|
Leseprobe:
Szene 1
Sie wollte sich gerade in die nächste Fantasie stürzen, als es
klingelte. Endlich!, dachte Eileen – und zugleich: Was, jetzt
schon?
Sie stand auf, zwängte sich
in die roten High Heels, nahm ihr dürftiges Gepäck und stöckelte zur Tür.
Jenna stand davor.
„Der Wagen wartet“, sagte
sie und beugte sich vor, um Eileen zu küssen. „Hm, du riechst gut.“ Sie ließ
ihren Mund an Eileens Wange hinab zu ihrer Halsbeuge wandern. „Dein Puls
wummert ja wie verrückt. Keine Angst, meine Süße. Ich verspreche dir, dass
du eine tolle Zeit haben wirst.“
Sie fuhren mit dem Lift in
die Tiefgarage, die zu Eileens Apartmenthaus gehörte. Dort, zwischen all den
Mittelklassewagen, stand wie ein Brillant unter Kieselsteinen eine schwarze
Limousine, die frisch poliert glänzte. Eine richtig noble Karosse. Neben der
Fahrertür wartete ein Chauffeur. Sein Anblick ließ Eileens Herz noch
heftiger schlagen, denn ihr wurde bewusst, dass sie und Jenna mit dem Lord
nicht allein sein würden. Womöglich war eine ganze Dienerschaft anwesend.
Wie viel würden sie mitbekommen?
Der Chauffeur kam ihnen
entgegen und nahm Eileen mit einer leichten Verbeugung das Köfferchen ab.
Sie glitt neben Jenna auf den Rücksitz, und er nahm seinen Platz hinter dem
Steuer ein. Er drehte sich zu ihnen um, in der Hand mit den weißen
Handschuhen hielt er zwei schwarze Augenbinden. „Ich muss die Damen bitten,
sich die Augen zu verbinden. Der Aufenthaltsort ist geheim.“
„Er heißt Gerald“,
flüsterte Jenna ihr mit einem Kichern in der Stimme zu. „Er ist die
Förmlichkeit in Person.“
Wir werden entführt,
schoss es Eileen durch den Kopf. Wir lassen uns sogar freiwillig
entführen. Wir müssen verrückt sein.
Dennoch legte sie gehorsam
die Augenbinde an.
Gerald startete den Wagen.
Das leise Schnurren des Motors reichte kaum, um Eileens Herzklopfen zu
übertönen. Sie tastete nach Jennas Hand und umschloss sie fast krampfhaft.
„Wie gut kennst du den Lord?“ Das hätte sie gestern schon fragen sollen.
„Verzeihen Sie die
Unterbrechung“, kam es von Gerald. „Aber es ist den Damen nicht gestattet,
sich zu unterhalten.“
„Dürfen wir wenigstens
erfahren, wie lang die Fahrt dauert?“, erkundigte sich Jenna.
„Je nach Verkehr dreißig
bis vierzig Minuten.“
„Danke.“ Jenna entzog sich
Eileens Umklammerung, dann streichelte sie ihren Unterarm.
Eileen war allein mit ihren
verworrenen Gedanken, und alles kam ihr mit einem Mal völlig unwirklich vor.
* * *
Eine Stimme holte sie
ins Hier und Jetzt zurück. „Eileen, darf ich dich bitten, auszusteigen?“
Die Stimme gehörte zu
einem Mann, aber es wer nicht der Chauffeur. Den hörte Eileen gerade auf der
anderen Wagenseite etwas zu Jenna sagen. Sie reagierte nicht sofort, denn
sie konnte nicht anders, als dem Nachhall der Stimme in ihrem Kopf zu
lauschen. Warm und samtig, vertrauenserweckend, aber mit einer Andeutung von
Strenge, gerade so viel, dass sie plötzlich Angst bekam, der Mann, dem die
Stimme gehörte, könnte sie am Arm packen und mit Gewalt aus dem Wagen
ziehen.
Doch er fragte: „Kann
ich dir helfen?“
Finger schlossen sich um
ihr Handgelenk, so warm wie die Stimme, genau so vertrauenserweckend, und
auch hier konnte sie dahinter noch etwas spüren: kontrollierte Stärke. Ob
das der Lord war?
„Danke.“ Sie ließ sich
aus dem Wagen helfen.
