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Leseprobe
Szene 1:
Celine erwachte mit klopfendem Herzen. Sie zögerte einen
Moment, dann zog sie sich entschlossen um. Sie wollte sehen, ob der Comte zu
Gast war. Eine ungestüme Hoffnung trieb sie voran. Sie probierte mehrere
Gewänder, knöpfte zu, hakte wieder auf, bis sie ein passendes Kleid gefunden
hatte. Es war schlicht und schwarz und wirkte ein wenig feierlich.
Hastig eilte sie die Treppe hinab, ihre verschwitzte Hand
glitt über das schimmernde Mahagonigeländer. Dann hielt sie erschrocken
inne. Sie sah die dunkle Gestalt des Comte in der Halle. Ihr Lächeln gefror.
Dort unten stand er mit Mara, er streichelte ihre Wange.
Celine blieb stehen, wollte umkehren. In diesem Augenblick sah der Comte auf
und erkannte sie. Er sah sie lange an, sie konnte seinen Blick nicht deuten.
Trauer sank in ihr Herz wie schwarzer Schlamm.
Celine drehte auf dem Absatz um und nahm zwei Stufen auf
einmal, um so schnell wie möglich ihr schützendes Zimmer zu erreichen. Aus
dem Augenwinkel sah sie ihn über die Schulter blicken, hinauf zu ihr. Celine
warf sich auf ihr Bett und trommelte mit den Fäusten darauf, um nicht in
Tränen auszubrechen. Die Einsamkeit war zurückgekehrt. Das Licht der Lampe
fiel auf eine Zeitung. Die feinen Äderchen an Celines Schläfen schwollen vor
Zorn und Hilflosigkeit. Mechanisch strich sie über ihr schmerzendes Kreuz.
Sie weinte sich in den Schlaf.
Im Traum stand sie an ihrem Seerosenteich. Eine blau
geflügelte Libelle sirrte vorbei, im Wasser bewegten sich Fische, sie
glitten zwischen den Stängeln der Seerosen dahin, rötlich und silbrig. Durch
die Wasserschleier hindurch entdeckte Celine auf dem Grund ein vermodertes
Boot mit einem Leck, es lag in tiefem Schlamm. Sie schrak auf, schlief
jedoch bald wieder ein.
***
Am nächsten Abend wurde Celine zu Pete gerufen. Am liebsten
hätte sie ihn nie wiedergesehen. Die ihr zugefügte Wunde schwärte. Trotzig
senkte sie den Kopf. Er suchte in ihrem Gesicht nach Spuren der
Unterwerfung, die er nicht vorfand, jedenfalls nicht in dem von ihm
gewünschten Maß. Celine brachte kein Wort über die Lippen, sie empfand
bodenlose Bitterkeit. Sie trauerte um den Comte und verschloss sich mürrisch
vor Pete. Die Sonne war tiefer gesunken, schwarze Wolken ballten sich am
Himmel.
Celine stand leicht gebückt, damit sie Pete nicht ansehen
musste. Sie ließ den Kopf hängen. Blaue Schatten flossen um sie herum, eine
Fensterscheibe glühte im letzten Licht des Tages.
Die Vorhänge wehten leicht im Wind. Das Licht, das nur
spärlich durch die Wolken brach, löste eine große Verlorenheit in Celine
aus.
„Ich glaube, unser guter Brendan hat sich ein wenig in dich
verliebt“, sagte Pete schließlich. Celine starrte auf die Vase mit Nelken
auf seinem Schreibtisch. Sie verströmten einen schwülen Duft.
Celines Gesicht blieb völlig leer. „Ich habe ihn gebeten,
heute zu uns zu stoßen“, fuhr Pete in demselben Ton fort, „übrigens möchte
ich nicht, dass du den Comte weiterhin triffst. Der alte Vagabund wird mir
langsam lästig, zumindest was dich betrifft. Er fördert deine Aufsässigkeit.
In Zukunft werde ich das zu verhindern wissen.“ Er ging mit großen Schritten
im Zimmer auf und ab. Celine hatte das Gefühl, dass der Boden unter ihr
schwankte.
