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Leseprobe
Der romantische Kerzenschein und die bunte
Raumdekorierung beruhigten Alyce ein wenig. Sie las: "Kastanienhonig,
Lindenblütenhonig, Rapshonig, Löwenzahnhonig, Wiesenblütenhonig,
Sonnenblumenhonig, Waldhonig und Obstblütenhonig. Dass es so viele
Sorten gibt, wusste ich nicht." Seit sie vor sechs Jahren nach Shelham
gezogen war, fuhr sie selten nach Cardiff. Das skurrile Ladenlokal
musste neu sein.
"Polnischer Buchweizenhonig,
argentinischer Pampashonig, vietnamesischer Kaffeeblütenhonig,
türkischer Pinienhonig, neuseeländischer Kleehonig, brasilianischer
Eukalyptushonig... und das alles können Vampire nicht essen." Maxine
seufzte. "Meine Oma hat mir als Kind immer Akazienhonig in den Tee
geträufelt, wenn ich Husten hatte."
"Quäl dich nicht mit Erinnerungen", sagte
Logan scharf, "es schmeckt dir nicht mehr, also sehne dich auch nicht
danach. Du musst endlich dein altes Leben loslassen. Daran führt kein
Weg vorbei, denn du kannst nicht zurück!" Kopfschüttelnd ging er in
den Lagerraum.
Alyce meinte Tränen in Maxines Augen zu
sehen, war aber unsicher, ob nicht das Flackern der Kerzen sie
täuschte. "Ich verstehe dich", begann sie zaghaft, "auch ich bin
gewaltsam aus meinem Leben herausgerissen worden und möchte heim. Im
Gegensatz zu dir, gibt es für mich ein Zurück. Bitte, lass mich
gehen."
"Das kann ich nicht."
"Wieso nicht?" Sie kräuselte die Stirn.
"Du müsstest nur einen winzigen Schritt zur Seite gehen und mich
passieren lassen."
"Ich muss mich Logan beugen. Er wird nicht
umsonst die Bestie von Belfast genannt."
"Logan ist nicht Audax! Die anderen
Vampire würden dich vor ihm beschützen."
"Er hat einen hohen Stand innerhalb des
Zirkels", erklärte Maxine. "Außerdem haben wir von Santagos persönlich
den Auftrag, die Phiole zu stehlen. Er ist unser Vater."
"Familie verzeiht immer", munterte Alyce
sie auf und dachte im Inneren verlegen an ihren Streit mit Abby.
Abfällig schnaubte Maxine: "Aber nicht
Santagos, nicht der Audax Zirkel! Sie würden mich qualvoll töten."
"Dann laufe mit mir weg. Jetzt!" Alyce
faltete die Hände zusammen und hielt sie flehend hoch.
"Ich wäre eine Ausgestoßene. Wie sollte
ich leben, wenn weder Audax noch Vita Eterna mich als Mitglied
akzeptieren? Ich wäre Freiwild und Logan würde mich bis ans Ende der
Zeit jagen." Sie senkte den Blick. "Es tut mir Leid."
Alyce ließ die Schultern hängen.
Offensichtlich fühlte sich Maxine ebenso gefangen und hilflos wie sie
selbst.
Mit einem zufriedenen Lächeln auf dem
Gesicht schlendert Logan in den Verkaufsraum zurück. Die Flammen
tanzten aufgeregt, als er an den Kerzen vorüberging und ein Seil aus
Sisal um den Hals schlang; ein Strick, wie er benutzt worden war, um
die Bienenstock-Nachbauten für den Tresen zu umwickeln. "Schrei nicht,
sonst muss ich dich bestrafen, denn knebeln kann ich dich nicht. Du
wirst mir Rede und Antwort stehen."
Ihr Herz raste. Alyce wich rückwärts, doch
er gab Maxine ein Zeichen und die Elevin stellte sich ihr in den Weg.
"Bitte, das könnt ihr nicht tun", zeterte
Alyce und schaute abwechseln Lehrer und Schülerin an.
"Was denn?", fragte er provozierend,
"wirst du mir freiwillig erzählen, wo sich die Phiole befindet?"
"Ich... ich weiß das nicht", stotterte
sie.
Bei jeder Frage trat er einen Schritt auf
sie zu. "Wo hält sich Abelaine versteckt?"
Sie zuckte mit den Achseln.
"Wo hat Condannato sein Zwischenlager
errichtet?"
"Ich habe wirklich keine Ahnung."
"Welcher Loge stattet die
Vita-Eterna-Delegation als nächsten einen Besuch ab, um das Blut des
Logen-Oberhauptes zu erhalten?"
"Woher soll ich das denn alles wissen?"
Seine Stiefelspitzen berührten ihre Zehen.
Er neigte sich über sie wie ein Geier, der mit seinem spitzen Schnabel
der Beute den Todesstoß geben wollte. "Du und Abby, ihr hattet einen
ganzen Tag Zeit, um miteinander zu plaudern. Was hätte sie dir sonst
erzählen können, wenn nicht von ihrem jetzigen Leben?"
Alyce fühlte einen Stich im Herzen. Ja,
sie hatten den Tag über gemeinsam auf dem Dachboden gehockt, aber
alles, was sie ausgetauscht hatten, waren Vorwürfe.
Sanft hob Logan mit der Hand ihr Kinn an,
damit sie ihm in die Augen sah. "Letzte Chance, Rotschopf."
"Reiß mir das Herz heraus, doch ich kann
dir wirklich nichts sagen", flüsterte sie.
"Vielleicht hat sie dir etwas verraten und
du bist dir dessen nicht einmal bewusst." Er zog mit dem Daumen ihre
vollen, hellroten Lippen nach und tauchte mit dem Zeigefinger kurz in
ihren Mund ein. "Ich werde es aus dir herauskitzeln."
