Erotische Romane von Frauen für Frauen...

 

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Rebellion des Blutes

Kerstin Dirks & Sandra Henke

 

Preis eBook: € 5,00

Format: Adobe Reader PDF

Erotikfaktor: 

Genre(s): Vampire, Thriller

Themen: Dominanz/Unterwerfung, Fesselspiele, Vanilla

 

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Inhaltsangabe:

 

England im Jahr 2123: Der Audax-Zirkel hat den Blutkrieg gewonnen, und Santagos ist Premierminister eines Großbritanniens, in dem eine neue Ordnung herrscht. In Arbeiterkolonien leben je ein Vampir und ein geklonter Mensch zusammen, um ein Maximum an Arbeit zu erzielen - Sex ist jedoch tabu! In so einer Gemeinschaft lebt auch Penny Whistle, eine junge Klonfrau. Zu ihrem Entsetzen - und heimlichen Entzücken - hält sich ihr Besitzer, der mysteriöse Vampir John Doe, in keinster Weise an die von Santagos aufgestellten Regeln, sondern betrachtet Penny auch in sexueller Hinsicht als sein persönliches Eigentum …

Eines Nachts wird Penny, die einer rebellischen Untergrundbewegung angehört, bei einer Mission schwer verletzt. John gibt ihr sein Blut zu trinken, um ihr Leben zu retten. Dadurch erwacht in ihr die Erinnerung an die im 21. Jahrhundert lebende Charlene Lawrence, die sich in den Vampir Jeremy Wellingham verliebte ...

 

Der dritte und abschließende Teil der hocherotischen Condannato-Trilogie!

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Über die Autorinnen:

 

Kerstin Dirks wurde 1977 in Berlin geboren. Nach dem Abitur absolvierte sie eine Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation. Seit Anfang 2004 schreibt sie Heftromane (Adel, Mystik, Fantasy) für die Verlage Bastei, Kelter und Mohlberg. Die Autorin ist außerdem Mitglied bei DeLiA, der Vereinigung deutschsprachiger LiebesromanautorInnen.

Besuchen Sie auch die Website von Kerstin Dirks: www.kerstin-dirks.de

 

Die Neusser Autorin Sandra Henke (Jahrgang 1973) veröffentlichte bereits eigene Bücher für Kinder & Erwachsene in den Verlagen Coppenrath, Ueberreuter, Bastei und vielen mehr. 2003 errang sie den 2.Platz beim  Literaturwettbewerb der Stadt Sangerhausen; 2004 belegte sie den 1.Platz beim Liebesgeschichtenwettbwerb von DeLia und der Zeitung "ExtraTipp Meerbusch". Sie ist Mitglied im "Verband deutscher Schriftsteller in ver.di NRW".
Ihre Romane sind explizit erotisch, jedoch legt sie auch Wert auf eine spannende Handlung und ein Prickeln zwischen den Zeilen. Sie arbeitet neben dem Schreiben als Empfangssekretärin in Teilzeit in einem internationalen Softwareunternehmen und ist verheiratet.
Besuchen Sie auch die Website von Sandra Henke: www.sandrahenke.de

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Leseprobe:

 

Szene 1

 

„Das ist CH-4-2119, Ihr neuer Klon“, sagte Hugh sachlich. „Das ist John Doe, Ihr neuer Sharer.“

Als Hugh Penny an John vorbeischob, spürte sie einen eiskalten Hauch. Sie schaute sich in der Wohnung um, aber die Fenster waren verschlossen. Ihr Rücken kribbelte. Sie war sich sicher, dass John sie anstierte. Zitternd schlang sie die Arme um die Hüften. Ihre Brustwarzen wurden durch die Kälte hart und zogen sich zusammen. Sie stachen gegen das Futter des Overalls. Empfindlich rieben sie gegen den Stoff.

John schien es zu bemerken. Lächelnd lehnte er an der Wand, verschränkte die Arme vor dem Körper und schaute sie herausfordernd an.

