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Leseprobe
„Das ist nicht dein Ernst!“
Entsetzt starrte Viola ins Innere des Wohnmobils, dessen Tür Leon höflich
für sie aufhielt.
„Ich habe während der
kommenden Wochen in verschiedenen Städten zu tun. Da wir zu zweit reisen,
hielt ich es für angenehmer, wenn wir sozusagen unser Zuhause mitnehmen.“ Er
lächelte sie heiter und harmlos an.
„Es ist zu eng!“
„Es handelt sich um ein
besonders geräumiges Modell mit einer komfortablen Sonderausstattung“,
erklärte ihr so genannter Ehemann im Ton eines Caravanverkäufers.
„Ich lasse mich keinesfalls
mit dir in diesem Ding einsperren, und schon gar nicht über Nacht!“ Entsetzt
betrachtete Viola die Liegefläche unter dem Dach des hohen Wagens. Notfalls
hätten dort wahrscheinlich vier Personen schlafen können, aber für Leon und
sie war dieses Bett dennoch viel zu klein.
„Sei nicht albern.
Schließlich sind wir verheiratet. Außerdem hast du mein Wort, dass ich dich
nicht anrühre.“
Ohne sich noch weiter um sie
zu kümmern, wandte er sich ab, ging um das Wohnmobil herum und stieg hinter
das Steuer.
„Kommst du, Liebste?“ rief er
ihr von dort aus zu.
Gerade öffnete Viola den
Mund, um ihm mitzuteilen, dass sie nicht daran dachte, mit ihm in diesem
Ding herumzufahren, als er mit einer leichten Kopfbewegung in Richtung eines
auffällig unauffällig in der Nähe herumstehenden Mannes deutete. Ihre
langjährige Erfahrung mit der Presse ließ Viola sofort erkennen, dass es
sich um einen Reporter handelte, der entweder jeden Moment seine Kamera
hervorziehen würde oder aber unbemerkt bereits genügend Fotos geschossen
hatte.
Eilig lief sie ebenfalls um
den Wagen herum und hüpfte neben Leon auf den Beifahrersitz. „Fahr los!“
Das Letzte, was sie jetzt
noch gebrauchen konnte, war ein Interview über ihr junges Eheglück.
„Wir sollten die Gelegenheit
nutzen, ein bisschen gute Presse zu machen.“
Bevor sie fragen konnte, was
er damit meinte, spürte Viola Leons Mund auf ihrem. Als ginge es nicht nur
darum, für ein Foto einen netten kleinen Kuss zu liefern, war da sehr
viel mehr. Sehr viel Überflüssiges in der Art, wie er sanft mit der
Innenseite seiner Lippen ihren Mund streichelte, wie seine Zungenspitze
zwischen ihre Zähne glitt, ihre Mundhöhle erforschte und sich für einen
atemlosen Moment über ihre Zunge legte, um sie sanft zu liebkosen. Hinter
Violas Augenlidern, die sich automatisch geschlossen hatten, blitzten
Lichter auf, ähnlichen denen, die sie am Vorabend beim ‚Tanzen’ gesehen
hatte.
Als er sie ebenso plötzlich
freigab, wie er sie an sich gezogen hatte, schnappte sie nach Luft, sagte
aber nichts.
„Hast du die Blitzlichter
bemerkt?“, erkundigte er sich zufrieden. „Er hat angebissen.“
Sie nickte, obwohl sie außer
dem Aufruhr in ihrem Körper nichts mitbekommen hatte. Ihre Reaktion auf
diesen Mann ärgerte sie. Mit zusammengepressten Lippen und gerunzelter Stirn
starrte Viola nach vorne auf die Straße, während Leon das Wohnmobil in
Richtung Autobahn steuerte.
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