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Leseprobe:
Szene 1
„Das ist Kameko-san.“ Ryan wandte sich wieder an
Bree. „Sie spricht hervorragend Englisch und wird dir helfen, bis du
dich mit den Sitten vertraut gemacht und Japanisch gelernt hast.“
Bree lag auf der Zunge, dass sie nicht vorhatte,
die Sprache zu lernen, denn sie wollte sowieso schon sehr bald in die
Staaten zurückkehren, sie schwieg jedoch. Vielleicht konnte sie Kameko
als Verbündete gewinnen, damit diese ihr zur Flucht verhalf. Die
Hoffnung flammte allerdings nur kurz auf und verkümmerte sogleich zu
einem Glimmen. Bree bezweifelte, dass jemand, der sich vor einer
Person derart klein machte, um seine Ergebenheit zum Ausdruck zu
bringen, sich gegen diese wenden würde.
Die Japanerin lächelte. „Herzlich Willkommen,
Bryanna-san.“
„Danke“, antwortete Bree kurz. Sie fragte sich,
ob Kameko über die spezielle Beziehung, die Ryan mit Bree anstrebte,
Bescheid wusste.
Bree verneigte sich zögerlich, weil eine
Verbeugung ihr immer noch befremdlich vorkam. Sie fragte sich, weshalb
das so war, wo doch die Fantasie, sich vor einen Mann hinzuknien, sie
erregte. Sich unterwürfig zu zeigen sollte ihr eigentlich nicht
schwerfallen, wenn das Blut einer Sub in ihr floss.
„Bitte lass uns noch einen Moment allein und
warte vor der Tür“, wies Ryan Kameko an, die daraufhin hinauseilte.
Dann musterte er Bree mit einem unverhohlen lüsternen Blick. „Ich muss
erst noch mein Geschenk auspacken.“
Mit diesen Worten trat er auf den Futon. Sie
versuchte rückwärts auszuweichen, doch Ryan packte die Bettdecke und
zog sie zu sich. Nun, da er unmittelbar vor ihr stand, wagte sie kaum
zu atmen. Sie konnte nicht gegen ihn ankämpfen, da sie sonst die Decke
hätte loslassen müssen, abgesehen davon rechnete sie sich keine
Chancen gegen einen Kendo-Meister aus. Daher blieb sie einfach nur
stocksteif stehen und sah ihn flehentlich an.
Zärtlich blies er gegen ihren Hals, so dass sein
Atem sie kitzelte und ihre Nackenhärchen sich aufstellten. „Ich habe
nicht vor, deine Erziehung heute zu beginnen, ja, ich werde dich nicht
einmal berühren, wenn du dich aus freien Stücken entblößt. Aber ich
möchte dich von Nahem betrachten. Das hatte ich mir schon im
Club Kabuki-cho
gewünscht, das und mehr.“
Sie öffnete den Mund, um etwas zu erwidern, doch
es kam kein Ton heraus. Sie verlor sich in seinen dunklen Augen, die
sowohl für Amerikaner als auch für Japaner exotisch aussahen, da sie
weder mandelförmig noch westlich waren.
„Ziehst du es vor, von mir gezwungen zu werden, oder
entblätterst du dich freiwillig?“, fragte er sanft. Sein Blick war
immer noch fest. Er signalisierte Entschlossenheit.
Bree war hin- und hergerissen. Sie wollte sich nicht in ihr
Schicksal fügen. Alles in ihr rebellierte gegen die Gefangenschaft.
Aber ihre Vernunft riet ihr, Ryan nicht gegen sich aufzubringen. Es
war ihr klar, dass er die Macht besaß, sie mit Gewalt zu beugen. Würde
er so weit gehen? Wenn er so nah vor ihr stand, und sein Atem sie
streichelte, konnte sie nicht glauben, dass er ein Barbar war. Sie
wollte es jedoch auch nicht darauf ankommen lassen und herausfinden,
wie viel Gegenwind er brauchte, um die Beherrschung zu verlieren.