"Tu mir bitte nicht weh", flehte sie
verzweifelt.
Er zog die Augenbrauen hoch. Noch immer
lag seine Hand an ihrer Wange. "Es wird ein bittersüßer Schmerz sein.
Du wirst ihn genießen. Vielleicht bettelst du sogar um mehr."
"Niemals!", stieß sie empört hervor.
Sein Daumen verschloss ihre Lippen.
Eindringlich sah er sie an und schüttelte den Kopf, um sie zu
ermahnen, still zu sein. Er zog gemächlich seine Lederjacke aus, warf
sie achtlos auf den Boden und hob Alyce auf seine Arme. Verwundert
legte sie den Arm um seine Schulter und spürte die harten Muskeln
unter seinem Netzshirt. Je öfter sie ihm nahe kam, desto verwirrter
war sie. Sein Duft zog sie magisch an. Ein einziger Blick von ihm
zwang sie in die Knie. Sie verteufelte sein vampirisches Charisma!
Er trug sie zum Tresen, fegte mit ihren
Beinen Stifte und Flyer fort und legte Alyce auf die Holzplatten.
"Halte ihre linke Seite", befahl er Maxine, die herbeieilte und Alyces
linke Hand und linken Fuß festhielt.
Erst jetzt begriff Alyce. Logan wollte sie
an die Theke fesseln! Panisch wehrte sie sich aus Leibeskräften. Sie
trat nach ihm, doch er fasste ihren rechten Knöchel und schlang das
Seil darum. Wie ein Rodeoreiter, der mit seinem Lasso ein Rind
gefangen hatte und es nun an den Extremitäten fesselte, band er den
Fuß an das rechte Handgelenk und führte das Seil zwischen den
Bienenstöcken hindurch. Ehe sich Alyce versah, waren auch Hand und Fuß
der linken Körperhälfte gefesselt. Fixiert lag sie auf dem skurrilen
Ladentisch, die Beine weit gespreizt und den Vampiren ausgeliefert.
"Du behandelst mich wie Vieh", winselte
sie. "Das ist entwürdigend."
Logan stellte sich zwischen ihre Beine.
"Es ist nur demütigend, wenn du es als solches empfindest."
Was sollte das schon wieder heißen? Sollte
sie diese beschämende Lage etwa stolz hinnehmen? Sie war nicht so
stark wie er. Ja, ihm traute sie zu, dass er seinen Hochmut behielt,
selbst wenn er ausgepeitscht würde.
"Tu endlich, was du nicht lassen kannst",
schrie sie und versuchte den Oberkörper zu heben, doch Maxine drückte
sie zurück auf die Holzplatte.
Langsam schob Logan ihr Nachthemd bis zur
Hüfte hoch. Alyce drehte schluchzend das Gesicht zur Seite. Sie fühlte
sich so hilflos, wie nie zuvor in ihrem Leben, schutzlos aufgeliefert
einem Bluthund, einem Vampir und Jäger, der Menschen verabscheute und
über Leichen ging, um den Gegner zur Strecke zu bringen.
"Sieh mich an!", sagte er in einem Ton,
der keinen Widerstand duldete.
Sie spürte, wie sich Tränen in ihren Augen
sammelten, wollte ihm aber nicht die Genugtuung verschaffen, sie schon
wieder heulen zu sehen. Doch anstatt blankem Hass blickte ihr Lust
entgegen. Logan leckte sich lüstern die Lippen. Seine Augen funkelten
gierig. Zärtlich streichelte er die Innenseite ihrer Oberschenkel, als
wollte er sie mit dieser Geste beruhigen. Genau das Gegenteil war der
Fall! Seine Berührung erregte sie. Ihr Atem ging schneller. Alyce
spürte erstaunt, wie Hitze ihre Scham durchflutete, je näher seine
Hand ihrem Unterleib kam und erinnerte sich an den kalten Atem, den er
ihr in der Poststation eingehaucht hatte, um ihr Abbys Handynummer zu
entlocken. Welche Fähigkeiten lauerten noch unter seiner rauen Schale?
Logan lief mit den
Fingern über ihre Schenkel wie eine Spinne, brachte sie damit zum
Kichern und bald darauf zum Stöhnen, denn er legte die Handfläche auf
ihren Schoß und ihr Blut pulsierte durch die Schamlippen wie ein
Lavastrom.
"Bitte, nimm deine Hand weg", flehte Alyce
ihn an. Sie war solche durchdringenden Gefühle nicht gewohnt. Die
lustvollen Wellen begannen ihre Kontrolle fort zu schwemmen, aber sie
musste bei klarem Verstand bleiben, um Logan die Stirn zu bieten.
"Wenn du es wünschst", sprach er leise,
doch es schwang ein hinterhältiges Timbre in seiner Stimme, das Alyce
aufhorchen ließ.
Sie beobachtete, wie er sich bückte und
etwas aufhob. Prüfend hielt er den Kugelschreiber hoch, an dessen Ende
eine Eulen-Feder – schneeweiß, mit brauner Farbe durchzogen wie die
Adern eines Blattes - befestigt war. "Reizend!" Er hob eine Augenbraue
und schaute zu Alyce. Dann lächelte er verklärt. Logan begann die
Innenseite ihrer Schenkel mit der Feder zu liebkosen. Sie bemühte sich
die Haltung zu wahren, denn die sanfte Berührung kitzelte und die
Situation war alles andere als zum Lachen. Doch auch Logan
schmunzelte, und als die Feder sanft über ihre Schamlippen strich,
wandelte sich das Kribbeln in Erregung und diesmal presste Alyce die
Lippen aufeinander, um einen Seufzer zu ersticken.
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