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Leseprobe:
Erst im spärlich beleuchteten Korridor verlangsamte Loreena
ihren Schritt. Ziellos schlenderte sie durch die Festung. Sie fühlte
sich ausgegrenzt. Ihr Vater beachtete sie nicht. Nicht einmal bei der
Befreiung ihres Bruders wollte er sie an seiner Seite haben. Nutzlos
sollte sie in der Festung Tide sitzen und auf die Heimkehr der starken
Männer warten. Aber sie war kein Porzellanpüppchen. Als Kind hatte sie
mit einem Holzschwert gegen Lomas gekämpft und nicht nur einen Sieg
errungen. Mochte sie auch von strategischer Planung keinerlei Ahnung
haben, so konnte sie immerhin selbst eine Waffe schwingen und die
Gesundheit ihres Vaters im Auge behalten. Schomuls Warnung erzeugte
keine Furcht in ihr. Sie wusste, wo ihre Prioritäten lagen.
Langsam schritt Wors
Wandlung voran. Aufgrund von Unkenntnis hatte sie erwartet, dass er
über Nacht zum Vampir werden würde. Aber er quälte sich durch die Tage
und atmete nur bei Nacht ein wenig auf. Eine innere Unruhe trieb ihn
täglich zu den großen Fenstern im Untergeschoss. Sehnsüchtig schaute
er in die Ferne und konnte sich sein Verhalten selbst nicht erklären.
Nichts erwartete ihn dort draußen. Niemand rief ihn. Doch an manchen
Tagen war sich Loreena dessen nicht sicher. Vielleicht vernahm Wor den
Ruf von Falkenhorst. Möglicherweise streckte Schomul seine Finger nach
ihm aus.
Sie blieb an einem der
großen Fenster stehen und blickte hinaus. Finsternis schluckte den
Innenhof. Nicht einmal die gegenüberliegende Stalltür konnte Loreena
erkennen. Keine einzige Fackel brannte. Der Mond zeigte sich nicht.
Die Sterne versteckten sich hinter Regenwolken. Tropfen hämmerten
gegen die Scheibe. Loreena legte eine Hand an das Glas, als könnte sie
dadurch das Wasser auf ihren Handflächen spüren. Lediglich Kälte
fühlte sie. Da sie durch und durch eine Tochter der südlichen Krisis
war, sehnte sie sich nach Sommersonne, nach dem Duft von Tulpen und
Narzissen und dem Summen der Bienen. In diesem Moment wünschte sie
sich nichts mehr als die Wärme.
Außerdem wird die Sonne
die Vampire auf die Nacht einschränken, jubelte sie innerlich.
„Ihr solltet mit Eurem
Vater sprechen.“
Loreena flog herum und
schaute unmittelbar in Schomuls Augen. Vehement versuchte sie ihren
Blick loszureißen. Sie war ihm ohne den Schutz ausgeliefert. Ihr
Rücken drückte sich gegen die Fensterbank. Kälte zog über ihr Kreuz
bis zum Hintern. Der wohlbekannte Opiumduft nebelte sie ein. Er
strömte vom Grafen aus wie ein Aphrodisiakum. Am liebsten wäre sie
fortgelaufen, aber sein vampirisches Charisma bannte sie.
„Ingrimm reitet ab
heute unter der Flagge von Valkenhorst. König Wor sollte dies
akzeptieren und es dem Volk vermitteln. Sonst gibt es bald ein böses
Erwachen für Euch.“
„Wollt Ihr uns drohen?“
Es machte sie unruhig, mit ihm alleine zu sein. „Die Veränderungen
kamen über Nacht. Es dauert, bis sie verdaut sind.“
„Euer Vater bemüht sich
nicht sonderlich, ein Vorbild für sein Heer zu sein. Ihr müsst ihn an
die Vereinbarung erinnern, bevor ich meinen Teil ebenfalls vergesse.
