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Leseprobe (Küss mich, Lügner!):
Jetzt stand ihr also David Carpenters
Süßholzraspeln bevor. Der einzige angenehme Unterschied zu Oliver war,
dass er nicht verheiratet war. Aber im Übrigen empfand Jenny ihn
genauso penetrant.
Das Gesteck diente vordergründig als
Dankeschön für Homers Pflege, in Wahrheit sollte es David jedoch daran
hindern, einen anderen Dank zu verlangen.
Die Vorfreude auf gewisse Genüsse hatte
Jennifer ihm sogar am Telefon angehört, als sie ihren Besuch
ankündigte. Und als sie ihm jetzt in seinem eleganten Wohnzimmer
gegenüberstand, das wie ein Knallbonbon geschmückte Geschenk in den
Händen, spiegelte sich diese Vorfreude auch in seinen Augen.
Homer lag dick, faul und schlafend auf der
Couch. Er hob nur einmal kurz den mächtigen Kopf, als Jenny eintrat
und maunzte träge. Dann rollte er sich wieder zusammen und schlief
zufrieden weiter.
"Er fühlt sich sehr wohl hier", erklärte
David überflüssigerweise.
Jenny schnaubte verächtlich.
"Er fühlt sich überall wohl, wo es genug
zu fressen gibt", erklärte sie beleidigt und drückte David dabei das
Gesteck in die Hände. "Hier, mit einem dicken Dankeschön für seine
Pflege."
David starrte einen Moment irritiert auf
das bunte Bonbongesteck, dann runzelte er nachdenklich die Stirn und
sah sich verlegen nach einer Abstellmöglichkeit um.
"Dort auf das Lesetischchen passt es
hervorragend", kam Jenny ihm zu Hilfe, was David dankbar annahm. "So,
Homer, und du kommst jetzt mit."
Selbstbewusst trat Jenny an die Couch, um
ihren geliebten Homer aus seinem beschaulichen Mittagsschläfchen zu
reißen.
Homer war jedoch anderer Meinung. Als
Jenny ihn auf den Arm nehmen wollte, fuhr er sämtliche Krallen aus und
klammerte sich bockig an dem herrlich weichen, sündhaft teuren
Wildleder fest. Es gab ein kleines, unangenehmes Geräusch, als sich
Willen gegen Willen stellte, dann lag Homer wieder auf dem Sofa, wo er
sich sofort zusammenrollte.
"Oh, Gott!", entfuhr es Jennifer entsetzt,
verstohlen die Spuren musternd, die Homers Krallen im Leder
hinterlassen hatten. "Musst du mir das antun, du kleiner Mistkerl?"
"Er mag mich eben", bemerkte David, der
hinter sie getreten war.
Jenny fuhr herum.
"Unsinn! Homer mag dein Sofa und deine
Kost. Womit hast du ihn bestochen? Er wiegt mindestens drei Kilo
mehr!"
"Findest du?" David betrachtete Homer
scheinbar interessiert, dann wandte er sich wieder an Jenny. "Also,
ich meine, er sieht aus wie vor einer Woche, nur etwas zufriedener."
Er lächelte selbstgefällig. "Aber das liegt an mir, da hast du schon
Recht. Anders als du nehme ich mir Zeit für ihn."
"Hast du etwa zur Zeit keine Freundin?",
konterte Jenny bissig.
"Eifersüchtig?"
"Nicht die Spur!"
Dieser Mann war das Letzte! Am liebsten
wäre Jenny ihm aus dem Stand mitten hinein in sein lächelndes Gesicht
gesprungen, aber sie beherrschte sich.
"Nein, ich bin wirklich nicht
eifersüchtig", erklärte sie würdevoll. "Ich bin, ehrlich gesagt, nur
echt neugierig darauf, wann du wieder Baccaras bestellst und Homer und
mich in Ruhe lässt."