Zuerst ließ sie den yukata fallen und sah Ryan fragend
an.
Dieser hob spöttisch die Augenbrauen. „Meinst du wirklich,
das würde mir reichen?“
Zögerlich senkte sie die Hände, die krampfhaft die Bettdecke
festhielten, bis zu den Hüften, so dass ihr Oberkörper frei war.
„Seit wann bist du so schüchtern? Im Club hast du
deine Lust vor unzähligen Salarymen, den Hostessen und den
Angestellten gezeigt, und nun zierst du dich, obwohl nur eine einzige
Person anwesend ist, die dich lediglich in Augenschein nehmen will?“
Bree errötete bei der Erinnerung an den Auftritt.
„Zoe hat mich überrumpelt ...“, murmelte sie und wunderte sich, denn
er betrachtete nicht einmal ihre Brüste, sondern guckte ihr weiterhin
ins Gesicht. Ergötzte er sich mehr an ihrer Scham als an ihrem Körper?
„Merke dir eins!“, sagte er und zog sie so nah an
sich heran, dass sie schon glaubte, er wollte sie küssen. „Wenn ich
erst einmal einen Befehl erteilt habe, nehme ich ihn nicht zurück und
fordere, dass er ausgeführt wird. In dieser Hinsicht bin ich
konsequent.“
Sie fand ihre eigene Reaktion auf die körperliche
Nähe verwirrend, es war ihr keineswegs unangenehm. Obwohl sie Ryan
dafür verabscheute, dass er sie gefangen hielt, spürte sie seine
aphrodisierende Wirkung. Da sie wusste, er würde ihr die Erregung
ansehen, lenkte sie ihn ab, indem sie die Decke fallen ließ. Ihr
Ablenkungsmanöver funktionierte offensichtlich, denn er trat zwei
Schritte zurück und musterte sie eingehend von den Haaren bis zu den
Zehenspitzen. Während sie die Hände zu Fäusten ballte, um die Fassung
zu wahren, stieg er vom Futon und begann sie zu umkreisen wie ein
Raubtier seine Beute. Eigentlich hätte sie froh sein sollen, dass
wieder Abstand zwischen ihnen war, doch sie fühlte sich weitaus mehr
ausgeliefert, nun, da er sie betrachtete, als wäre sie eine Stute auf
einem Pferdemarkt, die er zu kaufen beabsichtigte. Es fehlte nur noch,
dass er ihr in den Mund schaute, um ihre Zähne zu begutachten!
Als Ryan wieder vor ihr stand, war sein Blick
finster. Gefiel ihm nicht, was er sah? Vielleicht schickte er sie doch
weg, wenn sie seinen Ansprüchen nicht genügte, denn er hatte sich Bree
ja nicht selbst ausgesucht. Hoffnung wuchs in ihr, aber sie fühlte
sich auch gekränkt. Wäre sie Ryan unter anderen Umständen begegnet,
hätte sie ihm gefallen wollen.
„Verschränke deine Arme hinter dem Kopf und
strecke den Rücken gerade durch, damit dein neuer Herr deinen Körper
eingehender betrachten kann und deine Brüste gut präsentiert werden!“
Der Befehl schlug wie ein Blitz ein. In ihren
Gedanken hallte das Wörtchen „Herr“ wider. Schon lange hatte sie sich
einen Dominus gewünscht, und nun stand sie ihm gegenüber. Die Gefühle
überwältigten sie, aber sie musste sich zusammenreißen. Um klarer
denken zu können, rief sie sich ins Gedächtnis, dass sie sich Ryan
nicht freiwillig unterwarf. Sie durfte ihn nicht als ihren Herrn
anerkennen, musste ihm jedoch vorerst Folge leisten, daher tat sie,
was er angeordnet hatte.
„Spreiz die Beine!“, wies er sie an. „Dein Herr
muss jederzeit Zugang zu deinen Körperöffnungen haben.“
Sie bekam eine Gänsehaut. So oft hatte sie davon
geträumt, diese Worte zu hören! Doch jetzt, da der Moment gekommen
war, wirkten sie bizarr. Bree träumte nicht länger, aber die Situation
erschien ihr unwirklich. Das Schlimmste jedoch war die Erkenntnis,
dass Ryans Befehle sie nicht kalt ließen, denn er war der Letzte, dem
sie sich hingeben durfte.
