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Leseprobe 1:
Einen langen Moment
verharrte Gérard schweigend und musterte Michelle. Er verfolgte jede noch so
winzige Bewegung von ihr mit gierigen Blicken – wie sie kurz mit den Augen
zwinkerte oder sich eine widerspenstige Haarsträhne hinter das Ohr strich.
Dann schlich sich plötzlich
eine Idee in seine Beobachtungen.
„Ich denke, es wird Zeit.“
„Wofür?“ Längst hatte Henry
mit dem Thema „Michelle“ abgeschlossen. Er verstand nicht, was Gérard mit
seiner Bemerkung meinte.
„Dass sie sich mit uns
Unwichtigen abgibt.“
Etwas Herauforderndes lag in
seiner Stimme. Als würde er zu einem Wettbewerb aufrufen. Und genau das war
es auch, was ihm in den Sinn kam.
„Einer von uns sollte sich
um ihre Gunst bemühen.“
Henry bedachte seinen Freund
mit einem zweifelnden Blick.
„Ihre Gunst? Das hört sich
an, als wärest du auf der Suche nach einem neuen Schoßhündchen – was hast du
wirklich vor?“
„Eine Wette vielleicht?“
„Und der Gewinn? Michelle?“
Spott mischte sich in Henrys Stimme.
Gérard hingegen blieb ernst.
„Nein. Freie Wahl an Mädchen wäre wohl ein besserer Anreiz.“
Lässig lehnte er sich mit
einem Arm auf die Theke und sah den anderen Vampir wissend an. „Ist es nicht
so, dass du schon lange ein Auge auf Marie geworfen hast? Die kleine blonde
Spielgefährtin von unserem Raoul? Würde es dir nicht gefallen, wenn sie zur
Abwechslung auch mal deine Bedürfnisse befriedigt?“
Es war ein simples, aber
dennoch wirksames Argument. Henry begehrte Marie seit ihrer ersten
Begegnung. Ihre Schönheit und Anmut brachten ihn an die Abgründe seines
Verstandes. Und jede Nacht spürte er die Eifersucht wie ein grausames
Monstrum, das in seinem Inneren wütete. Denn Marie schenkte ihre Dienste
einem anderen Vampir. Raoul. Und nur Raoul.
Trotz aller animalischer
Instinkte gab es einen Ehrenkodex unter den Vampiren. Niemand würde einem
anderen „sein Mädchen“ wegnehmen.
Der Gedanke – dass es mit
einer obskuren Wette zu ändern wäre – gefiel Henry.
„Raoul sollte es tun!“ Er
fixierte den anderen Vampir mit einem stechenden Blick.
„Ich sollte was tun?“ Raoul
hob eine Augenbraue, war jedoch nur halb bei der Sache. Seine Aufmerksamkeit
galt vielmehr der spärlich bekleideten Marie, die sich ihm mit einem äußerst
erotischen Tanz darbot.
„Michelle“, sagte Henry und
deutete mit einem Kopfnicken in Richtung der Rothaarigen. Sie saß noch immer
in der dunklen Nische und glaubte sich unbeobachtet.
„Michelle“, wiederholte
Raoul gelangweilt. Er kannte sie vom Sehen, aber er interessierte sich nicht
für sie. Zierliche Blondinen wie Marie weckten seine Aufmerksamkeit.
Erregten ihn. Michelle hingegen gehörte nicht zu den Frauen, die ihn
reizten.
„Was ist mit ihr?“
„Denkst du, du könntest sie
verführen? Sie dazu bringen, dass sie sich dir freiwillig hingibt?“
„Kinderspiel!“
„Tatsächlich? Beweise es!“
Henry lehnte sich vor. Er starrte Raoul herausfordernd an. Seine Mundwinkel
zuckten nervös. Das Verlangen nach Marie regte sich in ihm und die Hoffnung,
sie bald berühren zu können. Zu spüren. Raoul musste sich nur auf diese
Wette einlassen.
„Warum?“
„Also kannst du es nicht!“
„Natürlich!“ Raoul zog
ärgerlich die Augenbrauen zusammen. Was bildete sich dieser Henry eigentlich
ein? Keine Frau würde seinem Charme widerstehen können!
„Wunderbar“, mischte sich
nun Gérard ein. „Dann gehst du auf die Wette ein!“
Es war eine Feststellung, und Raoul machte keine Anstalten,
sich dagegen zu wehren. Selbst, als Henry den Punkt mit der „freien Wahl an
Mädchen“ erwähnte, blieb der Vampir gelassen. Er zögerte nicht, sich seiner
Aufgabe zu stellen. Michelle verführen – nichts leichter als das!
Leseprobe 2:
Michelles Herz klopfte zum
Zerspringen. Rafael bemerkte die Spannung zwischen ihr und dem Fremden. Und
als die Bar sich allmählich leerte, konnte er es kaum abwarten, sie nach
Hause zu schicken. Sie dem Gutdünken des Vampirs zu überlassen.