Sie erschrak, schrumpfte noch mehr in sich zusammen. Gedanken
überfluteten sie, sie wollte den Comte nicht verlieren, bevor alles richtig
begonnen hatte. Langsam bewegte sie sich rückwärts, ihre Hand tastete nach
der Klinke. Sigrid trat ein, fast wären sie zusammengestoßen. Celine hatte
das Bedürfnis sich zu betrinken, um dem Alleinsein, dem ständigen Horror und
dem Grauen zu entfliehen. Sigrid trug ein streng wirkendes violettes Gewand.
Hinter ihr tauchte Brendan auf, er lächelte verlegen unter seinem sorgfältig
gewellten blonden Schopf. Celine nahm sich fest vor, bald einen
Fluchtversuch zu unternehmen. Sie würde sich nicht länger an die Regeln
halten. Sie beobachtete, wie Sigrids Finger mit den spitzen violetten
Fingernägeln langsam Brendans Hose hinunterzogen, wie sie sich kitzelnd um
seinen bereits steifen Schwanz legten.
Sanft schob sie die Vorhaut zurück und begann seine Hoden zu
massieren. Celine bat um ein Glas Sekt, Pete schenkte ihr ein. Sie wollte
Zeit gewinnen. Sigrids laszive Manipulationen an Brendan waren kaum zu
ertragen. Brendan presste seine vollen Lippen aufeinander, er konnte seine
Erregung nicht verbergen. Pete zog Celine auf seinen Schoß, seine Hände
wanderten ihre Oberschenkel entlang und strichen über ihre festen Muskeln,
liebkosten die zarte Innenhaut nahe den Leisten. Trotz ihres Schocks und
ihres Kummers stiegen die vertrauten wollüstigen Empfindungen in ihr auf.
Sie wurde schwerer, gab nach, nippte an dem Sekt, spreizte ihre Beine ein
wenig weiter. Sie hörte die Uhr ticken. Pete schob langsam seine Hand in
ihren Slip, er spielte mit ihren Schamlippen und rieb leicht über ihre
Klitoris. Sie sah die anderen nicht mehr. Pete hatte einen Daumen in sie
eingeführt und reizte sie mit federleichten Bewegungen. Celine schloss die
Augen. Es fühlte sich an wie gezuckerte Himbeeren.
Sie trieb schon dem Höhepunkt entgegen, als Pete sie
plötzlich von seinem Schoß herunterschob und aufstand. Er streckte sich,
dehnte sich lustvoll und setzte sich dann mit dem Rücken zur Wand auf den
Teppich. Er winkte Celine, ihm zu folgen. Er befahl ihr, mit geöffneten
Beinen vor ihm zu stehen. Dann tauchte er seine Finger in den Sekt und zog
kreisende Linien auf ihrem Geschlecht. „Du solltest dankbar sein, dass ich
mich deiner so himmlisch annehme, wo du doch nichts als Schwierigkeiten
machst“, bemerkte er süffisant.
Sigrid schloss die Fenster und zog die Vorhänge zu. Celine
war irritiert. Sie sah zu dem großen Bild von Venedig hinüber, eine nackte
Frau rekelte sich dort. Pete öffnete seine Hose und entblößte sich. Lächelnd
sagte er zu Celine: „Wir werden dich heute zum ersten Mal von zwei Seiten
penetrieren.“
Celine erschrak. Er drehte
sie um und griff nach ihren Hüften. Sie sank mit angewinkelten Knien auf
ihn. Das Zimmer wirkte wie ein abgeschlossenes Gehäuse, der Sommerabend war
ausgesperrt. Celine blieb stumm. Die Sektflasche funkelte smaragdgrün im
Licht der Lampe.
Inzwischen hatte Sigrid Brendans Penis in den Mund genommen.
Er stand vor ihr mit verkrampften Pobacken und rührte sich nicht. Sie zog
ihn weit in sich hinein. Er gab leise zwitschernde Lustgeräusche von sich.
Sigrid krallte ihre Finger in seinen Po.