Er weckte sie aus ihren Gedanken auf, indem er scharf sagte:
„Ich warte nicht gerne!“
Unsicher schaute sie ihn an, in der Hoffnung, dass er es für
den Anfang dabei belassen würde, doch seine Miene war hart.
Schließlich spreizte sie die Schenkel und schloss die Augen.
Szene 2
Bryanna erinnerte sich daran, wie Kameko Ryan bezirzt hatte.
Obwohl es ihr schwer fiel, kniete sie sich hin und verneigte sich, bis
ihre Stirn fast die tatami-Matte berührte. Dann schaute sie ihn
scheu von unten herauf an und bemühte sich, unterwürfig und reuevoll
zu klingen. „Ich bin gekommen, um ein Geständnis abzulegen. Es tut mir
unendlich leid. Shunpei-san trägt keine Schuld. Er hat nichts
Unrechtes getan.“
„Aber du?“ Ryan verschränkte die Arme vor dem Oberkörper und
schaute sie herablassend an.
Ihr wurde heiß. Sie wünschte sich, so beherrscht wie Ryan zu
sein, aber das war sie einfach nicht. Sie musste sich räuspern, um
fortfahren zu können. „Shunpei hat geschlafen, wie alle anderen auch.
Ich war es, die die Sandale in der
yukashita verloren hat.“ Sie
benutzte so viele japanische Worte, wie sie kannte, um ihn milde zu
stimmen, doch seine Miene wurde immer finsterer.
„Was hattest du im Vorratsfach im Küchenboden zu suchen?“,
wollte er wissen.
Bree erschauderte aufgrund der Kälte in seiner Stimme. „Ich
habe mich vor Tonegawa und Kozo versteckt.“
„Hättest du nur die Latrine aufsuchen wollen, wärst du wohl
kaum vor den Wachen davon gelaufen. Also, ich höre!“ Ungeduldig wippte
er mit dem Fuß.
„Ich habe ... also ... ich ...“, sie atmete einmal tief
durch, „Ich habe versucht zu fliehen. So machen das Gefangene nun mal.
Sie sind eingesperrt und möchten ihre Freiheit wieder erlangen.“
„Du kannst dich nur frei fühlen, indem du dich unterwirfst,
denn du bist eine Sub. Eines Tages wird du meine Worte verstehen.“
„Nichts lag mir ferner, als Shunpei-san oder irgendjemand
anderes in Schwierigkeiten zu bringen. Ich weiß, dass Sie sehr zornig
auf mich sind, Herr. Ich bin mir bewusst, dass ich in Ihren Augen
etwas Unrechtes getan habe, aber diese Mauern erdrücken mich. Ich bin
ein Mensch, keine gefühllose Puppe, die man verschenkt und mit der man
spielt, wenn man Lust dazu hat.“ Bryanna erhob den Oberkörper und
setzte sich auf ihre Fersen. Ihr Blick fiel wieder auf die seltsame
Puppe, die auf dem Regal gleich neben dem frivolen Holzdruck stand.
Wieso hatte ein Mann wie Ryan solch eine kindlich anmutende Figur im
Raum stehen?
Ängstlich wartete Bree auf seine Reaktion, doch das
Donnerwetter blieb aus. Er blickte besonnen auf sie herab - die Ruhe
vor dem Sturm?
„Nun?“
Bryanna verstand nicht. Was wollte er von ihr? Sie hatte sich
mehr als genug entschuldigt, ahnte jedoch, dass Worte ihm nicht
genügen würden. Unsicher begann sie: „Ich bitte um Verzeihung und
möchte Shunpei-san entlasten ...“
Er fiel ihr barsch ins Wort. „Bitte nicht um Nachsicht, denn
die hast du verspielt, weil du keinerlei Reue für deine Fluchtgedanken
zeigst, sondern immer wieder versuchen würdest zu fliehen. Bitte mich
um etwas anderes!“
Verwirrt runzelte sie die Stirn. Ihr Blick schweifte im Raum
umher, als könnte sie dort irgendwo eine Antwort finden. Sie hatte
keine Ahnung, was er von ihr wollte, und schwieg.