Er war groß gewachsen, schlank, besaß aber breite Schultern. Die dunklen Haare fielen locker auf die Schultern. Der schwarze Overall unterstrich seine düstere Aura. Penny konnte sich normalerweise immer auf ihren ersten Eindruck verlassen. Bei John jedoch war sie irritiert. Seine teuflische Attraktivität lenkte sie ab. Als Regel galt, einem Vampir nicht in die Augen zu schauen, weil bei einer Minderheit der Vampire die übernatürlichen Fähigkeiten noch wach waren, während bei den meisten, besonders bei den Arbeitern, diese Fähigkeiten abgestumpft waren. Penny war es unbegreiflich, warum John sie zwingen konnte, ihm in die Augen zu sehen. Sie vermochte sich nicht dagegen zu wehren. Es war wie ein Sog. Sie schien sich in seinen schwarzen Pupillen zu verlieren. Tiefer und tiefer sank sie hinein, tauchte in die Finsternis wie in einen dunklen See. Doch die Gefahr ängstigte sie nicht. Sie reizte Penny.

Benommen taumelte sie gegen Hugh. Der Sniffer zwackte sie in die Seite und stellte sich zwischen sie und John, sodass sie den Blickkontakt verlor. Das brach den Bann. Verschämt strich sie mit der Hand über ihr Gesicht und schaute auf ihre Schuhspitzen.

„Weisen Sie CH-4-2119 ein“, wies Fridgson John an. „Um 8 Uhr wird sie in der Fabrik erwartet.“

Er nickte Doe zu, wandte sich um und ging mit dem bulligen Vampir hinaus, ohne Penny noch einmal anzusehen. Er behandelte sie wie Luft. Eigentlich hätte sie froh darüber sein sollen. Die Rebellen mussten sich so unauffällig wie möglich verhalten. Trotzdem machte es Penny wütend. Sie besaß Gefühle. Sie wollte, dass man sie mit Respekt behandelte. Und sie wünschte, als Mensch wahrgenommen zu werden, nicht als Kopie. Doch auch John Doe betrachtete sie herablassend. Das tat ihr weh, denn sie wollte ihm gefallen. Letzteres wurde ihr mit Schrecken bewusst.

Als John zur Tür ging und sie geräuschvoll zuwarf, fuhr sie zusammen. Er rümpfte die Nase. „Endlich sind diese Schnüffler weg!“ Seine Stimme klang rau, und als er leiser hinzufügte: „… und wir allein“, sogar brünstig.

Penny überlief eine Gänsehaut.

John stellte sich hinter sie, roch zuerst an ihren Haaren und legte dann einige Strähnen über ihre Schulter, um ihr Profil zu betrachten.

„Hm“, machte er. „Welch eine angenehme Überraschung! Du wirst mir dienen, hübsches Reprodukt.“

Aufbrausend flog sie herum. Sie war kein Ding! Zudem duzte er sie. Das machten nicht einmal die Sniffer.

John drängte sie schmunzelnd gegen die Wand, gleich neben das Bildnis von Santagos, das zur Ausstattung jeder Wohneinheit gehörte, und hob eine Augenbraue. „Oh, ein Klon, der nicht als Erzeugnis bezeichnet werden möchte. Ist es nicht so?“

Penny war wütend auf sich selbst. Sie musste sich zusammennehmen. Ausweichend sagte sie: „Ich werde Ihren Haushalt führen, Sir.“

„Natürlich.“ Er legte eine Hand auf ihre Hüfte und schob seine Lenden an ihr Becken. Mit der anderen Hand hob er ihr Kinn an und zwang sie, ihm in die Augen zu blicken. Mit einem Mal war er ernst. Jegliche Lüsternheit war verflogen. „Ich wäre an deiner Stelle vorsichtiger. Du scheinst Temperament zu haben. Das könnte dir eines Tages das Genick brechen.“

Alles, was sie hervorbrachte, war ein leises „Ja.“

„Ja, Sir“, korrigierte er sie grinsend.

Er wollte sie provozieren. Da war sich Penny sicher. Ob er auch die Sniffer gerne aus der Reserve lockte? Oder ärgerte er nur gerne seinen Sharer, um im Gegensatz zur Arbeitswelt wenigstens in der Wohneinheit das Sagen zu haben? Viele Vampire behandelten ihre Klone schlecht. Das wusste Penny von den Erzählungen der anderen Rebellen. Die Blutsauger kommandierten die Reprodukte herum, sie schikanierten sie und bestraften gerne, einfach um sich besser zu fühlen. Die neue Ordnung in Großbritannien brachte nur den Regierenden Vorteile. Um ihren Frust abzubauen, übten die vampirischen Sharer im Kleinen ihre bescheidene Macht aus.

