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Leseprobe:
In den folgenden Tagen konnte Tamara auch
nicht besser schlafen. Unruhig wälzte sie sich in ihrem Bett von einer Seite
auf die andere, so dass Grey lieber auf dem Sessel schlief, und grübelte
selbst tagsüber darüber nach, ob sie in dem römisch anmutenden Gemäuer wohl
einen Hinweis auf Sophie oder sogar die restlichen Seiten der Memoiren
finden würde. Jeremys Haus in der Ole Limpin Lane war der einzige Hinweis,
den sie besaß. Und eines Tages, als Sally sie um Mitternacht mit den Worten
„Willst du dein komplettes Leben hier verbringen?“ aus der Werbeagentur raus
warf, fuhr Tammy nicht zur Paddingston Station, sondern stieg in die
Underground nach Covent Garden, bewaffnet mit der Taschenlampe des
Hausmeisters der Agentur.
Sie näherte sich Jeremys Haus, das nun
Dorian gehörte, unauffällig, als wäre sie eine mitternächtliche
Spaziergängerin. Tammy versuchte auszumachen, ob jemand sie vom Fenster der
Nachbarhäuser aus beobachtete, aber alle schienen zu schlafen. Schnell
sprang sie über das kniehohe Eisentor. Wie gut, dass sie einen Minirock
trug! Auch die gewürzfarbene Tunikabluse ließ ihr genügend Platz, um sich
geschmeidig wie eine Katze zu bewegen. Eine Weile stand sie im Schutz der
Erlen.
Im Vorgarten werde ich keine Hinweise auf
Jeremy und vielleicht sogar Sophie finden, rügte sich Tamara im Stillen und
schlich an den steinernen Dämonen vorbei zur Haustür. Leise rüttelte sie an
der Tür. Verschlossen. Natürlich! Was hatte sie erwartet? Sie verzog das
Gesicht und schlich zu einem der Fenster. Sie waren alle mit Brettern
zugenagelt, aber als Tammy versuchte mit der Taschenlampe zwischen dem Holz
hindurch ins Hausinnere zu leuchten, sah sie, dass die Nägel rostig waren.
Sie machte die Lampe aus, steckte das Ende zwischen zwei Bretter und hebelte
eins der Hölzer aus der Verankerung. Der verrostete Nagel gab nach. Tammy
grinste und nahm auf diese Weise die ersten drei Bretter ab. Das Glas
dahinter war zerbrochen, so dass sie hineintasten und das Fenster am Griff
öffnen konnte. Das Fenster ging nicht zur Seite auf, sondern sie musste es
nach oben schieben. Geschickt schlängelte sie sich durch die schmale Öffnung
und hoffte, dass vor dem Morgengrauen, wenn sie längst weg sein würde,
niemand den Einbruch bemerkte.
„Bin drin“, flüsterte sie stolz.
Neugierig begann sie die Kommoden und
Schränke zu untersuchen, immer bedacht darauf, mit der Taschenlampe nicht
direkt auf die Fenster zu leuchten. Im Haus war es stockdunkel. Tamara
stolperte über einen zusammengerollten Berberteppich und erschrak im
nächsten Moment über einen mit weißen Laken bedeckten Garderobenständer. Sie
gruselte sich plötzlich, immerhin hatte hier einmal ein Vampir gelebt. Und
welcher normale Mensch stellte sich Dämonenskulpturen in den Vorgarten? Die
Luft im Haus war stickig, noch wärmer als draußen. Staub lag in einer dicken
Schicht auf den Kisten und Truhen und Spinnfäden hingen in den Zimmerecken.
In diesen Räumen lebte schon lange niemand mehr. Trotzdem hielt sich Tammys
Gänsehaut hartnäckig. Sie musste verrückt sein, mitten in der Nacht in ein
Vampirhaus einzusteigen! Und selbst, wenn es gar keine Vampire gab, war es
immer noch ein Einbruch in fremdes Eigentum.
Tamara beschloss sich zu beeilen. Nun war
sie schon einmal hier, jetzt konnte sie auch den ersten Stock noch schnell
absuchen. Sie stieg die Treppe hinauf. Die Stille war gespenstisch! Der
erste Stock hieß sie mit Finsternis willkommen, obwohl die Fenster nicht mit
Brettern vernagelt, sondern nur mit schweren Samtvorhängen verschlossen
waren. Eifrig suchte Tamara die Schränke ab. Sie stieß auf ein Teeservice,
bleiches Porzellan, handbemalt mit gelben Wildrosen, die das Herz eines
jeden Antiquitätenhändlers hätte höher schlagen lassen, und alte, vergilbte
Dokumente, die in einer fremden Sprache verfasst worden waren.
Auf einmal zitterten ihre Hände. Unter
einer Hutschachtel kam ein Buch hervor! Vorsichtig zog Tammy es heraus. Sie
legte es auf einen Kirschholztisch, der nicht abgedeckt war, und leuchtete
auf den Ledereinband. In das Leder war eingestanzt: ‚Dies sind die Memoiren
von Sophie Langsdale, geborene Ashford.’
