|
Leseprobe:
Die dicke Holztür
schwang knarrend auf, als ich so tat, als würde ich mein Schlafgemach
betreten. Doch nicht einmal die Fußspitzen berührten den Boden meines
kleinen Reichs. Ich blieb auf der Treppe stehen, blickte immer wieder
verstohlen über meine Schulter, um zu sehen, ob Magolat zurückkam, und
ließ die Tür dann lautstark zufallen. Ein Wimmern drang an meine Ohren
und ich machte mir ernsthaft Sorgen darüber, was der gequälten Kreatur
zugestoßen war. Doch warum spürte ich dieses lustvolle Kribbeln
zwischen meinen Schenkeln? Anstatt mich in meinem Bett zu verkriechen,
verspürte ich eine zerstörerische Sehnsucht. Ich wollte dorthin, wo
etwas schaurig Schönes geschah, das gleichzeitig einschüchternd und
erregend war.
Ich fühlte sie, die
dunkle Seite in mir. Tief unten in den Katakomben Vandalis’ geschah
etwas, das den dunklen Teil meiner Seele berührte. Noch konnte ich es
nicht in Worte fassen, ich konnte es ja kaum selbst begreifen. Aber
das Böse zog mich an. Etwas in mir regte sich, etwas, das bisher
geschlafen hatte, und es ließ meinen Lustsaft fließen.
Meine Hand griff nach
einer der Fackeln, doch ich entschied mich für die Finsternis. Ich
wollte nicht noch einmal auffallen, denn sonst konnte ich mein
Vorhaben endgültig begraben.
Barfüßig schlich ich
die kalten, steinernen Treppenstufen hinab und spürte bei jedem
Schritt meine geschwollenen Schamlippen. Ich schaute vorsichtig um die
Ecke. Keine Menschenseele war zu sehen. Meine Neugier konnte es kaum
erwarten, das Geheimnis des Kastells zu lüften. Ich erschrak über mich
selbst! Es war verwunderlich, dass dieses furchterregende Rätsel mir
derart wohlige Schauer über den Körper jagte, anstatt mich unter meine
Bettdecke zu treiben. Vielleicht war ich zu lange behütet gewesen und
wollte dieses Abenteuer, das sich mir bot, nicht ungenutzt vorüber
ziehen lassen. Meine kindliche Fantasie spielte mir Streiche, denn
alles um mich herum schien Geheimnisse zu bergen. Selbst meine Mutter
und mein Vater. Schweigen schien ein Wesenszug von beiden zu sein. Und
eines Tages würde ich auch die Jagdgründe der Schattenwesen und
Nachtgeschöpfe vor den Toren Vandalis’ ergründen!
Ich huschte um die
Ecke, meinen Rücken an die kalten Wände gepresst. Meine Ohren führten
mich zum Zentrum des Mysteriums, nicht ohne ein warnendes Klingeln
ertönen zu lassen. Jeder qualvolle Schrei, jedes atemlose Stöhnen ließ
mich erschaudern, mal erregt, mal ängstlich. Meine Beine zitterten nun
stark. Ich schlang die Arme um meinen Körper. Auf welchen Wahnsinn
ließ ich mich ein? Welcher Dämon hatte von mir Besitz ergriffen und
trieb mich in die Arme des frivol Bösen?
Als ein Gurren zu
hören war, hockte ich mich und lauschte in die Dunkelheit hinein.
Vielleicht reichten Geräusche, um das Geheimnis zu lüften. Aber musste
ich diesem geschändeten Wesen nicht helfen? Mein Mut entwich durch
meine verfrorenen Zehen, sickerte durch die Ritzen der Steine in den
Boden ein und verschwand.
Unsicher blickte ich
zurück.
Der Gestank von
Zügellosigkeit lag in der Luft, aber auch Gefahr. Ich könnte in mein
Schlafgemach zurückhasten und mich unter meiner Bettdecke vergraben.
Ich könnte so tun, als wäre nichts geschehen. Unwissenheit kann ein
Segen sein.
Jemand bettelte leise
um Gnade. Ich bekam eine Gänsehaut und begann zu frösteln, doch ich
fröstelte vor Lust. Diese Gefühle durfte ich nicht empfinden! Das Böse
sollte mich nicht entflammen. Die Gefahr war zu groß, in den Flammen
umzukommen.
Ich blickte zur
Treppe, die hinunter zu den Katakomben führte und mir das ganze Ausmaß
derber Unkeuschheit offenbaren konnte. Wollte ich das wirklich sehen?