Beim Kampf gegen Frostlande und Wahnstein habe ich dem Heer noch
gewährt, die Flagge Ingrimms auf dem Schlachtfeld zu tragen. Dieses
Eingeständnis ist einmalig.“
„Graf Schomul, bitte.
Mein Vater verneigt sich tief vor Euch. Unser Volk sieht das nicht
gerne. Wie soll er gleichzeitig sich Eurem Willen unterwerfen und sein
Ansehen behalten? Zwiespältig ist die Situation. Sie erfordert großes
Fingerspitzengefühl.“
Der Graf fuhr ihr mit
den Fingern durch das verklebte Haar. „Ihr solltet Euch die Haare
waschen, bevor ihr ins Bett geht.“ Seine Hand streifte ihr Ohr.
Zärtlich knetet er ihre Ohrmuschel. „Zwiespalt kenne ich nur zu gut.
Valkenhorst kann nicht nachvollziehen, weshalb Ingrimm nicht bereits
unterjocht ist. Die Vampire verlangen den Tod des Königs. Ich jedoch
lasse zu, dass er einer von uns wird. Was meint Ihr geht in meinem
Land vor sich? Es brodelt wie in Eurem Reich. Ihr redet von Zwiespalt
und Fingerspitzengefühl. Anstatt eigennützig zu sein, solltet Ihr
Weitsicht üben. Nicht nur König Wor macht einen Drahtseilakt.“
Verzaubert durch seine
Liebkosungen und die gesäuselten Worte fühlte sie sich zurückversetzt
in den berauschenden Zustand, den der Alkohol hervorgerufen hatte. Nur
mit größter Mühe konnte sie ihre Gedanken ordnen. „Ihr habt Recht. Es
tut mir Leid.“
„Wor muss sich mir
unterordnen.“ Seine Fingerspitzen glitten von der Ohrmuschel hinunter
zu ihrem Hals. Mit sanftem Druck presste er seinen Zeigefinger auf
ihre Halsschlagader.
Loreena spürte das
Pumpen ihres Blutes und wusste, dass er es auch fühlte. Mit einem Mal
fürchtete sie sich. Konnte Schomul dem Rauschen ihres Blutes
widerstehen? Flehend blickte sie ihn an, wagte jedoch nicht zu
sprechen. Sie fragte sich, ob er sie nur betörte, damit sie Einfluss
auf ihren Vater nahm, ihn zur Unterwerfung überredete oder...
Sie umfasste das
Handgelenk des Grafen und versuchte seine Hand von ihrem Hals zu
entfernen. „Das solltet Ihr besser lassen.“ Sein lasziver Blick
verwirrte sie. Wollte sie überhaupt, dass er von ihr abließ? Sie
erschauderte wohlig bei der Erinnerung an seine Liebkosungen neben
Wors Krankenbett.
„Weshalb?“ Mit der
freien Hand löste er ihren Griff und führte den Arm hinter ihren
Rücken. „Ist es nicht für Euch genauso berauschend wie für mich?“
Grinsend zog er sie zu sich heran.
„Nein“, log sie. Doch
das Zittern ihrer Stimme entblößte ihre wahren Gefühle.
Ihr Busen presste sich
an seinen Oberbauch. Über ihr thronte Schomuls Gesicht, wächsern, mit
durchdringendem Blick und köstlich kirschroten Lippen. Noch immer
verstärkte sein Finger auf ihrer Halsschlagader das Pochen ihres
Blutes.
„Zügelt Euch, Graf. Ein
schwacher Moment könnte unser Abkommen mit einem Schlag vernichten.“
„Ihr ward schon einmal
Wachs in meinen Händen und es hat unserer Absprache nicht geschadet.
Seht es einfach als diplomatische Vereinigung.“
„Nein! Nicht für ein
ganzes Königreich würde ich mich aus politischen Gründen einem Mann
hingeben.“ Stolz hob sie das Kinn.