Penny durfte sich nicht reizen lassen, stand sie doch auf jeglichen Abschusslisten. Sie ballte hinter dem Rücken die Hände zu Fäusten und wiederholte gehorsam: „Ja, Sir.“

Augenblicklich schnaubte John. „Aber Kriecher bringen es auch nicht weit.“

Sie war verwirrt. Wie sollte sie sich verhalten? Was erwartete er von ihr? Möglicherweise machte er sich einen Spaß daraus, sie aufs Glatteis zu führen. John lachte jedoch nicht. Er sah zornig aus, gleichsam zerknirscht. Wahrscheinlich wollte er seinen neuen Klon prüfen. Diese Erkenntnis machte es nicht einfacher für Penny.

Sie entschloss sich, mutig zu sein und fragte vorsichtig: „Mein Vorgänger, wo ist er?“ Sekundenlang hielt sie die Luft an. Sie senkte immer wieder den Blick, weil sie fürchtete, zu weit gegangen zu sein.

Er kam näher heran und stützte sich rechts und links mit den Unterarmen gegen die Wand. „Meinst du, dir steht solch eine Frage zu?“

Penny öffnete den Mund, um etwas zu erwidern, doch ihre Zunge klebte am Gaumen. Die Nähe zu John lähmte ihre Gedanken. Deshalb schüttelte sie nur den Kopf.

„Das heißt: Nein, Sir!“, blaffte er.

Sie zuckte zusammen. „Nein, Sir“, wisperte sie. Aber auch das stellte ihn nicht zufrieden, denn er musterte sie herablassend. Was zur Hölle wollte er? Sie überlegte, ob sie ihm die Stirn bieten sollte, damit von Anfang an klar war, dass er nicht alles mit ihr machen konnte.

„Hast du dich George Slay gegenüber genauso aufmüpfig verhalten?“

„Niemals“, antwortete sie wahrheitsgemäß und dachte daran, dass er sie ohnehin meist ignoriert hatte.

„Warst du eigensinnig und aufsässig, hast dich ihm widersetzt und nicht den nötigen Respekt gezollt?“

„Ich habe ihm immer gedient.“

John legte den Kopf schief. „Wollte er dich disziplinieren? Musste Slay deshalb sterben?“

„Ich habe nichts mit seinem Tod zu tun“, log Penny und bebte. Sie fühlte sich durch seine Fragen und seine Nähe eingeengt. Intuitiv stemmte sie die Handflächen gegen seinen Oberkörper und versuchte ihn wegzustoßen. Sie spürte seinen harten, männlichen Brustkorb unter dem Overall. Ihr Herz schlug schneller.

„Warum hast du ihn dann umgebracht?“

„Ich habe ihn nicht in die Knetmaschine gestoßen. Er ist ...“

„... gefallen?“, beendete John den Satz. „Vampire fallen nicht in Werkmaschinen.“

„Ach, Blutsauger machen keine Fehler, ja?“, hörte sie sich sagen und bereute es sogleich.

Er legte die Hand an ihre Kehle. „Die Gehirne der Reprodukte werden vor der ‚Geburt’ unter Strom gesetzt, damit sie wenigstens bis drei zählen können.“

Das war eine Lüge, eine verdammte Lüge, schrie alles in Penny. Die Gehirne wurden elektrisch vorbehandelt, damit die Klone sich nicht an das Leben der Menschen, von denen sie abstammten, erinnerten.

In Rage griff sie nach seinem Handgelenk, aber er gab ihren Hals nicht frei.

„Behandeln Sie mich nicht wie Dreck!“

„Sind Klone nicht Dreck?“ Er hob eine Augenbraue.

„Nein.“

„Wann lernst du es endlich, CH-4-2119? Ich will ein ‚Nein, Sir’ hören.“

Verdrießlich rümpfte sie die Nase. „Nein, Sir.“

„Nein, Sir, was?“

„Verdammt, wir sind kein Abschaum!“, brach es aus ihr heraus. „Wir haben Gefühle, wir leben und sind keine hirnlosen Marionetten. Wir können klar denken und ärgern uns über Arroganz ...“

Plötzlich holte John aus und schlug gegen die Wand. Nur knapp verpasste er das eingerahmte Foto von Santagos. Mit offenem Mund starrte Penny auf das Loch neben ihrem Kopf. Die Tapete war zerrissen. Darunter kam der Putz zum Vorschein. Wie kräftig dieser John Doe war! Selten hatte sie solch einen starken Vampir kennengelernt. Er rieb sich nicht einmal vor Schmerzen die Hand, sondern tat so, als wäre gar nichts passiert. Seine Hand blutete nicht. Nicht einmal die Haut war aufgeschürft.

