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Leseprobe:
Die Safetür öffnete
sich lautlos. Melissa kniete so knapp davor, dass sie ein wenig zur
Seite rutschen musste, um ihn ganz öffnen zu können. Sie blickte
hinein. Im oberen Fach lag ein Kuvert. Sie wusste, dass Geld und
Wertpapiere drinnen waren. Sie nahm es heraus, legte es neben sich auf
den Boden und griff abermals hinein. Ein dicker Umschlag. Sie öffnete
ihn, blätterte durch. Da fand sich ja so einiges... Möglicherweise
nicht alles, was sie suchte, aber...
„Guten Abend, Melissa.“
Melissa schrie vor
Schreck auf, ließ den Umschlag fallen, ruderte mit den Armen herum und
plumpste ihrem Chef vor die Füße. Für Sekunden waren ihre Füße höher
als ihr Kopf, der Rock schob sich hoch und gab den Blick auf den
Ansatz ihrer Strümpfe und die weißen Strapse frei.
Es wäre gelogen zu
behaupten, Thomas hätte die Situation nicht genossen. Er hatte sie
schon geraume Zeit beobachtet. Fast fünf Minuten, in denen ihm bewusst
geworden war, welche Gelegenheit ihm da in die Hand gespielt wurde.
Die eisige Lady, der kaum ein Lächeln auskam. Die immer mit ihrem
großen Hintern vor ihm herumwackelte und so kühl tat. Er hatte sie auf
frischer Tag ertappt, wie man so schön sagte. Vor dem geöffneten Safe,
mit seinen letzten Wertpapieren in der Hand. Ziemlich mies, ihm die
noch stehlen zu wollen, wo er ohnehin so schlecht bei Kasse war.
Er beobachtete mit
einer Mischung aus Zufriedenheit und Neugier, wie sie versuchte,
wieder auf die Beine zu kommen und gleichzeitig, den Rock wieder
runterzuziehen. Sie war erstaunlich geschickt dabei und stand wenige
Momente danach schon wieder vor ihm - etwas zerzaust vielleicht, mit
verrutschter Bluse, aber sie arbeitete heftig daran, ihre Kleidung
wieder in die gewohnte Ordnung zu bringen.
Sein Grinsen wurde
boshaft. Er hatte sie bei einem Diebstahl erwischt und hatte sie jetzt
in der Hand. Er genoss das Gefühl, wie sie ihn beobachtete, unsicher,
mit denkbar schlechtem Gewissen.
„Hatten Sie zufällig
etwas im Safe verloren?“ Das klang gut. Sarkastisch, überlegen.
Sie zupfte nervös an
ihrem Rock. Er ließ seinen Blick über sie gleiten. Von oben bis unten,
musterte ungeniert die Wölbung der Brüste unter der grauen
Kostümjacke, ihre Taille, die geschwungenen Hüften, die langen Beine.
So lange, bis sie zu zappeln begann. Endlich hob er den Blick wieder
zu ihrem Gesicht. Sie wurde abwechselnd rot und blass. „Nun?“, fragte
er gedehnt, als sie immer noch nichts sagte.
„Ich ... kann Ihnen
alles erklären...“
„Woher Sie meinen
Safecode kennen?“ Er tat als würde er überlegen. „Hm, ich kann mich
nicht erinnern, dass ich Ihnen den je gegeben hätte.“
„Nun, ich...“
Er unterbrach sie.
„Tja, meine liebe Melissa, ich fürchte, da wird mir jetzt nicht
anderes übrig bleiben. Tut mir wirklich Leid.“.
„Was haben Sie vor?“
Ihre Stimme klang gepresst.
„Die Polizei anrufen.
Was dachten Sie denn?“ Er schlenderte lässig zum Telefon und nahm den
Hörer ab. Alles ganz langsam, um ihr Zeit zum Überlegen zu geben.
Schließlich wollte er ja nicht wirklich die Polizei verständigen,
sondern ihr nur Angst machen, Druck auf sie ausüben.
Ihre Hand legte sich
über den Hörer und drückte ihn hinunter. „Darüber kann man doch reden,
oder?“
„Reden?“ Er legte den
Hörer auf und lehnte sich mit verschränkten Armen an den Tisch. Wie
verwirrt sie aussah. Verlegen. Schuldbewusst. Nun, reden konnte man
schon. Aber auch handeln. Und er wusste schon wie. „Also? Fang an zu
reden.“ Seine neue Machtposition gefiel ihm. Er war jetzt mehr als ein
Chef, der von seiner Sekretärin kühl behandelt wurde. Er war ein
Bestohlener, der mit ihr umspringen konnte, wie er wollte.
Sie zögerte. „Es ist
nicht das, was Sie denken.“
Er lachte amüsiert und
gut gelaunt. Endlich hatte er sie! Endlich! Er hätte sie natürlich
gleich jetzt und hier nehmen können. Am Schreibtisch. Oder nach vorne
gebogen, mit dem Rock weit über die Hüften geschoben. Genauso, wie ihm
das seit Wochen vorgeschwebt war, jedes Mal, wenn sie sich gebückt und
ihm diesen hübschen Hintern vor die Nase gehalten hatte. Aber nein.
Nein, nicht hier. Er wollte sie anders haben. Richtig und gründlich.
„Ich habe dich dabei
gefunden, wie du meinen Safe aufgebrochen und die Wertpapiere
rausgenommen hast. Was glaubst du wohl, was ich jetzt denke?“ Was
dachte er eigentlich wirklich? Dass sie ihn hatte bestehlen wollen,
das war klar. Aber warum? Brauchte sie Geld? War sie eine notorische
Diebin?