Ungeduld spiegelte sich in seinem Gesicht. Ryan sagte
schließlich: „Bitte mich um eine Strafe!“
„Ich soll was?“, entfuhr es ihr entsetzt.
Er klang gereizt, als er sprach: „Du hast mich schon
verstanden. Ich wiederhole mich ungern. Du hast einen Fehler begangen.
Damit ich dir verzeihe, wirst du mich um eine Züchtigung anflehen.“
„Masaka! Unmöglich!“ Bryanna versuchte aufzustehen,
doch Ryan drückte sie auf die Knie zurück.
„Ich gebe dir einen Rat, und es ist weise, ihn anzunehmen. Es
wäre besser, wenn du dir eine Strafe ausdenkst und sie deinem Herrn
vorschlägst. Denn wenn ich mir etwas zu deiner Buße und Läuterung
aussuche, könnte es sehr schmerzhaft für dich werden.“
Bree hatte einen Kloß im Hals. Entsetzt schaute sie zu Ryan
hoch, der so nah vor ihr stand, dass sie den Kopf weit in den Nacken
legen musste, um seinem Blick begegnen zu können. Wahrscheinlich wäre
es besser gewesen, demütig auf den Boden zu schauen, doch sie wollte
ihm in die Augen sehen, um zu prüfen, ob er wirklich meinte, was er
verlangte. Seine Miene war ernst, doch da war ein lüsternes Funkeln in
seinen Augen, das ihr nicht entging. Er spielte mit ihr. Er genoss es,
sie in die Ecke zu drängen, damit sie sich in einer ausweglosen
Situation wähnte. Ihr blieb nur eins übrig: Sie musste sich auf sein
Spiel einlassen.
Die Worte kamen ihr unendlich schwer über die Lippen, aber
sie erregten Bree wider Erwarten. „Ich bitte Sie, mein Herr, mich zu
bestrafen.“
Verbissen grübelte sie, was sie als Strafe nennen könnte. Es
musste etwas sein, das ihn zufrieden stellen und für sie selbst nicht
besonders schmerzvoll sein würde. Aber was? Sie konnte sich kaum
konzentrieren. Schließlich brachte sie kleinlaut hervor: „Wie wäre es
mit Schlägen auf den Hintern? Nur nicht so viele, weil ich damit noch
keine Erfahrung habe.“
„Ein jämmerlicher Versuch, deinen Herrn zu besänftigen!“ Ryan
ging zu seinem Schrank, öffnete ihn und entnahm eine mehrschwänzige
Peitsche. Ihr Griff, der die Form eines
Phallus hatte, war mit Leder überzogen. Deutlich konnte Bree die
schwarze Eichel erkennen. Während der Anblick sie beeindruckte und ein
wohliges Prickeln der Vorfreude in ihrem Schoß entstand, erschreckten
die Lederriemen sie zutiefst. Sie war noch nie ausgepeitscht worden,
konnte sich aber sehr gut vorstellen, dass das Leder tief in ihre Haut
beißen würde.
Bree war wie gelähmt. Sie starrte das
Schlagwerkzeug an und konnte nicht glauben, dass Ryan sie so hart
bestrafen wollte. „Bitte, das können Sie mir doch nicht antun,
Ryan-sensei!“
„Kann ich nicht?“ Blasiert hob er eine
Augenbraue.