Szene 2:
Eine endlose Woche verging. Pete und Sigrid kümmerten sich
nicht um Celine, verlangten keine Dienste. Pete lächelte ihr zerstreut zu,
wenn ihre Wege sich kreuzten. Kia schien Celine überhaupt nicht mehr
wahrzunehmen, sie sah beharrlich durch sie hindurch, als wären sie nie
zusammen im „Tarotcafé“ gewesen. Der Comte schickte keine Nachricht. Goldie
und die anderen Frauen waren unbekümmert, lachten viel und tranken
Apfelwein. In Celine wuchs das Misstrauen. Wurde sie seltsam angesehen?
Tuschelten da zwei hinter ihrem Rücken? Goldie schien sie ständig zu
belauern, oft folgte sie Celine in den Garten. Stundenlang brütete Celine im
Schatten der Hecke und wartete immer verzweifelter auf eine Botschaft, auf
eine Auflösung dieser ständigen Spannung, doch nichts rührte sich, alles
blieb still wie die Oberfläche eines Teiches. Immerzu dachte sie, sie
kommen, Pete lässt mich abholen.
***
An einem sonnigen Nachmittag folgte Goldie Celine wieder in
den Garten. Celine konnte ihre Füße auf dem Kiesweg trampeln hören. Goldie
schien auf etwas zu lauern. Celine explodierte, alles wurde ihr für einen
Moment gleichgültig, sie wollte Goldie nicht länger bei Laune halten. Sie
riss sie am Haar und ohrfeigte sie, einmal, noch einmal, Goldie keuchte.
Celine geriet völlig außer sich, sie sprang vorwärts, schlug ihr heftig
gegen die Brust und schrie laut: „Der Teufel soll dich holen!“ Sie begann zu
fluchen wie ein Fuhrknecht. Goldies Wangen waren rot gezeichnet, sie riss
sich los und rannte laut heulend in die Villa. Celine empfand eine flüchtige
Genugtuung, die Bäume schienen sich zu ordnen, sie sah das Licht wieder
tanzen. Mutwillig trat sie in die Chrysanthemen, riss sie mit den Wurzeln
aus. Nur mühsam beruhigte sie sich.
Die Nebel fielen dichter. Betrübt wegen ihres Ausbruchs
setzte Celine sich an diesem Abend neben das Klavier und lauschte Brendans
Spiel, sie starrte in die Nebelschleier. Brendan sah melancholisch aus,
seine Wangen waren schmal geworden, und seine Blicke musterten Celine
sehnsüchtig. Am Tisch saß Sigrid mit ihren langen Ohrringen und aß
Lavendeleiscreme mit einem langstieligen Löffel. Ihre Augen glänzten,
veränderten sich dauernd. Celine schloss die Augen, ihre Ängste schufen
irrlichternde Bilder, die sie bedrängten.
Ganz plötzlich fiel eine Hand schwer auf ihre Schulter,
krallte sich ein wie eine Klaue. Pete stand hinter ihr, hoch ragte er auf,
seine Augen waren flüssiges Eis. Er bedeutete ihr, ihm zu folgen. Celine
erschrak furchtbar, während sich ihre Lackschuhe mechanisch die Stufen der
Treppe hinaufbewegten.
Die Tür zum Büro öffnete sich lautlos. Petes Miene war
versteinert, der Schreibtisch peinlich aufgeräumt. Ein Papiermesser steckte
als Buchzeichen in einem erotischen Bildband, auf dessen Deckel eine
Haremsszene mit üppigen Odalisken – die auf schweren Kissen ausgebreitet
lagen – abgebildet war. Celine starrte auf das Bild, um Pete nicht ansehen
zu müssen. Mit einer unbeirrbaren Gewissheit wusste sie: Das Spiel ist aus.
Pete war aschfahl, seine Lippen hatten die Farbe alter Rosen.
Dann sagte er beiläufig, trocken: „Du hast mich also
betrogen.“
Die Worte tauchten aus der Wüste des Schweigens auf und
sanken zurück in die Tiefe. Die Luft schien aufgeladen, etwas flackerte in
seinem Blick.