„Achtung, den Kopf
einziehen.“
Als sie im Freien stand,
schwankte sie etwas. Sofort war da eine weitere Hand, die sie um die Hüfte
nahm und stützte. Ein paar Schritte entfernt hörte sie Jenna mit Gerald
reden. Sie waren wohl schon auf dem Weg ins Haus.
„Mit verbundenen Augen
wird einem leicht schwindelig“, sagte die samtige Stimme. „Dazu noch auf
High Heels. Ich werde dich einfach tragen.“
Schon verschwand der
Boden unter ihr, und sie fand sich auf starken Armen wieder. Reflexartig
griff sie dahin, wo der Nacken des Mannes sein musste. Ihre Hände verfingen
sich in langen Haaren. Das konnte nicht der Lord sein, außer das Foto, das
Jenna ihr gezeigt hatte, war älter, und er hatte sich inzwischen die Haare
wachsen lassen.
Mit flüssigen Bewegungen
trug der Mann sie einige Stufen hoch, dann fiel eine Tür mit sattem Klang
ins Schloss. Sie bemerkte, dass es kühler geworden war.
Wir sind drin. Die
Sklavin ist an ihrem Bestimmungsort angekommen.
Fast hätte sie
gekichert, doch sie beherrschte sich. Was auch immer geschah, sie nahm sich
vor, sich würdevoll und professionell zu benehmen, genau wie während eines
Foto-Shootings.
„Ich stelle dich jetzt
ab“, sagte die Stimme.
Der Boden unter ihren
Füßen war wieder da, wo er hingehörte. Sie löste ihre Hände und ließ sie
widerstrebend aus seinen weichen Haaren gleiten. Er fasste um sie herum und
öffnete ihre Augenbinde. Eileen, die die ganze Zeit vor Aufregung nur flach
geatmet hatte, sog tief die Luft ein und hätte am liebsten gar nicht mehr
damit aufgehört: er roch fantastisch. Sauber und männlich und ganz, ganz
leicht nach einem Herrenparfüm.
Als sie spürte, dass die
Augenbinde sich lockerte, schloss Eileen die Augen. Sie hatte Angst, der
Mann mit der schönen Stimme, den sensiblen Händen, den seidigen Haaren und
dem betörenden Duft könnte sich als unattraktiv oder gar hässlich
herausstellen. Langsam öffnete sie die Augen und blickte zu Boden. Sie sah
schwarz glänzende Schuhe. Sie ließ die Augen höher wandern: eine schwarze
Hose aus feinem Wollstoff. Noch ein Stück höher: ein ebenfalls schwarzer
Ledergürtel mit einer kunstvoll gearbeiteten silbernen Schnalle. Darüber ein
dunkelrotes Hemd. Der oberste Knopf stand offen. Helle, glatte Haut
schimmerte im Kontrast dazu.
„Du darfst mich ruhig
ansehen. Noch gelten keine Regeln.“
Eileen hob den Kopf und
starrte in ein Gesicht von atemberaubender Schönheit. Er musste ein Vampir
sein. Oder ein Indianer. Nein: die vollkommenste Mischung aus diesen beiden
Schönheitsidealen, die denkbar war. Gesichtszüge wie gemeißelt, eine
unglaubliche Knochenstruktur, darüber zarte, blasse Haut. Das alles nahm sie
nur für Sekundenbruchteile wahr, denn als sie schließlich in seine Augen
sah, war sie wie hypnotisiert und konnte den Blick nicht mehr abwenden. Groß
und dunkel lagen sie unter schmalen, schön geformten Augenbrauen.
Jenna, deren Gegenwart
Eileen völlig vergessen hatte, breitete die Arme aus und drehte sich einmal
um sich selbst. „Was für ein Luxusschuppen.“
Eileen hätte nicht
einmal sagen können, in welcher Art Raum sie sich befanden, oder wo oben und
unten war. Sie war zu sehr damit beschäftigt in den Augen des Mannes zu
versinken. Jetzt zwang sie sich an ihm vorbeizusehen, nicht ohne dabei
wahrzunehmen, wie seidig seine langen dunkelbraunen Haaren glänzten.
Sie standen in einer
hochherrschaftlichen Halle mit allem was dazugehörte: Kronleuchter,
Wandteppiche, Marmorfließen. Zwei geschwungenen Freitreppen führten zu einer
Galerie, von der aus Korridore nach rechts und links führten.
Gerald stellte die
Koffer ab, dann sagte er zu Jenna: „Der Lord erwartet Sie.“
„Und was ist mit
Eileen?“
Eileen freute sich, dass
Jenna ihre Beschützerrolle ernst nahm.
