kiara ließ ihn los und suchte nach einem
besseren Stand. Sie stützte sich mit den Händen an der Wand ab und genoss
seine zärtlichen Küsse, die so anders waren als die letzten fordernden.
Eine gefühlte Ewigkeit lang versanken sie in ihren Küssen.
Kiara konnte nicht genug davon bekommen. Als Hayato sich von ihr löste,
seufzte sie enttäuscht. Er griff nach dem Duschgel und begann sie zu
waschen. Kiara schloss die Augen, spürte seine Hände auf ihrer Haut. Als er
ihre Oberschenkel berührte, zuckte sie leicht zusammen. Hayato berührte sie
völlig schamlos, strich über ihre Schamlippen, als sei das
selbstverständlich. Einen Moment lang musste Kiara daran denken, wie viele
Frauen er bereits gehabt hatte. Seine Finger waren viel zu selbstsicher, zu
erfahren, während ihre eigenen ihr unbeholfen erschienen. Ob er es schaffen
würde, treu zu bleiben? Wann würde er sie das erste Mal betrügen?
Unwillig schüttelte sie den Gedanken ab und ließ sich fallen.
Sie nutze die Gelegenheit, ihn überall zu berühren, ihn erneut zu erkunden
und zu fühlen. Sie wusste, dass dies nur ein Vorspiel war, und sie liebte
es.
Hayato stieg als Erster aus der Dusche und griff nach einem
Handtuch. Er trocknete sie sorgfältig ab. Kiara nahm sich ein zweites Tuch
und fuhr damit über seinen Körper.
„Fühlst du dich jetzt besser?“ Sie grinste.
„Viel besser.“ Er packte ihre Hand und zog sie in den
Wohnraum. Folgsam ging sie mit ihm, erregt und berauscht. Noch immer
dröhnten ihre Ohren von der Musik, aber das machte nichts. Sie hörte die
Lieder in sich, sah wieder den Sänger Gackt auf der Bühne stehen, der für
seine Fans alles gab. Mehrere Mädchen waren in Ohnmacht gefallen. Eines
direkt neben Kiara.
Hayato beugte sich zu ihrer Stoffhose auf dem Boden und zog
daran. Zunächst verstand Kiara nicht, was er tat. Dann sah sie den weichen
Ziergürtel in seinen Händen. Er packte sie und drehte sie herum. Seine Hände
umklammerten ihre.
„Was hast du vor?“ Sie keuchte, als er den Gürtel fest um
ihre Handgelenke zog.
„Sag einfach, wenn es dir nicht gefällt. Aber ich denke, es
gefällt dir. Du gefällst dir in deiner Unschuld.“
„Hayato ...“ Einen Augenblick lang hatte sie Angst. Sie
kannte ihn kaum. Was wusste sie über ihn? Sie spürte den Stoff, der sich um
ihre Haut legte, den Gürtel, der ihre Hände hinter dem Rücken zusammenhielt.
Scham und Erregung wallten gleichzeitig in ihr auf. Es war nicht das erste
Mal, dass sie sich auf Fesselspiele einließ. Aber es war das erste Mal, dass
sie sich auf diese Weise einem Mann auslieferte, den sie kaum eine Woche
kannte.
„Sag mir, dass du es nicht magst“, flüsterte Hayato ihr ins
Ohr, „und ich binde dich los.“
Sie sagte nichts. Hayato drückte sie vor sich auf die Knie
und hockte sich hinter sie. Seine Hände umschlossen ihre Brüste. Sie fühlte
seinen Atem, der ihren Hals streifte.
„In deinen Träumen möchtest du, dass ich alles mit dir tue,
was ich will. Du möchtest mir ganz gehören.“
Wieder überraschte sie seine Selbstüberschätzung. In ihren
Träumen tat er all das, was sie wollte. Und diese Art von Spiel gehörte
nicht dazu. Dennoch wäre es unsinnig, ihre Lust zu verleugnen. Ihr Körper
zitterte unter seinen Händen. Hayato brachte sie auf seine Weise dazu, seine
Worte wahr werden zu lassen. Fast glaubte sie selbst an das, was er sagte.
Ihre Geilheit schien es zu bestätigen, schien ihm jedes Recht der Welt zu
geben. Sie atmete heftig ein, als er schmerzhaft fest zugriff.
Sie sah kurz zu ihrer Handtasche hinüber, die neben ihren
Kleidern am Boden auf den Tatami-Matten lag. Er würde doch hoffentlich daran
denken?
Hayato fing ihren Blick auf. Er griff in ihre Haare und zog
ihren Kopf nach hinten. Sein Mund war wieder an ihrem Ohr. „Darum brauchst
du dich nicht zu kümmern. Das mache ich. Genauso, wie ich mich um alles
andere kümmere.“
Er ließ von ihr ab, stand auf und ging zum Tisch hinüber. Der
Durchgang zum Wohnraum war weit geöffnet. Er zog sich einen Stuhl heran und
setzte sich. Seine Augen suchten ihren Blick. Er sah sie nur an, wie sie vor
ihm auf dem Boden kniete. Gefesselt. Erregt. Er ließ sie warten. Kiara
fühlte sich hilflos. Sie war hilflos, und gleichzeitig erregte sie die Art
und Weise, wie er dort saß. Nur dort saß und auf ihren nackten Körper
starrte. Trotzig hielt sie seinem Blick stand.
„Kannst du wirklich behaupten, es mache dir keinen Spaß?“
Hayato lehnte sich grinsend zurück. „Du willst es. So kühl wie du auch immer
tust, in dir brennt ein Feuer, und es macht Spaß, das zu sehen. Du willst
mich. Wie wäre es, wenn du darum bettelst wie unten am Meer?“
„Niemals“, brachte Kiara hervor. Ihre Stimme zitterte. Ihren
Blick wandte sie nicht ab. „Du hast es mindestens ebenso nötig wie ich.