Natürlich konnte er. Bryanna biss die Zähne
zusammen. Hilflosigkeit brannte in ihrem Magen, als hätte sie
Sodbrennen. Sie war ihm wehrlos ausgeliefert. Egal, wie sehr sie
schrie und zeterte, sie würde hier an diesem Ort nichts gegen Ryan
Ishikawa ausrichten können. Die Kendo-Schule war sein Reich, die
Schüler blickten ehrfürchtig zu ihm auf, und Noguchi Masaru sah in ihm
einen Sohn. Bree konnte nicht mit Hilfe rechnen. Gegen einen Meister
im Nito-Kendo war sie machtlos. Resignierend ließ sie den Kopf hängen.
Ryan ließ immer wieder die Peitsche durch die Luft surren,
als wollte er vorab ihre Schlagkraft testen. „Wieviele Schläge wären
wohl angebracht?“
„Vier vielleicht“, antwortete Bree betroffen. Sie zuckte bei
jedem Surren zusammen.
„Nein, du wirst so viele Hiebe bekommen, wie Stunden
vergangen sind, seit wir uns heute Morgen in Kamekos
ochaya getroffen haben. Du
hättest die Chance gehabt, mir alles zu beichten, aber du hast es
vorgezogen, den ganzen Vormittag zu schweigen.“
„Ich hatte Angst.“ Sie konnte sich selbst kaum hören.
„Shunpei-san hat den ganzen Morgen in Angst verbracht!“ Ryan
schnaubte. Dann wickelte er die Schnüre der Peitsche um seine Hand und
zog daran, um die Festigkeit zu prüfen. „Wir haben uns um fünf Uhr bei
Kameko gesehen, aber du bist erst gegen ein Uhr zu mir gekommen - das
macht acht Stunden, folglich acht Schläge.“
„Acht?“, echote sie fassungslos.
„Shunpei-san muss Genugtuung erfahren, daher werden es acht
Schläge pro Pobacke sein, um das Unrecht an ihm wieder gut zu machen.“
Fest zog er an den Schnüren.
Die Riemen würden ihr die Haut aufreißen. Bryanna schüttelte
mit weit aufgerissenen Augen den Kopf.
„Kameko muss ebenso bestraft werden. Sie hat dir einen neuen
Schuh gegeben. Auch ohne dass einer von euch beiden gesteht, weiß ich
es.“
„Nein, bitte, Ryan-sensei, sie trifft keine Schuld!“ Bree
faltete die Hände und hielt sie ihm entgegen. „Sie ist ein zu guter
Mensch, als dass sie mir in meiner Misere nicht geholfen hätte. Eine
Geisha darf nicht ausgepeitscht werden. Sie ist zart wie eine Elfe.“
„Heißt das, du übernimmst ihre Züchtigung, weitere acht
Schläge?“ Provozierend hielt er inne und schaute sie mit gespielter
Neugier an.
Bryanna ärgerte sich. Er hatte sie mal wieder dort, wo er sie
haben wollte. Immer wieder tappte sie in seine Fallen. Sie befand sich
in der Zwickmühle, und er wusste genau, sie würde Kameko beschützen,
wie sie es bei Shunpei bereits getan hatte. „Ja.“
„Gut, dann zieh dich jetzt aus!“
Bree erschauerte, als er mit den zahlreichen Lederriemen, die
so arges Leid zufügen konnten, zärtlich ihre Wange streichelte. Dann
machte er einige Schritte rückwärts, lehnte sich gegen die Wand und
beobachtete unverhohlen selbstzufrieden und lüstern, wie sie sich
auszog. Obwohl sie sich langsam entkleidete, saß sie doch schon bald
nackt vor ihm. Sie hatte eine Gänsehaut, nicht vor Kälte, sondern vor
Angst. In ihren Fantasien ertrug sie viel Schmerz, aber die
Wirklichkeit sah anders aus. Alles in ihr wehrte sich gegen die
kommende Bestrafung. Es war zu viel. Viel zu viel! Ihr war zum Weinen
zumute. Sie wich Ryans bohrendem Blick aus.
„Was haderst du mit dir und der Situation, Bree-chan?“,
fragte er sanft.