„So war das nicht!“
„Und? Wie war es dann?
Jetzt bin ich gespannt. Los, red schon!“ Er durfte nicht grinsen,
sondern musste einen harschen Ton anschlagen, sonst nahm sie ihn nicht
ernst.
Sie knetete ihre Finger
und stieg unruhig von einem Bein aufs andere. Verflixt hübsche Beine.
Er konnte es kaum erwarten, sie von ganz oben bis ganz unten zu sehen.
Ob sie sich zwischen den Beinen rasierte? Bei einer Frau, die jeden
Tag Strapse trug, war das nicht auszuschließen.
„Ich...“
Er winkte kalt lächelnd
ab. „Ich habe keine Lust, mir deine Ausreden anzuhören. Du hast ja
noch nicht mal eine.“ Er stieß sich vom Schreibtisch ab. Er musste
jetzt energisch vorgehen, rücksichtslos, sonst hatte sie schnell
wieder Oberhand. „Im Grunde habe ich kein Interesse daran, dich der
Polizei auszuliefern und diese Typen hier zu haben, wo sie nur
herumschnüffeln. Aber umgekehrt kann ich auch nicht zulassen, dass du
ungestraft davon kommst...“ Er tat, als würde er nachdenken und rieb
sich mit der Hand übers Kinn. „Es gäbe da natürlich eine Möglichkeit,
dich laufen zu lassen...“
Sie hob auf diese
arrogante Art die Augenbrauen. „Sie würden mich laufen lassen? Wie
großzügig! Und seit wann ist es Firmenpolitik, dass wir uns duzen?“
„Dein freches Mundwerk
wird dir schon vergehen, wenn du erst von der Polizei abgeführt
wirst“, sagte er barsch. „Es wird Zeit, dass Dir jemand Manieren
beibringt. Ich habe mir sagen lassen, dass es Leute im Gefängnis gibt,
die auf so was wie dich spezialisiert sind.“
Sie wirkte plötzlich
eingeschüchtert. „Aber Sie sagten doch gerade...“
„Ich sagte, dass ich
dich nicht ungestraft davon kommen lassen werde.“ Sein Lächeln war
jetzt hart, unbarmherzig und - wie er hoffte - grausam. Er stieß sich
vom Schreibtisch ab und ging langsam um sie herum, sie dabei nicht aus
den Augen lassend. Er bemerkte mit Genugtuung, dass sie die Schulten
zusammenzog als würde sie frieren. Er blieb hinter ihr stehen.
„Allerdings wäre ich unter Umständen bereit, deine Erziehung und
Bestrafung selbst in die Hand zu nehmen.“
Sie fuhr herum und
starrte ihn mit offenem Mund an. „Sie sind verrückt!“
Er zuckte lässig mit
den Schultern. „Wie du meinst. Es ist deine Entscheidung. Du kannst es
dir aussuchen: Entweder Anzeige oder drei Tage als meine.... nun ja,
nennen wir es Sklavin.“ In diesen drei Tagen würde es ihm wohl
nicht schwer fallen herauszufinden, weshalb sie ihn bestehlen wollte.
Ihr verschlug es
sichtbar die Sprache.
„Du hast Zeit, es dir
bis morgen Abend zu überlegen. Vierundzwanzig Stunden. Dann rufe ich
die Polizei.“
„Das kann doch wohl
nicht Ihr Ernst sein!“ Jetzt klang sie entsetzt. „Das ist ja
lächerlich!“
„So?“ Er hob mokant die
Augenbrauen. Wenn er nicht so versessen auf sie gewesen wäre, hätte
sie ihm jetzt vermutlich sogar Leid getan. „Da habe ich schon besser
gelacht.“ Er ging zum Safe, warf die Umschläge hinein und schloss die
Tür. „Aber wie du willst.“ Er tat, als würde er wieder nach dem
Telefon greifen.
„Warten Sie!“ Sie wurde
richtig nervös. „Ich werde es mir überlegen.“
„Zu spät. Es war ein
Entgegenkommen von mir, weil ich dir das Gefängnis ersparen wollte.
Aber wenn du meine Freundlichkeit nicht zu schätzen weißt, meine
schöne Safeknackerin...“ Seine Hand umfasste den Hörer.
„Ich habe ihn nicht
geknackt!“
„Du hast ihn unbefugt
geöffnet. Du hattest den Code nicht, sondern hast ihn erst stehlen
müssen. Also hast du ihn geknackt, auch ohne Brecheisen oder Dynamit.“
Er schaffte es tatsächlich, seiner Stimme einen eiskalten Tonfall zu
geben und seinem Gesichtsausdruck unbeugsame Härte. „Und du wirst
nicht ohne Strafe davon kommen.“ Er hob den Hörer, sein Finger
schwebte über der Tastatur.
„Ich tue es!“
Er lächelte spöttisch,
obwohl er innerlich vor Freude zersprang. Er hatte sie soweit! Sie tat
es! Und es war so einfach gewesen. Das Mädchen musste tatsächlich
ziemliche Angst vor der Polizei haben. Armes Ding. Wer weiß, was sie
schon alles ausgefressen hatte. Er stieß sich vom Schreibtisch ab,
streckte sich und zog sich die elegante Anzugjacke zurecht.
„Ich warte in genau
vierundzwanzig Stunden hier vor der Firma im Wagen auf dich. Sei
pünktlich. Wenn du um diese Zeit nicht hier bist, ist unser Deal
geplatzt.“
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