„Eileen“, sagte der
schöne Mann, „muss erst vorbereitet werden.“ Dann lächelte er, und Eileen
glaubte, am Anblick seiner geraden weißen Zähne schlichtweg zu sterben.
„Keine Sorge, sie ist bei mir in den besten Händen.“
„Na gut.“ Jenna gab
Eileen einen zärtlichen Klaps auf den Po. „Dann werde ich mir mal den Lord
zur Brust nehmen.“
Sie folgte Gerald, und
die beiden verschwanden durch eine geschnitzte Tür. Eileen sah ihr Gegenüber
fragend an.
„Mein Name ist Raven“,
stellte er sich vor. „Ich bin während deines Aufenthalts dein persönlicher
Diener.“
Jetzt konnte Eileen
nicht anders, als erfreut zu lächeln. „Raven. Was für ein schöner und
außergewöhnlicher Name.“
„Danke. Folge mir
bitte.“ Er nahm die beiden Koffer und ging zur Treppe voraus. Am Fuß der
Treppe wartete er und ließ Eileen den Vortritt. Als sie an ihm vorbeiging,
atmete sie seinen Duft ein, der sie berauschte wie edler Wein.
Lautlos gingen sie die
mit einem dicken Teppich belegte Treppe hoch. Eileen hielt sich am Geländer
fest, denn sie war immer noch ein wenig benommen von der Fahrt mit
verbundenen Augen. Dazu kamen das Kribbeln, das Ravens Nähe in ihr auslöste,
und das Lampenfieber angesichts des ungewöhnlichen Wochenendes, das ihr
bevorstand.
Oben an der Treppe
drehte sie sich fragend um.
„Nach links, bitte“,
sagte Raven.
Jennas Koffer stellte er
gleich vor der ersten Tür ab. Eileen erwartete, dass das anschließende
Zimmer ihres sein würde, und verlangsamte ihre Schritte, doch Raven ging
weiter den Flur entlang, der die Ausmaße eines Hotelkorridors hatte. Sie
ließen Tür um Tür hinter sich und bogen zweimal um Ecken. Eileen hatte
längst die Orientierung verloren. Sie folgte einfach ihrem persönlichen
Diener und erfreute sich an seinen geschmeidigen Bewegungen.
Endlich waren sie da,
und Raven öffnete schwungvoll den Flügel einer Doppeltür. „Mylady“, sagte er
mit einer formvollendeten Verbeugung. „Hier ist dein Reich.“
Eileen trat in das
Zimmer und wusste gar nicht, wo sie zuerst hinsehen sollte. Goldene Lüster,
Brokatvorhänge, Trompe-l’oeil Wandmalereien mit toskanischen Motiven,
Seidenteppiche, antike Schränke, und mitten in der Pracht ein Himmelbett, in
dem eine Großfamilie samt Hund Platz gefunden hätte.
„Ich wusste gar nicht,
dass Sklavinnen so fürstlich wohnen.“
„Nur, so lange sie
gehorchen. Sonst heißt es: ab in den Kerker!“
Sie fuhr herum und sah
erleichtert, dass die feinen Lachfalten um Ravens Augen sich vertieft
hatten, obwohl er sich um ein ernstes Gesicht bemühte.
Raven legte den Koffer
auf eine geschnitzte Holztruhe und öffnete ihn. Sorgfältig packte er ihre
hochhackigen Schuhe aus und stellte sie neben einen Schminktisch, über dem
ein dreiteiliger Spiegel angebracht war. Eileen streifte die roten Schuhe ab
und stellte sie daneben. „Wo finde ich das Bad?“
„Hier entlang.“ Raven
öffnete eine Tür, die Eileen für einen Schrank gehalten hatte. Dahinter
befand sich ein Bad mit allem Komfort: Duschtempel, Whirlpool, Bidet,
Doppelwaschbecken.
Raven stellte ihre
Kosmetikartikel in den beleuchteten Spiegelschrank. „Gib mir dein Kleid“,
sagte er.
Es klang weder wie ein
Befehl noch wie eine Bitte. Es war eine ganz neutrale Aufforderung, wie
Eileen sie schon von Dutzenden Fotografen gehört hatte. Doch aus Ravens Mund
ließen die Worte sie sofort erbeben.