Raoul legte eine Hand um
ihre Taille und schob sie hinaus. Michelle warf einen letzten hilflosen
Blick in die Bar zurück. Doch Rafael bemerkte es gar nicht. Er glaubte, sie
müsse an der Seite eines solchen Mannes sehr glücklich sein.
Warum war sie nur mit einem
Mal so unfähig, sich gegen ihn zu wehren? Tatsächlich fühlte sie sich sogar
zu ihm hingezogen. Seit er sie auf diese Weise angesehen hatte, und sein
Blick ihr ein Versprechen von Wärme und Geborgenheit vermittelte. Sie
erkannte sich selbst nicht wieder. Ohne Umschweife und große Worte ließ sie
sich von Raoul zu ihrer Wohnung begleiten. Er löste sich auch dort nicht von
ihr, sondern folgte ihr hinein, bis sie sich im dunklen Eingangsflur
schweigend gegenüberstanden.
Das Knistern zwischen ihnen
war beinahe hörbar. Michelle konnte es nicht länger aushalten. Sie begriff
nicht, was da eigentlich in ihr vorging.
„Was ist das für ein
geheimnisvoller Zauber?“
„Das fragst du mich?“ Er
streichelte lächelnd über ihre hohen Wangenknochen. Sie besaß so ein
ausdrucksstarkes Gesicht. „Du bist es doch, die mich verzaubert hat.“
Michelle wollte es nicht
zulassen. Dennoch geschah es. Raouls Lippen näherten sich den ihren. Er
erstickte ihren aufkeimenden Protest in einem innigen Kuss. Seine
Leidenschaft füllte sie vollkommen aus.
Michelle fühlte sich nicht
länger bedroht. Vielmehr keimte da eine verräterische Glut in ihr auf, die
langsam aber sicher an die Oberfläche trat. Sie drohte in ein regelrechtes
Inferno auszubrechen. Eine flammende Begierde, die alles verzehrte. Ihr
Körper sehnte sich nach seiner Berührung und würde auf der Stelle sein Leben
aushauchen, wenn sie Raouls Hände nicht endlich auf ihrer nackten Haut
spüren konnte.
„Raoul ...“
Michelle warf den Kopf in
den Nacken. Sie schüttelte ihre Haare zurück, sodass ihr Hals frei und
verlockend vor ihm lag.
„Ich habe heute keinen
Hunger“, hauchte er mit einer unglaublich weichen Stimme ganz dicht an ihrem
Dekolleté.
Augenblicklich fuhren ihre
Finger über seine Schultern, den Nacken hinauf und verfingen sich in dem
dichten schwarzen Haar.
„Aber ich.“
Sie konnte selbst kaum
glauben, was sie da sagte. Ein wildes Verlangen überwältigte sie
schlichtweg. Dieser Mann sollte sie berühren! Sofort – ohne zu zögern! Er
sollte sie an sich pressen, ihren Körper mit heißen Küssen bedecken und
seine Fingerspitzen erkundungsfreudig unter ihre Kleidung gleiten lassen.
Sie wollte das köstliche Kribbeln in sich spüren. Das lustvolle Pulsieren
und den aufbrausenden Strom der vollkommenen Ekstase.
Raoul huschte ein Lächeln
über die finsteren Züge, als er sich seiner Überlegenheit bewusst wurde.
Schließlich hatte er es geschafft, sie so weit zu bringen, dass sie ihn bis
zur Unerträglichkeit begehrte. Warum sollte er sich nicht dem Vergnügen
hingeben? Sich selbst auch ein wenig Spaß gönnen?
„Worauf wartest du noch?“
Voller Ungeduld klammerte Michelle sich an ihn. Ihr rechtes Bein schob sich
über seinen Po. Herausfordernd. Drängend.
„Ist es nicht das, was du
die ganze Zeit wolltest?“
Raoul betrachtete ihr
Gesicht. Er konnte sich gar nicht daran sattsehen. Diese Frau übte eine
merkwürdige Faszination auf ihn aus. Ja, schoss es ihm durch den Kopf, er
würde in dieser Nacht ganz sicher seinen Spaß haben.
Langsam näherten sich seine
Lippen Michelles Hals. Mit der Zungenspitze schickte er einen wohligen
Schauder über ihre Haut, während seine Hände den Weg unter ihre Bluse
suchten. Von wilder Leidenschaft gepackt, zerrte er im nächsten Augenblick
an dem Stoff. Zwei Knöpfe sprangen ab und landeten klirrend am Boden.
Michelle seufzte auf. Immer
und immer wieder wisperte sie seinen Namen, bis seine Finger schließlich
hinabglitten und mit einem unerwartet heftigen Stoß in sie eindrangen.
Aufkeuchend presste Michelle sich mit dem Rücken gegen die Wand. In ihren
Ohren begann es zu rauschen. Die Umgebung verschwamm vor ihren Augen.
Raoul hinterließ winzige
Bissspuren auf ihren prallen Brüsten. Seine Finger kreisten dabei
unaufhörlich über ihre Klitoris, tauchten ein in die erwartungsfrohe Nässe
und zogen sich sogleich wieder zurück.
„Vielleicht habe ich doch etwas Hunger“, sinnierte er.
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