Meine Neugier war
stärker als die zahlreichen Warnungen, die in meinem Kopf
widerhallten. Ich stand auf und schlich auf die Treppe zu. Ohne mir
selbst Zeit zum Grübeln zu lassen, hastete ich die Stufen hinunter und
traf auf eine Mauer menschlicher Abgründe.
Ich befand mich
inmitten einer Folterkammer, die bestens ausgestattet war. Von
Streckbänken über eiserne Büstenhalter bis hin zu Schenkelspreizern
erblickte ich jedes mir bekannte Folterinstrument. Meine Fantasie
begann zu arbeiten und ich war nicht in der Lage, sie daran zu hindern
mir Bilder auszumalen, die empörend und obszön zugleich waren. Doch in
meinen Tagträumen sah ich kein Blut und auch keinen Schmerz, sondern
ungeahnte Lust, die nur an einem Ort wie diesem geschehen konnte, an
einem Ort, der finster und verborgen war, fernab der Zivilisation mit
all ihren Regeln und Moralzwängen. Diese verdorbene Stätte befreite,
obwohl sie gefangen hielt.
Und plötzlich sah ich
mich in meinen Träumen umringt von fünf Männern, die durch Umhänge und
Kapuzen ihre wahre Identität versteckten. War es der dickleibige Koch,
der mir die Hände auf den Rücken band? Zog der Kutscher meinen Kopf an
den Haaren nach hinten, während der knabenhafte Diener, der mir
morgens immer das Wasser zum Waschen brachte und sich vor mich kniete,
um mir hingebungsvoll meine Füße zu waschen, nun mein Nachthemd mit
einem Messer aufschnitt und meine nackten Brüste in seinen Händen wog?
War Magolat einer der Maskierten?
Die Männer drängten
mich über einen angespitzten Holzpflock, der im Boden befestigt war
und zwangen mich, darauf Platz zu nehmen. Die Spitze drang in meine
Scheide, die schon feucht und entspannt von der Situation an sich war
- ich, nackt und gefesselt, einer Hand voll fremder Männer
ausgeliefert, in den finsteren Katakomben, wo niemand mich vermuten
würde.
Sie befestigten die
Handfessel an dem Pflock, so dass ich aufrecht sitzen musste und meine
Brüste sich den Männern wollüstig anboten. Und sie griffen beherzt zu.
Ihre Hände wanderten über meinen Körper. Sie streichelten meinen
Busen, kraulten mein Schamhaar und hielten mir die Augen zu, während
sie mich einer nach dem anderen küssten. Ihre Zungen drangen in mich
ein. Ich schmeckte jeden einzelnen von ihnen. Sie saugten an meinen
Brustwarzen. Ihre Zungen leckten über meine Lippen. Sie rieben meine
geschwollene Klitoris, brachten mich zum Seufzen und obwohl ich ihnen
ausgeliefert war, dienten sie meiner Lust.
Ich stöhnte leise und
schreckte aus meinem Tagtraum auf. "Ich will das nicht! Sie kehrt
immer wieder, diese Gier, diese Schamlosigkeit. Das gehört sich nicht
für eine junge Dame."
Ich wünschte mir die
Stärke meines Vaters. Immerhin regierte er die westliche Krisis. Sein
Gang war aufrecht, seine Schultern straff. Einzig ein Lächeln
vermisste ich.
Durch einen der
Torbögen, die in weitere Kammern führten, drang Licht zu mir herüber,
begleitet von Wehklagen, das lustvoller nicht hätte sein können.
Bisher hatte ich nicht gewusst, dass ein Mensch zu derartigen Lauten
imstande war, Laute, die von animalischer Wollust berichteten. Und ich
hörte noch ein Geräusch, das mir bisher verborgen geblieben war –
Peitschenhiebe.
Langsam schritt ich
auf den Torbogen zu. Dahinter lag das Mysterium, das es zu lüften gab.
Vorsichtig schlich ich an den Folterinstrumenten vorbei und nahm mir
vor, meinen Vater am nächsten Tag nach diesem Ort zu befragen. Es
konnte unmöglich sein, dass er wusste, was hier Schreckliches geschah.
Das Licht wurde
heller. Der Torbogen kam näher und das Gewimmer nahm an Lautstärke zu.
Eine bittersüße Melodie zum Takt der Peitschenhiebe. Gleich um die
Ecke befand sich des Rätsels Lösung. Aber wollte ich es immer noch
lösen?
Verstohlen lugte
ich um die Ecke. Mein Atem stockte! |