Eileen bemühte sich,
ihre Unsicherheit zu verbergen, öffnete den Reißverschluss und stieg aus dem
Kleid.
„Du wirst bis zum
Abendbrot nackt sein“, fügte er hinzu.
Eileen verstand. Sie
hakte den BH auf und reichte ihn ihm.
Bis zum Abendbrot,
überlegte sie.
Das heißt, ich brauche
immerhin zu den Mahlzeiten nicht nackt zu sein.
Sein Blick ruhte kurz
auf ihren Brüsten, dann wanderte er tiefer, und Eileen folgte der
unausgesprochenen Bitte, sich auch des seidenen Strings zu entledigen.
„Danke“, sagte Raven und
verschwand im Schlafzimmer. Die Tür schloss er geräuschlos hinter sich.
Eileen brauchte nicht
lange, um sich frisch zu machen, denn sie hatte heute bereits ausgiebig
geduscht und ihre Schamhaare noch gründlicher rasiert als sonst.
Als sie ins Schlafzimmer
zurückkam, fand sie Raven geduldig wartend neben dem Schminktisch vor, auf
dem ein Glas Wasser stand.
„Setz dich und trink,
während ich dich mit den Regeln vertraut mache.“
Eileen gehorchte. Sie
trank einen Schluck und rückte sich zurecht, bis sie fast mit dem Sessel,
der mit rotem Samt bezogen war, verschmolz. Raven nahm eine Haarbürste vom
Schminktisch und begann ihre Haare mit langsamen Strichen zu bürsten. Eileen
verfolgte im Spiegel seine ruhigen Bewegungen. Sie dachte schon, er würde
überhaupt nichts mehr sagen, weil er so versunken in seine Tätigkeit war, da
begann er noch leiser als sonst zu reden.
„Zunächst einmal ist
natürlich klar, dass du freiwillig hier bist und jederzeit gehen kannst.
Doch so lange du bleibst, bist du kein Gast wie Jenna, sondern die
Lustsklavin des Lords, von der absoluter Gehorsam erwartet wird. Das gilt
sowohl dem Lord als auch mir und dem weiteren Hauspersonal gegenüber.
Gehorsam bedeutet, dass du allen Befehlen und Aufforderungen ohne Zögern
Folge leistest, und dass du dich nur in meinem Beisein durchs Haus bewegst.“
Er legte die Bürste weg
und drehte ihre Haare geschickt zu einer Hochsteckfrisur, die er mit einer
goldenen Spange fixierte. Dann legte er seine Hände auf ihre Schultern und
begann eine sanfte Massage. Eileen überlegte, ob es einer Sklavin wohl
gestattet war, wohlig zu seufzen.
„Du wirst in Gegenwart
des Lords stets die Augen gesenkt halten, außer er oder jemand anders
befiehlt dir, ihn anzusehen. Du wirst nie aus eigenem Antrieb deine
Körperhaltung ändern. Du wirst deine Brüste und deine Vagina nicht berühren,
außer es wird dir befohlen. Du wirst nur sprechen, wenn man dich dazu
auffordert. Hast du Fragen dazu?“
„Wie rede ich den Lord
eigentlich an?“
„Mit Sir.“
„Was passiert, wenn ich
eine Regel verletzte?“
„Dann wirst du
bestraft.“
Sie starrte fasziniert
auf seine Lippen, während er das Wort „bestraft“ aussprach. Es erzeugte eine
Resonanz in ihr, die so erregend wie erschreckend war. „Und wie werde ich
bestraft?“
„Mit Peitschenhieben. Du
wirst um die Bestrafung jeweils bitten und dich anschließend dafür
bedanken.“
Das würde schwer werden.
Stillhalten konnte sie, Befehle auszuführen war sicher auch nicht schwer,
aber etwas auszusprechen, das so erniedrigend war und zugleich so aufregend,
das stellte eine echte Herausforderung dar. Dennoch nickte sie tapfer.
„Ich als dein Diener
spiele dabei folgende Rolle“, führte Raven weiter aus, „ich bin für dein
Wohlergehen verantwortlich, aber auch für deinen Gehorsam. Ich werde dich
fesseln oder in den Stellungen, in denen der Lord dich zu nehmen wünscht,
festhalten.“
Eileens Augen weiteten
sich vor süßem Schrecken. Dass Raven mit seinen sensiblen Händen sie
berühren und festhalten würde, erschien ihr fast schon schmerzlich schön.