Sie hatte Mühe, nicht zu schluchzen. „Die Peitsche wird mir
keinen Lustschmerz bereiten.“
„Das soll sie ja auch nicht.“
„Aber bei BDSM gehört doch der Schmerz mit zum Vorspiel.“
Ryan kam zu ihr, legte den Peitschengriff unter ihr Kinn und
sprach: „Nicht in diesem Fall. Die Schläge sind als ernsthafte Strafe
gedacht, und diese muss wehtun, ohne Lust zu bereiten, sonst erfährst
du durch sie doch keine Läuterung. Das verstehst du doch, kleine Sub,
oder?“
Eine Träne lief über Bryannas Wange. Sie war verzweifelt. Wie
konnte er ihr das nur antun? Hatte sie auch in der ersten gemeinsamen
Nacht einen Hoffnungsschimmer gehabt, weil er mit ihr in
Löffelchenstellung eingeschlafen war, so verblasste die Erinnerung nun
und mit einem Mal kam es ihr so vor, als wäre diese Nacht bereits ein
Jahr her. Er hatte von sich behauptet, kein Monster zu sein, aber das
war eine Lüge gewesen! Oder falsche Selbsteinschätzung. Auf
Verzweiflung folgte Wut. Am liebsten hätte Bryanna ihm sein
selbstgefälliges Gesicht zerkratzt. Er weidete sich an ihrem Leid,
denn er wusste, dass ein Sturm in ihr tobte.
Ryan legte die Handfläche an ihre Wange und liebkoste mit dem
Daumen ihre Schläfe. Plötzlich griff er in ihren Haarschopf und führte
sie durch den Raum, als würde er mit einer Hündin Gassi gehen. Auf
allen Vieren krabbelte Bree hinter ihm her, um mit ihm Schritt zu
halten. Sie fühlte sich so gedemütigt und hoffte beim Leben ihrer
Eltern, dass niemand das Zimmer betreten würde, weil irgendjemand
etwas von Ryan wollte. Und dennoch kribbelte es zwischen ihren Beinen.
Was ist nur mit mir los? fragte sie sich. Sie wollte nicht
erregt sein, doch ihr Körper gehorchte ihr nicht. Ihre Schamlippen
waren geschwollen, sie rieben aneinander und fachten ihre Lust noch
mehr an. Ihre Erregung beschämte sie. Sie hatte für Sekunden ihre
Angst vergessen, wurde aber wieder daran erinnert, als Ryan sich auf
die tatami-Matte setzte, den Rücken gegen die Wand lehnte und
sie auf seinen Schoß zog. Er legte sie quer über seine Oberschenkel,
so dass er ihren entblößten Hintern gut treffen konnte. Dann fasste er
mit der linken Hand ihren Nacken und drückte ihren Kopf herunter. Nun
bildete ihr Gesäß den höchsten Punkt ihres Körpers und präsentierte
sich ihm auf schamlose Weise.
Bryanna zappelte, sie kam sich erniedrigt vor wie eine
unartige Schülerin, die von ihrem Lehrer übers Knie gelegt wurde. Sie
versuchte sich zu wehren, weil sie an die Lederschnüre dachte, die
bald ihr Fleisch mit Striemen zeichnen würden. Aber Ryan hatte sie
fest im Griff. Gerade, als er ein Knie anhob, damit zwischen ihre
Beine stieß und ihre Schenkel ein wenig öffnete, fiel Brees Blick auf
die Peitsche. Das Schlaginstrument lag auf dem Regal vor dem obszönen
japanischen Holzdruck. Ryan musste es dort abgelegt haben, ohne dass
sie es bemerkt hatte, so beschäftigt war sie mit ihrem Elend gewesen.
Erstaunt hielt sie inne und wehrte sich nicht länger. Womit
wollte er sie züchtigen? Sie würde 24 Schläge erhalten, eine Zahl, bei
der ihr schwindelig wurde. Das Chaos in ihrem Inneren beruhigte sich
trotzdem ein wenig. Keine Peitsche! Bryanna war erleichtert, wollte
diesem Gefühl aber nicht nachgeben, denn Ryan verfolgte offensichtlich
einen Plan. Nur welchen? |