Tammy konnte ihr Glück kaum fassen. Jetzt glaubte sie es endlich! Sophie
hatte wirklich gelebt. Dies war Jeremys Haus. Und wenn das alles der
Wahrheit entsprach, wie konnte es anders sein, als dass Jeremy Wellingham
tatsächlich ein Vampir gewesen war?
Da wurde Tamara die Taschenlampe aus der
Hand geschlagen! Das Licht fiel zu Boden. Das Glas der Lampe zerbrach. Der
Schein erstarb. Nichts als Dunkelheit umgab Tammy. Und ihr blieb fast das
Herz stehen! Sie hätte schreien sollen, aber ihre Zunge klebte am Gaumen.
Der Kloß in ihrem Hals ließ sich nicht herunterschlucken. Tamara blinzelte
in die Finsternis, um wenigstens Umrisse des Angreifers zu erkennen, aber es
drang so gut wie kein Licht der Straßenlaternen in den Raum. Sie hörte
Schritte. Er ging um sie herum, umkreiste sie, wie ein Panther seine Beute.
Warum griff er nicht an? Es schien fast, als wäre er in der Lage sie zu
sehen und würde beobachten, wie sie mit sich kämpfte. Sollte sie einfach
loslaufen? Nein, ohne Sophies Buch würde sie nirgendwo hingehen. Aber sie
konnte nicht gegen einen Feind kämpfen, den sie nicht sah.
„Was wollen Sie…“, begann Tammy. Da legte
der Angreifer ihr von hinten eine Hand auf den Mund, die andere griff um
ihre Taille und drängte sie gegen eine Wand. Nun war sie gefangen zwischen
Mauer und Körper. Ein Mann, es war eindeutig ein Mann. Ihre Angst nahm zu.
Panik übernahm die Kontrolle. Auf einmal wehrte sie sich mit Händen und
Füßen. Sie versuchte sich mit aller Kraft freizukämpfen, doch der Fremde
hatte sie fest im Griff. Nach einer Weile hielt sie erschöpft inne.
„Psst“, hauchte er ihr ins Ohr.
Tamara lauschte angestrengt. Langsam
ebbte die Panik ab und sie konnte klarer denken. Mit beiden Händen riss sie
an seiner Hand, die ihren Mund verschloss. Alle Bemühungen waren umsonst. Er
war wie ein Stein, den sie nicht zur Seite rollen konnte – und genauso kalt.
Plötzlich fiel es ihr auf! Seine Hand war kühl, so kühl wie das alte
Mauerwerk, gegen das er ihren Busen drückte.
Dorian!, schoss es ihr in den Sinn. Der
Gedanke lähmte sie. Wollte er ihr Böses oder hatte er lediglich vor, einen
Einbrecher zu stellen? Tammy schloss die Augen. Sie konnte ja eh nichts
sehen, und wusste nicht einmal, ob es wirklich Dorian war, der sich eng an
ihren Rücken schmiegte. Angestrengt versuchte sie sich auf den Mann hinter
ihr zu konzentrieren. Minotaure, roch sie es wirklich oder spielte die
Wahrnehmung ihr einen Streich?
„Ich werde die Hand erst wegnehmen, wenn
du dich beruhigt hast“, flüsterte er.
Das lüsterne Timbre seiner Stimme ließ
sie erschaudern. Sein Atem kitzelte ihren Nacken. Oh, sie wünschte sich,
dass es Dorian war, und wusste gleichzeitig, sie würde die versprochene
Ohrfeige nachholen, wenn tatsächlich er es war, der sie so erschreckt hatte.
Aber warum gab er sie nicht frei? Er führte etwas im Schilde und diesmal war
es kein Necken. Das spürte sie mit jeder Faser ihres angespannten Körpers.
In diesem Augenblick fiel ihr wieder ein, dass sie sich in Jeremys Haus
befanden - Jeremy, der Vampir. Was würde Dorian mit ihr machen, wenn er auch
ein Blutsauger war?
Ängstlich schob Tammy ihren Körper zur
Seite, um dem Angreifer zu entkommen. Doch der Fremde drückte sie härter
gegen die Wand, um sie noch mehr zu fixieren.
„Du forderst mich immer wieder heraus“,
spöttelte der Mann. „Weshalb tust du nicht einfach, was ich dir sage?
Würdest du dir einen Zacken aus der Krone brechen, Tammy?“
Er kannte ihren Namen! Tamara blieb wie
versteinert stehen. Sie konzentrierte sich darauf, sich zu entspannen, damit
er endlich von ihr abließ. Doch auf bizarre Weise erregte sie das Spiel. Sie
war sich immer sicherer, dass es Dorian war, dessen Lenden sie an ihrem Po
spürte. Jetzt brauchte sie nur noch einen Beweis. Sie würde ihn ohne
Umschweife fragen, sobald er die Hand von ihrem Mund nahm.
Tatsächlich tat er das auch. Und Tammy?
Sie japste nach Luft, denn der Gedanke, Dorian so nah zu sein, raubte ihr
den Atem. Zärtlich streifte er ihren Hals mit seinen Lippen. Er leckte mit
der Zunge über ihren Nacken und blies kühlen Atem auf die feuchte Stelle.