Mit der Geschwindigkeit eines Panthers stand er auf und
packte Celine am Genick, dann schlossen sich seine Hände um ihren Hals, und
er begann zuzudrücken, seine Nase zuckte.
Blankes Entsetzen über ihre eigene Unverfrorenheit sprang
Celine an. Langsam lockerte er den Griff und sagte kalt: „Der Tod wäre eine
zu einfache Lösung.“. Er ergriff den schweren Briefbeschwerer und einen
Augenblick glaubte sie, er würde ihn an die Wand schmettern, doch dann legte
er ihn wie in Zeitlupe zurück. „Das hat noch nie jemand hier gewagt!“ Er
schien zu sich selbst zu sprechen und schüttelte den Kopf.
Der alte Schmerz packte Celine, die Sehnsucht nach dem Comte,
aber er war nicht da, er war nicht rechtzeitig gekommen, sie war verloren.
Ihr blies ein eiskalter Wind ins Gesicht. Pete packte sie mit eisernem Griff
und zerrte sie hinter sich her in ihr Zimmer. Er schob Celine hinein wie
eine Puppe und schloss ab. Jeder Ausbruch, ja selbst eine seiner
Züchtigungen wären ihr lieber gewesen als sein eiskaltes Schweigen.
Bestürzt kauerte sie sich auf den Bettrand, sah in der
Hoffnung auf Hilfe in den Garten hinaus. Alles lag verlassen im Nebel, sie
grübelte, wer schnell für sie den Comte benachrichtigen könnte, versuchte zu
begreifen, was geschehen war. Goldie hatte sie verraten! Celine krallte ihre
Nägel in den gelben Satin ihrer Bettwäsche. Bilder stiegen in ihr auf,
Erinnerungen an das dunkle Gesicht des Comte, seine zärtlichen Gesten, das
alles hatte sie leichtsinnig verspielt. Ihr Glück, ihre Freiheit schienen
weit in die Ferne zu rücken. Wie hatte sie Goldie trauen können? Der weiße
Nebel draußen ließ alles unwirklich verschwimmen, sie starrte die Ananas auf
ihrem Teller an. Ihr wurde kalt. Was würde Pete ihr antun? Sie hatte ihn nie
zuvor so getroffen erlebt. Was war mit Kia geschehen? Ihre Gedanken rasten,
ihr Hals wurde enger, sie konnte immer noch Petes würgende Hände fühlen. In
ihrem Kopf wogte es, in ihren Ohren begann es zu rauschen, sie war einer
Ohnmacht nahe.
Und um Celine herum schien eine gewaltige Schwärze
anzuwachsen, sich aufzulösen. Die Zeit stand still wie vor einem Sturm.
Sie hörte eine leise Bewegung an der Tür. Pete trat ein, er
war allein. Celine zuckte zusammen, sah ihn von unten an, flehend, wollte
seine Verzeihung erwirken, doch sie prallte ab an seiner Kälte.
„Zieh dich aus!“, sagte er abrupt, es klang wie ein
Peitschenknall. Es war ein Augenblick ohne Illusionen, klar wie ein
Kristall. Celine begann laut zu schluchzen, dann verstummte sie, und alles
war still. Nur seine Augen schienen in ihr Inneres dringen zu wollen.
Zitternd entblößte sie ihre Brüste, sie umklammerte den Stoff
des Oberteils, dann streifte sie zögernd ihren Rock ab, er war aus weißem
Satin und fiel wie eine Sommerwolke auf den Teppich. Die Augen drangen ihr
fast aus dem Kopf vor Angst.
„Wie hat er dich genommen?“, fragte Pete mit
zusammengepressten Lippen in sachlichem Ton. Wieder packte er sie am Genick
und schüttelte sie heftig, sie war steif und fror fürchterlich. Die Bäume
warfen im schwachen Licht einer Laterne ein Spitzenmuster an die Wände. Sie
drehte sich und wollte sich seinem Griff entwinden, eine trotzige Wut ballte
sich in ihr zusammen.
Als er sie kurz losließ, streckte sie ihre nackte Brust vor
und sagte laut: „Immerhin fickt er normal, anders als du.“ |