„Allerdings ist es mir
nicht gestattet, mich dir sexuell zu nähern oder dich intim zu berühren,
außer der Lord erteilt mir den ausdrücklichen Befehl.“
Eileen unterdrückte ein
Lächeln. Für sie war es bereits eine sexuelle Annäherung, wenn er nur mit
ihr sprach, von seinen sanft knetenden Händen in ihrem Nacken ganz zu
schweigen.
Raven hielt inne.
„Außerdem ist es meine Aufgabe, dich zu bestrafen, wenn es nötig ist.“
Eileen vergaß zu atmen.
Ihre Haut war plötzlich so empfindsam, dass sie jeden kleinen Lufthauch
darauf zu spüren glaubte.
* * *
Raven ließ Eileen die
Regeln wiederholen, um sicher zu sein, dass sie sie verinnerlicht hatte.
Dann bat er sie, aufzustehen. Er konnte sehen, wie sehr sie sich bemühte,
ihre Unsicherheit zu überspielen, aber ihm entging nicht das leichte Zittern
ihrer Fingerspitzen. Er lächelte aufmunternd, aber das schien sie nur noch
aufgeregter zu machen.
Gleich kommt der
erste kritische Moment,
dachte er, während er breite, gepolsterte Ledermanschetten, an denen
Karabinerhaken befestigt waren, aus einer Schublade nahm.
Ihr wird bewusst werden,
dass es wirklich ernst ist, keine Fantasie, kein Spiel.
Doch sie reagierte, wie
man es von einem Fotomodel erwarten konnte, das gelernt hatte, mit
Requisiten zu arbeiten: gehorsam hielt sie ihm den rechten Arm hin, damit er
die Manschette darum schließen konnte. Jetzt war er selbst es, der fast zu
zittern anfing, als er die durchsichtige Haut auf der Innenseite ihres
Handgelenks berührte. Behutsam schloss er die Schnalle und achtete darauf,
dass die Manschette weder zu fest noch zu locker saß.
Noch bevor er darum
gebeten hatte, reichte sie ihm den anderen Arm. Nachdem er die zweite
Ledermanschette befestigt hatte, trat er hinter sie, führte ihre Handgelenke
zusammen und hakte die Manschetten ineinander. Sie hielt den Kopf leicht
gebeugt, und er verspürte das starke Verlangen, seine Lippen auf die weiche
Haut in ihrem Nacken zu legen. Doch das gehörte zu den verbotenen
Berührungen. Stattdessen fuhr er mit den Fingern durch die feinen Haare, die
die goldene Haarspange nicht erfasst hatte. Für einen Moment spürte er eine
so intensive Zärtlichkeit, dass es ihm den Atem raubte. Er riss sich
zusammen und widmete sich wieder seinen Pflichten, kniete vor ihr nieder und
befestigte die beiden anderen Ledermanschetten oberhalb ihrer Knöchel.
Schließlich wählte er die schwarzen High Heels, streifte sie über Eileens
zierliche Füße und schloss die Riemchen. Sein Kopf war fast in gleicher Höhe
mit ihrer Scham, die einen unwiderstehlichen Duft nach Lust und Willigkeit
verströmte. Wieder wurde der Wunsch sie zu küssen, diesmal auf ihren
Venushügel, fast unwiderstehlich.
Er stand auf, trat einen
Schritt zurück und begutachtete sein Werk. Die hochgesteckten Haare brachten
Eileens geschwungenen Nacken schön zur Geltung. Die hinter dem Rücken
gefesselten Arme betonten ihre Nacktheit. Sie sah bezaubernd aus.
„Gehen wir.“ Er nahm sie
am Arm, um sie festhalten zu können, falls sie Probleme hatte, das
Gleichgewicht mit den High Heels auf den dicken Teppichen zu halten.
Während sie die langen
Gänge zur Treppe zurückgingen, beobachtete Raven auf ihrer Haut das Spiel
des wechselnden Lichts – mal Kunstlicht, dann wieder die Abendsonne, die
durch ein Fenster fiel.