"Wenn ich habe, was ich mir wünsche",
murmelte David leise.
Plötzlich war sein Gesicht dem ihren sehr,
sehr nahe, stellte Jenny entsetzt fest, aber da war es schon zu spät.
Seine Lippen drückten Zärtlichkeit aus.
Wie von selbst teilten sich die ihren und ließen seine forschende,
verspielte Zunge ein, die sofort von ihrem Mund Besitz ergriff.
Jenny hatte nicht vergessen, wie es war,
von einem Mann geküsst zu werden. Aber – alle Wetter – die Gefühle,
die David in ihr wachrief, waren von der ganz besonders heftigen Art.
Sein Kuss fegte wie ein Gewittersturm alle Gedanken an Gegenwehr,
Stolz und Vorsicht aus Jennys Gehirn. Sie ließ sich einfach in die
lustvollen Empfindungen fallen, erlaubte es Davids neugierigen
Fingern, ihre Brüste zu streicheln, sich unter den grobgestrickten
Pullover zu stehlen und die harten Rosenknospen zu liebkosen, bis sich
Jennys Kehle unbewusst ein wohliges Stöhnen entrang.
Das nahm David als Signal für weitere
Zärtlichkeiten. Ohne seine Lippen von Jennys zu lösen, schob er den
etwas widerspenstigen Pullover mit einem Ruck hoch und umfasste ihre
Brüste mit beiden Händen.
Sie war gut gewachsen, schlank, mit
samtener Haut und prallen Brüsten, die das Tragen eines BHs eigentlich
unnötig machten. Eine Tatsache, die David erstaunte und zugleich
erfreute. Die kleinen, heißen Spitzen blühten seinen Fingern entgegen,
verhärteten sich unter seinen streichelnden Berührungen, während Jenny
sich unbewusst voller Verlangen an seinen Körper drängte.
Ihre Umarmung wurde immer sehnsüchtiger,
glutvoller, in ihrem wachsenden beiderseitigen Verlangen. Als David
ihre Lippen freigab, seinen Kopf zu ihren Brüsten hinabsenkte, gruben
sich Jennys Hände in sein dichtes Haar und führten ihn so zu den
Stellen, wo sie sich seinen Mund jetzt am meisten wünschte.
Zufrieden legte sie den Kopf in den Nacken
und genoss das herrlich prickelnde Gefühl, das in ihr aufflammte, als
Davids Zunge begann, ihre steil aufgerichteten Brustspitzen zu
umkreisen.
Aber nach einiger Zeit reichte Jenny auch
das nicht mehr. Langsam begannen ihre Hände über seinen Rücken bis zu
den schmalen Hüften hinab eine aufregenden Entdeckungsreise, die das
Feuer in Davids Körper schürte. Nun drängte er sich ihr entgegen, ihr
und ihren Händen, die sich aufreizend langsam zum Zentrum seiner
Empfindungen vortasteten.
Die Zeit versank und ihre Umgebung wurde
total unwichtig unter den heißen Liebkosungen.
Sie sprachen nicht miteinander, weil jedes
geflüsterte, gestammelte Wort zuviel gewesen wäre, völlig unnötig
zwischen zwei Menschen, die sich durch ihre Berührungen sagten, was
sie füreinander empfanden.
Jenny wurde immer verwegener. Ihre Hände
fuhren in Daves Hosenbund, schoben das Hemd beiseite und streichelten
genüsslich die warme feste Haut, die sich unter ihren Berührungen
spannte.
Weiter forschte sie, ertastete Härchen,
Muskel und Sehnen, einen Herzschlag, der sich unter ihren
Zärtlichkeiten beschleunigte und fühlte heißen Atem, der über ihren
Hals strich, als sie die Hand weit in den Hosenbund schob und das
Zentrum seiner Lust zu streicheln begann.