Vielleicht solltest du mich anbetteln.“
Hayato spielte mit dem geflochtenen Zopf, der ihm ins Gesicht
fiel. „Im Gegensatz zu dir hocke ich nicht gefesselt auf dem Boden.“ Er
streckte seine Beine aus. „Ist es bequem?“
Kiara fühlte keine
Schmerzen. Die Matten unter ihr gaben genug nach. Sie fühlte nur ihre Lust,
urtümlich und gewaltvoll, wie selten zuvor. Sie wandte den Blick ab. Wie
schaffte er es, sie immer wieder zu besiegen und gleichzeitig so zu erregen?
Er lachte leise. „Sag es. Sag, dass du mich willst. Und sag
‚bitte’. Dann bekommst du, was du brauchst. Vorher nicht.“
Kiara spürte, wie ihr Gesicht vor Wut und Scham heiß wurde.
Sie hatte ihm am Strand gegeben, was er wollte. Jetzt war es an der Zeit,
dass auch er seine Lust eingestand.
„Wofür hältst du dich eigentlich?“
„Es ist ein Spiel, Freya. Ein Liebesspiel. Steh zu deiner
Lust. Verleugne sie nicht, dann wird sie heftiger werden, als du es dir
vorstellen kannst.“
Das war sie jetzt schon. Kiara funkelte ihn zornig an. Was
machte er bloß mit ihr?
„Ich will dich. Aber ich werde dich nicht bitten, das zu tun,
was du kaum erwarten kannst.“
Die Spannung zwischen ihnen war kaum auszuhalten. Hayato
stand auf und kam auf sie zu. Er sah auf sie herab.
„So sicher, dass ich dich will?“
Kiara sah zwischen seine Beine. „Schon mal nach unten
gesehen?“
Hayato ging vor ihr auf die Knie. Je näher er ihr kam, desto
heißer wurde ihr Körper. „Ich könnte dich bestrafen für deine Frechheit.
Vielleicht würde dir auch das Freude bereiten.“
„Du wagst es nicht ...“
„Hm.“ Er ging zu seiner
Hose und zog den dünnen schwarzen Ledergürtel heraus. Kiaras Augen weiteten
sich. Das würde er nicht tun.
Hayato packte sie von hinten am Hals. Er schob ihren
Oberkörper auf ihre Knie, drängte sie mit dem Kopf auf den Boden. „Für mich
klingt das ganz danach, als könntest du es nicht erwarten. Wie viele Schläge
hättest du denn gerne?“
Kiara wollte sich wieder aufrichten – er drückte sie zurück.
Sein Griff war sanft, aber bestimmt. „Du kannst es dir auch ersparen. Sag
einfach ‚bitte’. So schlimm ist das doch nicht.“
„Vergiss es.“ Kiara spürte, wie feucht sie inzwischen war.
Zwischen ihren Schenkeln war es nass. Sie wünschte sich, er würde endlich in
sie eindringen. Ihr Kopf glühte, und das leichte Zittern ihre Glieder
verriet sie.
„Du willst mir nicht helfen? Schön. Dann werde ich anfangen
zu zählen. Und wenn du meinst, es ist gut, dann sag einfach Stopp. Dann gebe
ich dir die Anzahl an Schlägen, die du dir ausgesucht hast. Eins ...“
„Du bist wahnsinnig!“
„Zwei. Das höre ich übrigens nicht das erste Mal.“
Kiara konnte sich gut vorstellen, wie er grinste. „Drei. Du
kannst ja gar nicht genug bekommen. Vier ...“
„Stopp!“
„Es geht doch. Sagen wir fünf, weil du so verstockt bist und
einfach nicht ‚bitte’ sagen willst.“
Kiara biss die Zähne aufeinander. Ein wildes Gefühl von Wut
überkam sie, das sie selbst überraschte. Sie schloss die Augen, als der
erste Schlag sie traf. Hayato schlug nicht fest zu. Es reichte, um einen
ziehenden Schmerz zu spüren, der rasch nachließ. Kiara hielt den Atem an, um
bloß kein Geräusch zu machen. Er ließ sich Zeit. Sie konnte nicht wissen,
wann der nächste Schlag kam.
Nach dem zweiten hörte sie wieder seine Stimme. „Möchtest du
nicht doch ‚bitte’ sagen? Wenn ich das richtig sehe, bist du so feucht, dass
du dich noch vor mir auflösen wirst.“
„Du hattest recht. Das
Einzige, was du gut kannst, ist blöde Sprüche machen“, brachte Kiara
zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.
Er schlug erneut zu. Nachdem sie wusste, wie es sich
anfühlte, konnte sie es fast schmerzlos hinnehmen.
„Du scheinst deine sexuelle Erziehung zu genießen.“ Seine
Stimme war rau. Der letzte Schlag war etwas fester, so dass Kiara
zusammenzuckte. Er ließ den Gürtel fallen. Wieder trat er vor sie. Sein
Gesicht war ebenso rot wie ihres. Er war verschwitzt, erregt. Kiara war, als
würden sie beide brennen, als hätten sie einander entzündet, und nun
versagten sie sich die rettende Abkühlung. Hayato schenkte ihr einen
arroganten Blick, was ihren Widerstand nur verstärkte.
„Willst du endlich ‚bitte’ sagen?“
„Nimm dir, was du brauchst“, stieß sie hervor.
„Wie du möchtest.“ In
seinem Gesicht blitzte Wut auf, die ihn auf sonderbare Weise schön machte.
Wild und entfesselt. Ein Rachegott. |