Er küsste sie auf die
Nasenspitze. „Dann unterwerft Euch nicht mir, sondern Eurer eigenen
Lust. Sie ist so gewaltig, dass es meine Sinne vernebelt, wenn ich in
Eurer Nähe bin.“ Plötzlich beugte er sich hinunter. Sie erschrak, als
sein Mund ihre Haut berührte. Jeden Moment würden seine Eckzähne sich
in ihr Fleisch bohren, jeden Tropfen ihres Blutes genüsslich
aussaugen. Sie erinnerte sich angewidert an das Schmatzen und Sabbern,
das sie mit anhören musste, als der Graf Wor biss. Doch Loreenas
Befürchtungen waren umsonst.
Seine warme Zunge legte
sich auf ihre Halsschlagader. Er drückte sie gegen das Pulsieren und
zog den Verlauf der Ader bis zum Kinn nach, hinterließ Feuchtigkeit,
während seine freie Hand in Loreenas Nacken lag.
Gegen jede Vernunft
begann sie seine Unverschämtheiten zu genießen. Erregung schwemmte
ihre Gegenwehr fort. Stöhnend schloss sie die Augen und verlor sich im
Opiumduft. Während er sie leckte, stellte sie sich vor, wie er sie auf
die Fensterbank setzte und sie mit kräftigen Stößen nahm wie sein
Weib.
„Meine Leidenschaft
vernebelt Eure Sinne? Was meint Ihr damit?“
Er ließ von ihr ab.
Schmunzelnd umfasste er ihre Taille. Mit behutsamen Liebkosungen, als
würde er die Rundungen einer kostbaren Porzellanvase streicheln,
glitten seine Hände über ihre Hüften, weiter hinauf, bis seine Finger
unter ihrem Busen lagen, den Ansatz kraulend. Als seine Hände ihre
Brüste umschlossen, rang sie nach Luft, doch insgeheim wünschte sie
sich den Stoff fort, damit sie ihn auf ihrer Haut spüren konnte. Er
massierte sie, zuerst sanft und vorsichtig, dann fester und
wollüstiger, so dass Loreena schon meinte, er wollte sie melken. Eine
köstliche Spannung baute sich in ihrem Busen auf. Loreena hielt sich
an der Fensterbank hinter ihr fest und seine Fingerspitzen kitzelten
ihre Brustwarzen heraus. Wie kleine Knöpfe standen sie hervor, als
wollten sie den Stoff wie Stacheln durchstoßen. Das Kribbeln, das
Schomul in ihre Brüste zauberte, tröpfelte hinab in ihren Schoß, in
dem ebenso eine Spannung entstand, ein sehnsüchtiges Ziehen, der Ruf
ihrer Leidenschaft, der schrie, dass ihre Scheide überreif sei.
In diesem Moment
umschloss der Graf ihre Hüften und hob sie auf die Fensterbank. Er
spreizte ihre Schenkel weit. Schmunzelnd beobachtete er ihre Reaktion.
Loreena zitterte. Nicht
nur, dass sie kurz davorstand, endlich die Ausschweifungen zu erleben,
von denen sie schon seit langem träumte. Nein, Schomul hatte genau das
getan, was sie sich insgeheim wünschte. Wütend versuchte sie die Beine
zu schließen, doch er stellte sich dazwischen. „Ihr könnt meine
Gedanken lesen! Habe ich Recht? Ich bin empört. Das ist… das, nun, es
ist unschicklich und dreist und…“ Die Worte überschlugen sich.
Er schob ihre Röcke bis
zu ihren Oberschenkeln hinauf. Um ihn zu hindern fortzufahren, legte
sie ihre Hände auf die seinen.
„Beruhigt Euch. Ich
kann keine Gedanken lesen. Es ist vielmehr so, dass Ihr Eure Lust
unter der Haut tragt. Sie ist für mich so leicht zu spüren, ja, sie
drängt sich mir auf. Es ist nur ein Gefühl. Nie zuvor habe ich es so
intensiv wahrgenommen wie bei Euch!“
„Ich möchte gehen.“ Sie
traute Schomul nicht.
„Und das Feuer in Eurem
Schoß?“
Sie errötete. |