"Davy?" Die melodische Frauenstimme fuhr
wie ein Messer zwischen das Paar. Jenny riss die Hand zurück und
zerrte mit der anderen ihren Pullover herunter, so rasch, dass beides
wie eine einzige Bewegung aussah.
"Davy, Junge, bist du da?" Ich trage das
Huhn nur in die Küche. Gieße deiner guten alten Cathy doch bitte schon
mal einen Brandy ein. Ich brauche dringend eine Stärkung."
"Ja, Mom!" David fuhr sich mit beiden
Händen durch das dichte Haar. Dann zwinkerte er Jenny zu, stopfte
dabei sein Hemd in die Hose und lächelte sie verschwörerisch an. "Wir
haben einen Gast, Mom. Miss Devane, sie will Homer abholen."
"Oh, sag nur!" Sie verbarg ihre Freude
über Homers bevorstehenden Abschied keineswegs. "Dann können wir
endlich etwas unternehmen ohne diesen faulen Vielfraß im Schlepptau."
Davids Lächeln wurde zu einem hämischen
Grinsen.
"Aber Mom", tadelte er mit gespielter
Empörung, aber Mrs. Carpenter war aus härterem Holz geschnitzt.
"Tu bloß nicht so scheinheilig", hörte
Jenny sie in der Küche spotten. "Du hast dich erst gestern
fürchterlich aufgeregt, weil der Kater plötzlich zusammen mit dir in
der Badewanne saß."
"Och, na ja", jetzt war David verlegen.
Mrs. Catherine Carpenter, die gerade das
Zimmer betrat, streifte ihn mit einem spöttischen Blick, ehe sie ihre
Aufmerksamkeit auf Jennifer richtete, die sie verblüfft anblickte.
Catherine Carpenter war eine äußerst
attraktive Frau, der man ihr wahres Alter nicht ansah. Schlank,
mittelgroß, mit langen schwarzen Haaren, die ihr bis über die Taille
fielen, stand sie vor Jenny und sah sie aus graugrünen Augen
freundlich an.
Die Ähnlichkeit von Mutter und Sohn
war nicht zu übersehen. Beide hatten die gleichen strahlenden Augen,
das volle Haar, doch strahlte Mrs. Carpenter menschliche Wärme und
eine gehörige Portion selbstbewusster Eleganz aus, während ihr Sohn
maskulin und beherrscht wirkte.
Er wollte immer und überall siegen. Bis er
sein Ziel erreicht hatte, gab er auf keinen Fall auf. Ein Ehrgeiz, der
ihm nicht nur seine bekannte Kanzlei eingebracht hatte, sondern auch
die aufregendsten Liebschaften.
Beim zweiten Hinsehen entdeckte Jenny
allerdings die gleich Entschlusskraft in Catherine Carpenters Augen.
Sie saß hinter dem freundlichen Lächeln, mit dem sie Jenny
betrachtete.
"Ihnen gehört also dieser
Sensationskater?" Catherines Lächeln wurde breiter. "Eigentlich
sollten Sie ihn bei David lassen. Homer hindert ihn durch seine
diversen Eigenheiten daran, selber Unfug anzustellen. Nicht wahr, mein
Sohn?"
Damit war David gemeint, der verlegen auf
den schlafenden Kater starrte.
"Du hast schon wieder Lippenstift am
Hemd", stellte Cathy beiläufig fest und wandte sich wieder an Jenny,
die sie teils verlegen, teils belustigt ansah. "Trinken wir einen
Brandy zusammen?"
Jenny musste ablehnen.
"Tut mir Leid, aber ich muss noch
arbeiten."
"Ach, ja." Catherine nickte. "Sie sind das
fleißige Mädchen aus der Blumenhandlung. David hat mir von Ihnen
erzählt. Nun dann..."
Sie wirbelte herum und strebte zur Tür,
wobei Jenny die hochhackigen Stiefel auffielen, auf denen sie
einhertrippelte. Mit solchen Absätzen laufen zu können, war schon eine
Kunst. Jenny schätzte sie auf zwölf Zentimeter, aber Cathy bewegte
sich auf ihnen voller Grazie und Anmut.