„Ich bringe dich in die
Bibliothek. Sie ist bestens für Sexspiele ausgestattet.“
„Hoffentlich werde ich
alles richtig machen“, sagte sie. „Wie ist der Lord so?“
Es ging die Treppe
hinunter und verstärkte den stützenden Griff um Eileens Oberarm. „Er kann
sehr nachsichtig sein, aber auch äußerst streng. Das kommt auf seine
Stimmung an. Heute war er bis jetzt in bester Laune.“
Eileen lächelte ihn
erleichtert an. „Dann brauche ich mich ja nicht allzu sehr zu fürchten.“
Während sie die große
Halle zur Bibliothek durchquerten, fragte sich Raven, wie lange es wohl
dauern würde, bis Eileen merkte, dass sie viel mehr Grund hatte, sich vor
ihm zu fürchten als vor dem Lord.
Szene 2
Fessle mich!
Wie hatte sie nur so leichtsinnig sein können! So wie sie sich vorhin völlig
arglos über Ravens Knie gelegt hatte, so hatte sie sich jetzt schon wieder
seiner Willkür ausgeliefert. Mindestens zwei, hatte Raven betont.
Was, wenn er nach dem dritten beschloss, dass sie auch noch einen vierten
und fünften Orgasmus aushalten musste. Konnte sie überhaupt so oft
hintereinander kommen? Wie viel Stimulation hielt ihre Vagina aus? Tat es
irgendwann nur noch weh, und musste sie durch den Schmerz hindurch, um
wieder neue Lust empfinden zu können
–
so wie unter der Peitsche?
Die Fesselung war so
einfach wie effektiv. Ihre Handgelenke waren mit Handschellen am Querbalken
des Bettkopfs befestigt. Ihre Beine hingen in Schlaufen, die an Ketten vom
Betthimmel herabgelassen werden konnten. Raven hatte die Ketten anschließend
wieder so weit hochgezogen, dass Eileens Po angehoben wurde. Nun waren ihre
Beine weit gespreizt, und ihre Scheide hing frei zugänglich etwa dreißig
Zentimeter über der Matratze, reizvoll umrahmt von ihren roten, heißen
Pobacken. Sie konnte das in dem Spiegel sehen, den Raven freigelegt hatte,
indem er den Stoff des Betthimmels beiseite gezogen hatte. Der Spiegel war
schräg angebracht und zeigte ihr ganz genau, was zwischen ihren Beinen
geschah.
Raven kniete vor ihr, den
großen silbernen Vibrator in der Hand, sein Gesichtsausdruck ruhig,
konzentriert und nichts über seine Gefühle verratend. Dieser wunderbare
Mistkerl, wie sie sich nach ihm verzehrte! Warum hatte sie ihn vorhin, als
ihre Hände noch frei waren, nicht einfach gepackt und geküsst, anstatt ihn
zu bitten, sie zu küssen, zu nehmen, sogar zu schlagen?
Aus Vernunft.
Reiner Selbsterhaltungstrieb. Die nächste Strafe wäre mir danach sicher
gewesen. Oder gibt es da etwas, das ich noch mehr fürchte als weitere Hiebe
auf meinen wunden Hintern? Zum Beispiel Zurückweisung. Wenn Raven mich
abweist ... das wäre eine zu große Demütigung für mich.
Raven schaltete den
Vibrator an. Das Surren klang bedrohlich. Kurz darauf bekam Eileen die Kraft
zu spüren, die dahinter steckte, als Raven den gebogenen Schaft zwischen
ihre feuchten Schamlippen drückte. Der letzte Orgasmus war durch die kurze
Unterbrechung nun lang genug her, um ihr wieder eine lustvolle Reaktion zu
ermöglichen. Raven ließ den Vibrator langsam auf und ab gleiten, drückte mal
fester, mal leichter zu, variierte den Reiz, bewegte den Schaft nach rechts
und nach links, bis Eileen das Gefühl hatte, nur noch aus zuckenden
Vaginalmuskeln zu bestehen. Auch als Raven den Vibrator über ihren Orgasmus
hinaus noch fest auf ihre Klitoris drückte, war sie zuversichtlich, dass sie
gleich erlöst sein würde.
Ich habe an diesem
Morgen auf drei Orgasmen verzichten müssen, weil es mir untersagt war. Nun
habe ich sie alle zurückbekommen. Bestimmt wird Raven mich jetzt losbinden
und in Ruhe lassen.
Doch er tat es nicht, im
Gegenteil: er reizte sie noch mehr, indem er den Vibrator in ihre Spalte
schob.
„Nein, genug“, bettelte
sie.
Seine Antwort war ein Griff
ans Ende des Vibrators, ein kurzes Umschalten, und nun vibrierte das
Foltergerät noch heftiger und schneller. |