Langsam beruhigte er sich. „Ich hoffe, es wird nicht immer so lange dauern, bis du dein wahres Gesicht zeigst. Obwohl es durchaus seinen Reiz hat, alles aus dir herauszukitzeln. Beim nächsten Mal jedoch wähle ich eine andere Methode.“ Unerwartet neigte er sich zu Penny herunter. Er versuchte sie zu küssen.

Fassungslos drehte sie das Gesicht weg. Sie hatte noch nie einen Vampir geküsst und niemals hatte ein Blutsauger versucht, ihr nah zu kommen. Das war widernatürlich, als würden sich Löwe und Antilope zusammentun.

„Du weigerst dich?“, hauchte er in ihr Ohr.

Durch das gefährliche Timbre in seiner Stimme erschauerte sie. „Sie können das unmöglich wollen.“ Penny bemerkte einen latenten Geruch von Rauch. Sie schnupperte. Es waren Johns Haare, die nach Rauch rochen. War er in der Nähe eines Feuers gewesen? Wie konnte das sein?

„Und wenn ich es verlange? Würdest du deinem Sharer einen Wunsch verweigern?“

Sie biss auf ihre Unterlippe. Schließlich flüsterte sie: „Was ist mit dem Gesetz der Abstinenz?“

„Gefühle lenken von der Arbeit ab“, zitierte John den Prime Lord und schenkte dessen Abbild einen vernichtenden Blick.

Auf einmal fragte sich Penny, ob John mit seinem Schlag nicht beabsichtigte hatte, das Foto zu treffen. Konnte es sein, dass er den Vater der Audax hatte schlagen wollen? Unmöglich! Sie musste sich irren.

Sie schob das Bild ein Stück beiseite und verdeckte mit dem Rahmen halbwegs das Loch in der Wand.

Johns bissige Miene wurde milder. Verblüfft sah er auf Penny herab. Er drang mit seinem tiefgründigen Blick in sie ein. Ein seltsames Gefühl bemächtigte sich ihrer. Da war plötzlich eine Wärme, die vom Magen aus in ihren Körper strömte, stieg in den Busen auf, brannte in ihren Brustwarzen und machte diese empfindsam, sodass Penny den Stoff ihres Overalls an ihren Nippeln spürte, wann immer ihr Brustkorb sich hob und senkte, denn sie rang jäh nach Atem. Diese Empfindung raubte ihr die Luft. Die Wärme tröpfelte aus dem Magen herab, sammelte sich in ihrer Scham und entfachte ein Feuer, das nicht einmal Guy jemals in ihr geweckt hatte. Die Flammen loderten in ihrem Schoß, knisterten, prickelten und erzeugten Wollust.

„Nicht“, brachte Penny mühsam heraus. Sie wollte ihn von sich stoßen, war allerdings wie gelähmt.

John lächelte anziehend. Er streifte ihre Wange mit seinem Handrücken. „Lass es geschehen. Du kannst dich eh nicht dagegen wehren.“

Verzweifelt versuchte sie zu widerstehen. Sie redete sich ein, dass es nur Johns Verlangen war, das er auf sie projizierte. Er begehrte sie und bat nicht um ihre Hingabe, sondern nahm sich einfach, was er wollte. Das war abstoßend. Zumindest bemühte sie sich, das zu glauben. In Wahrheit erregte sie seine Unverschämtheit. Lag es an seiner Attraktivität? Faszinierte sie seine dunkle, geheimnisvolle Aura? Die meisten Vampire, die sie kannte, waren Arbeiter und ebenso abgestumpft wie die Klone. John Doe jedoch schien ein wacher Geist zu sein mit gefährlichen, übernatürlichen Fähigkeiten. Penny musste sich hüten, ihm zu verfallen. In diesem Zustand geistiger Gefangennahme war sie allerdings wehrlos. Alleine durch seinen Blick bannte er sie. Er fesselte sie an die Wand – und an sich.

Bald schon drohte sie das Feuer zu verbrennen. Penny schloss benommen die Lider. Sie sah vor ihrem inneren Auge das Feuer in ihrem Schoß, die brennenden Ketten an ihren Hand- und Fußgelenken und den glühenden Stahlring um ihren Hals, in den Johns Name eingraviert war.