"Ich mache uns Kaffee", verkündete sie von
der Tür her. "Den müssen Sie nehmen. So viel Zeit sollten Sie sich
gönnen. David unterhalte unseren Gast inzwischen."
Und schon war sie aus dem Zimmer
gestöckelt. Gleich darauf konnten David und Jenny sie in der Küche
hantieren hören, wobei sie 'Dont worry, be happy" trällerte.
"Deine Mutter ist echt nett", stellte
Jenny fest.
"David nickte stumm. Die Daumen in die
Gürtelschlaufen seiner Jeans gehakt, kam er langsam zu Jenny hinüber,
die vor ihm bis zur Couch auswich.
Die Lederpolster geboten ihrem Rückzug
jedoch Einhalt, zudem bohrten sich plötzlich Homers scharfe Krallen
durch den Stoff ihrer Hose. Jenny stieß einen entsetzten Schrei aus,
plumpste wie ein Sack in die Polster und damit auf Homer, der nun
richtig verärgert reagierte.
Laut fauchend und mit gesträubtem Fell
raste er vom Sofa und sprang aus dem Stand an Davids Brust, wo er sich
struppig wie eine Klobürste mit angelegten Ohren und ausgefahrenen
Krallen ins Hemd krallte.
Der ohrenbetäubende Schrei aus Davids
Kehle scheuchte den Kater danach quer durchs Wohnzimmer, wo er auf
seinem Weg eine Vase, mehrere Blumentöpfe und eine Kristallschale zu
Scherben verarbeitete und sich dann fauchend und knurrend hinter dem
Bücherregal verkroch.
"So... so neurotisch war er früher aber
nie", stotterte Jenny, blass bis in die Lippen.
"Ihre Blicke wanderten mit wachsendem
Entsetzen von Davids zerstörtem Seidenhemd über die Reste seines
Keramik- und Glasinventars bis hin zu dem zitternden Kater, der mit
weitaufgerissenen Augen hinter den Buchbänden von Reats und Milton
hervorlugte.
"Ich... ich glaube, wir gehen jetzt
besser", murmelte Jenny unglücklich. "Wir haben genug Schaden
angerichtet."
"Verdammt, da gebe ich dir ausnahmsweise
Recht", stimmte David ihr zu. Sie konnte sehen, wie sein Zorn wuchs,
während er die Spuren von Homers Ausraster registrierte.
"Ich ersetze dir das Hemd", sagte Jenny
schnell, bevor David seiner Wut Ausdruck verleihen konnte. "Und auch
die Vasen und Schalen. Setze alles auf eine Rechnung und schicke sie
an mich. Du bekommst umgehend einen Scheck."
"Ach, vergiss es!" David war noch
wütender, als Jenny befürchtet hatte. Er warf ihr einen glitzernden
Blick zu und stapfte an ihr vorbei aus dem Zimmer, ohne noch ein Wort
zu ihrem Vorschlag zu äußern.
Kaum war er verschwunden, kam Homer auch
schon aus seinem Versteck und ließ sich angstschlotternd in Jennys
Arme nehmen.
"Lass uns ganz schnell von hier
verschwinden", flüsterte sie ihrem Liebling ins Ohr.
Vorsichtig, um ja nicht Mrs. Carpenters
Interesse auf sich zu lenken, schlichen die beiden an die
Terrassentür, öffneten sie und verschwanden im Garten.
Den Kater an sich gepresst, hastete Jenny
zu ihrem Wagen, schloss ihn auf und setzte Homer auf den
Beifahrersitz. Erleichtert rutschte sie gleich darauf hinters Steuer.
Als sie den Motor anließ, fiel ihr ein,
dass sie vergessen hatte, David das Weihnachtsgeschenk zurückzugeben. |