Als sie ihren Sharer wieder anschaute, fühlte sie sich wie in Trance. Um mehr Halt zu haben legte sie die Hände auf seine Schultern. Ihr Gesicht war seinem so nah, dass ihre Nasen sich fast berührten. Die Sehnsucht in ihr war quälend. Sie verzehrte sich nach John, wollte ihm noch näher sein, wünschte in ihm zu sein, und so küsste sie ihn. Zärtlich presste sie den Mund auf den seinen. Sie öffnete die Lippen und stieß mit ihrer Zunge in ihn hinein. Genießerisch saugte sie an seiner Zungenspitze. Sie leckte und umschlängelte die seine, drückte sich noch fester an ihn, um tiefer in ihn hineinzugleiten. Ihr Atem ging kurz und flach, während ihr Becken sich an ihn schmiegte und schließlich kreiste, bis an seinen Lenden etwas Hartes, Pulsierendes unter dem schwarzen Overall wuchs. Sie leckte über Johns Eckzähne, umschlängelte seine unscheinbare und doch effektive Waffe. Es war riskant, aber die Gefahr zog sie an. Minderte die Lust Pennys Angst? Sie musste sich nur an den spitzen Zähnen stechen ... Mit Leichtigkeit konnten sie die Zunge aufreißen. Ein Blutstropfen würde genügen, um John um den Verstand zu bringen. Die Vampire waren heiß auf Menschenblut, seit sich die meisten von synthetischem Blut ernährten. Aber die Leidenschaft machte sie blind. Penny begehrte John Doe!

 

 

Szene 2

 

Ich hob den Kopf und sah zu der dunkeln Gestalt am Ende der Brücke, für die ich Dankbarkeit empfand, weil sie hier geblieben war und mich nicht allein gelassen hatte. Ob der arme Kerl auch an Liebeskummer litt, so wie ich? Er machte einen traurigen Eindruck. Vielleicht brauchte er Trost? Wie oft war es mir so ergangen? Wie oft hatte ich in meiner wilden Zeit einsam auf einer Brücke gestanden und um einen meiner zahlreichen Exfreunde getrauert. Ich wusste nur zu gut, wie aussichts- und hoffnungslos das Leben in solchen Momenten erscheinen konnte. Mehr als einmal hatte ich mit dem Gedanken gespielt, mich von der Brücke zu stürzen. Nun ging es einem anderen schlecht. Vielleicht konnte ich ihm helfen? Ich machte einen Schritt auf ihn zu, in der festen Absicht ihn anzusprechen, als er plötzlich auf die schmale Brüstung der Brücke kletterte. Mein Herz begann vor Schreck wild zu pochen, weil ich meine schlimmste Befürchtung bestätigt sah und glaubte, er würde eine Dummheit begehen! So schnell ich nur konnte, rannte ich auf ihn zu. „Nein! Springen Sie nicht!“, brüllte ich aus Leibeskräften und streckte die Hände nach ihm aus, um ihn zu packen und auf sicheren Grund zu ziehen. In dem Moment, in dem ich ihn erreichte, drehte er sich zu mir um. „Was soll denn das?“

Ich hatte zu viel Schwung, rutschte auf der nassen Straße aus und versuchte mich an seiner Jacke festzuhalten. Doch dabei brachte ich ihn versehentlich aus dem Gleichgewicht. Er krallte sich seinerseits an meiner Regenjacke fest, stürzte rücklings in die Tiefe und riss mich mit sich. Ich schrie. Wasser spritzte meterhoch in die Luft und schwappte über uns zusammen. Prustend kehrten wir nacheinander an die Oberfläche zurück.

„Habt Ihr den Verstand verloren?“, keuchte er und schwamm zum Ufer.

Ich folgte ihm.

„Nicht im Geringsten. Ganz im Gegensatz zu Ihnen! Wieso wollten Sie sich umbringen?“

„Mich umbringen? Aus dieser Höhe? Was für ein ausgemachter Unsinn!“

Wir kämpften uns durch das Schilf, in dem er seinen Vorsprung ausbaute, vor mir das Ufer erreichte und mir hilfsbereit die Hand entgegenstreckte, um mich aus dem Wasser zu ziehen. Ich nahm sie dankbar an und betrat sicheren Boden. Das Licht des Mondes fiel günstig, sodass ich sein Gesicht erkennen konnte. Es war hübsch und von langen blonden Strähnen umrahmt.

„Wieso sind Sie dann auf das Geländer geklettert?“

„Weil ich nachdenken und dabei die Aussicht genießen wollte!“, knurrte er und schüttelte den nassen Schopf. „So etwas habe ich wirklich noch nie erlebt. Ich bin klatschnass!“

„Jetzt seien Sie mir doch nicht böse, ich wollte Ihnen nur helfen!“

Er sah mich skeptisch an, nickte dann aber versöhnlich.

„Hey!!!“, hörte ich eine Stimme aus der Ferne. Ein Mann im roten Regenmantel, der wie ein Gespenst aus dem Nichts aufgetaucht war, stand auf der Brücke und winkte mir hektisch zu. „Brauchen Sie Hilfe?“

„Nein, es ist alles in Ordnung!“, brüllte ich, so laut ich nur konnte, doch meine Stimme klang wie ein altes Reibeisen. Er trat vom Geländer zurück und verschwand in der Straße auf der anderen Seite der Brücke. Ich hoffte, dass er mich verstanden hatte und blickte erneut zu dem Fremden. Seine Haut war auffallend blass, doch von makelloser Schönheit. Und was für seltsame Kleidung er trug. Sie erinnerte mich an die pompösen Gewänder aus Kostümfilmen wie „Gefährliche Liebschaften“.

„Es ehrt Euch sehr, dass Ihr mich retten wolltet. Aber glaubt mir, es besteht kein Grund zur Sorge. Ich fange gerade erst an, wieder zu leben.“

Euch? Ihr? Erst jetzt fiel mir auf, dass er nicht nur aussah, als käme er aus einer anderen Zeit, sondern, dass er sich auch so artikulierte.

„Sie wissen, dass wir uns im 21. Jahrhundert befinden, nicht wahr?“, fragte ich sicherheitshalber. Vielleicht hatte er durch den Schock des Aufpralls das Zeitgefühl verloren und hielt sich nun für einen Prinzen aus dem 18. Jahrhundert.

„Natürlich weiß ich das“, entgegnete er mit einem Seufzen. „Und ich kann nicht gerade behaupten, dass ich dieses Jahrhundert mag.“

Sirenen heulten auf. Ich sah zur Brücke und entdeckte zwei Mannschaftswagen, die mit quietschenden Reifen hielten. Männer in schwarzen Anzügen rissen die Schiebetüren auf und sprangen heraus. Es mussten um die zwei Dutzend sein. Unter ihnen befand sich auch der Mann im roten Regenmantel.

„Was hat das denn zu bedeuten?“, stieß ich verwundert aus.

Der Fremde fuhr herum und sah zur Straße. Am Übergang zwischen der Brücke und der Fahrbahn sammelte sich der Trupp, der offenbar einer Spezialeinheit angehörte. Panik spiegelte sich in seinen Augen.

„Verflucht, wie haben sie mich nur gefunden ...“ Zähneknirschend presste er sich mit dem Rücken an die Uferböschung. „Sie dürfen mich nicht noch einmal in ihre Fänge bekommen.“

„Ich verstehe gar nichts mehr.“

„Wenn Sie es vorhin ernst meinten …“, sagte er und sah mich eindringlich an. „Wenn Sie mir wirklich helfen wollen, dann bringen Sie mich von hier weg. Ich kenne mich in dieser Gegend nicht aus.“

„Ich bin auch nicht aus Liverpool!“

Hier ist der Special Air Service. Kommen Sie mit erhobenen Händen herauf“, brüllte eine befehlshaberische Stimme durch ein Megafon.

„Was, um Himmelswillen, haben Sie nur angestellt?“, fuhr ich ihn an und suchte ebenfalls Schutz am Hang. Hatte ich es mit einem Schwerverbrecher, einem feindlichen Agenten oder einem Terroristen zu tun, dass ein solcher Aufmarsch notwendig wurde? Der Special Air Service war eine Spezialeinheit des Militärs, die jedoch auch im Inland operierte.

„Ich schwöre Ihnen, diese Männer sind nicht das, was sie vorgeben zu sein.“

„Wollen Sie mich veralbern?“

„Sehen Sie genauer hin. Fällt Ihnen etwas auf? Sie tragen Armbrüste.“

Ich hob vorsichtig den Kopf und spähte die Straße hinauf. Mit Entsetzen stellte ich fest, dass sich der Trupp in Bewegung gesetzt hatte. Das Licht der Straßenlaternen offenbarte, dass mein unbekannter Freund die Wahrheit gesprochen hatte. Jeder Anzugträger war mit einer Armbrust ausgestattet und trug zudem einen Schutzhelm. Die Männer sahen äußerst bedrohlich aus.

„Sie haben recht. Was hat das alles zu bedeuten?“

„Ich erkläre es Ihnen später. Jetzt müssen wir fliehen! Wenn sie uns in die Finger bekommen, sind wir beide dran. Glauben Sie mir.“

Die besorgte Miene des jungen Mannes ließ keinen Zweifel daran, dass wir tatsächlich in großer Gefahr schwebten.

„Mein Rover steht auf der anderen Seite der Brücke, wir werden ihn nicht ungesehen erreichen“, flüsterte ich und blickte nachdenklich zum Kanal. „Dann bleibt nur eine Möglichkeit. Wir müssen schwimmen.“

So lautlos wie nur irgend möglich schlich ich ins Wasser. Das Adrenalin rauschte durch meine Adern, ließ mich meinen wilden Herzschlag spüren und schützte mich gleichzeitig vor der Kälte. Nach zwei Schritten fiel der Grund steil ab, sodass ich mich nur durch Ruderbewegungen der Arme an der Oberfläche halten konnte. Als der Fremde hinter mir auftauchte, deutete ich zur Brücke. „Wir werden tauchen. Schaffen Sie das?“

„Sicher.“

Aus dem Augenwinkel nahm ich den herannahenden Trupp wahr.

„Sie sind im Kanal! Beeilung!“, brüllte einer der Männer und feuerte seine Armbrust ab. Knapp neben mir schlug ein Bolzen ins Wasser.

„Mein Gott, die meinen es wirklich ernst!“, schrie ich in Panik auf.

„Bist du verrückt? Wir wollen ihn lebend!“

„Mir sind die Nerven durchgegangen!“, klangen die Stimmen der Männer zu uns herüber.

Ich holte tief Luft und glitt in die Tiefe, doch ich verlor in den schwarzen Wassermassen die Orientierung. Da ergriff jemand meine Hand und führte mich durch die Dunkelheit. Kurz bevor mir die Luft knapp wurde, kehrten wir unter der Brücke an die Oberfläche zurück. In der Ferne sah ich unsere Verfolger, die am Kanal entlangliefen und das Wasser mit ihren Taschenlampen ausleuchteten. Wir hatten einen ordentlichen Vorsprung herausgeholt. Das war beruhigend. Aber es war zu früh, sich in Sicherheit zu wiegen.

„Wo ist diese Kreatur?“, vernahm ich plötzlich die Stimme eines Mannes über uns, der offensichtlich bei den Mannschaftswagen geblieben war.

„Ich habe einen Verdacht, folg mir“, erwiderte ein anderer. Sie eilten über die Brücke und kletterten den Hang hinab. Gerade, als ihre Gestalten in meinem Blickfeld auftauchten, zog mich der Fremde erneut unter Wasser. Einer der Männer nahm fluchend die Verfolgung auf, verlor jedoch unsere Spur in der Dunkelheit. Unbeirrt setzten wir unsere Flucht fort. Nur ab und an gönnten wir unseren Lungen einen kurzen Atemzug. Wir tauchten bis zu einem kleinen Steg und versteckten uns zwischen den angeleinten Booten. Mein Kreislauf versagte, weil mir übel wurde, und die Kälte allmählich Besitz von mir ergriff. Ich klammerte mich erschöpft an die feuchte Brust des Fremden und zuckte zusammen, als er schützend einen Arm um mich legte und mich sanft anlächelte. Es war ein wunderschönes Lächeln, bei dem ich unter anderen Umständen dahingeschmolzen wäre. Aus nicht allzu weiter Ferne hörte ich das Geräusch herannahender Motorräder. Auch ein Motorboot rauschte an uns vorbei. Die Mannschaft leuchtete den Kanal mit Scheinwerfern aus.

Sie sind immer noch hinter uns her“, flüsterte er in mein Ohr und zog mich fester an sich. Ich konnte seinen Herzschlag durch den Stoff hindurch spüren. Es schlug viel zu schnell. Beruhigend legte ich die Hand auf seine Brust und blickte zu ihm auf. Erneut lächelte er mich ermutigend und gleichzeitig verführerisch an.