Tamara erschauderte wohlig. Sie seufzte und erschrak, weil es in der Stille
der Nacht recht laut klang. Sein leises Lachen erfüllte den Raum.
‚Bitte, lass es Dorian sein’, flehte
Tammy das Schicksal an.
Er küsste sie auf die Schläfe und
knabberte an ihrem Ohrläppchen. Tammy schmolz dahin. Sie hatte das
eigenartige Gefühl, von ihm an viel intimeren Körperstellen berührt zu
werden, und sie ermahnte sich, ihm nicht über den Weg zu trauen.
Auf einmal legte er die Hand unter ihr
Kinn und zwang sie den Hinterkopf gegen seinen Brustkorb zu legen. Feucht
strich er mit der Breitseite seiner Zunge über ihren Hals. Dann spürte sie
seine Zähne an ihrer Haut.
„Nein“, presste sie verzweifelt hervor.
Er lachte. „Du weißt doch, dass ich mich
von Blut ernähre, Tammy, und genau in diesem Augenblick spüre ich die
Begierde nach Blut, köstliches, warmes Menschenblut.“
Jetzt hatte sie ihren Beweis! Es war
wirklich Dorian Everheard, der erneut eine sinnliche, fast berauschende
Wirkung auf sie hatte. Tamara fürchtete sich vor ihm und sie glaubte ihm
jedes Wort, und doch sehnte sie sich gleichzeitig nach seinen starken Armen.
Er war wie eine Droge - Sucht und Zerstörung gingen Hand in Hand.
Schwungvoll drehte er Tammy um und
drängte sie mit dem Rücken gegen die Wand. Ihre Arme drückte er über ihrem
Kopf gegen die Mauer. Dann folgten Minuten des Wartens und Zitterns. Es
schien, als würde er sie beobachten, während Tammy selbst aufgrund der
Dunkelheit blind war. Sie fragte sich, ob Vampire wie Katzen nachts sehen
konnten.
Tamara zwang sich, etwas zu sagen, um die
quälende Stille zu durchbrechen. „Ich bin ein leichtes Opfer. Du hattest
Recht.“
„In der Tat, immerhin bist du freiwillig
in mein neues Heim eingedrungen“, antwortete er. „Du bist eine Einbrecherin
und ich als Hauseigentümer werde dich nun richten.“
„Richten?“, fragte sie ängstlich.
Er hauchte ihre Lippen an. Nun wusste
sie, wie nah er ihr war. Heißkalte Schauer liefen ihren Rücken hinab.
„Du wirst es genießen, Tammy“, erwiderte
er, gleichsam lustvoll und drohend.
Unerwartet griff er unter den Minirock
und riss ihren String fort. Sie sog hörbar Luft ein. Nun stand sie mit
entblößtem Schoß vor ihm und das Schlimmste war, es gefiel ihr.
„Psst“, säuselte er, wie zuvor, und stieß
sein Knie zwischen ihre Schenkel.
Tamara versuchte ihre Arme loszureißen,
schaffte es aber nicht einmal, sie ein Stück zu bewegen.
Dorian presste seinen Oberkörper gegen
ihren Busen und flüsterte in ihr Ohr: „Lust ist ein animalischer Instinkt,
Leidenschaft ein Geschenk der Natur. Lebe sie aus, Tammy, denn es ist Sünde,
dieses Präsent zurückzuweisen.“
‚Ja’ wollte sie schreien und blieb doch
stumm. Was hielt sie davon ab, sich ihm hinzugeben? Sie begehrte Dorian und
hatte doch vor einigen Tagen noch getönt, sie könnte London zum Beben
bringen. Gleichzeitig fürchtete sie sich vor ihm. Was würde geschehen, wenn
er wirklich ein Vampir war?
Zaghaft fragte sie: „Wieso hast du das
mit dem Blut gesagt?“
Dorians benetzte Zunge stieß in ihre
Ohrmuschel. Er saugte an ihrem Ohrläppchen und küsste sich auf den Hals,
genau auf die Stelle, an der seine Zähne sich in ihre Haut hatten bohren
wollen.
„Das weißt du ganz genau“, sprach er
drohend. „Fordere mich nicht heraus, Tammy.“
Sie schluckte. Führte er sie wieder aufs
Glatteis? Machte er sich lächerlich über sie? Sie wagte nicht nachzufragen,
sondern beließ es dabei.
„Lass deine Hände oben!“, befahl er und
gab ihre Arme frei.
Geschmeidig öffnete er die ersten Knöpfe
ihrer Tunikabluse. Tamara wollte ihn instinktiv abwehren.
Er raunte: „Tu, was ich dir sage! Du
weißt, was sonst geschieht.“
Sie zuckte zusammen und stellte sich das
saugende, schmatzende Geräusch vor, das entstehen würde, wenn er seine Zähne
in ihr Fleisch bohren und das Blut wie durch Strohhalme trinken würde. Artig
hielt sie die Arme wieder hoch.
Seine Hand glitt in ihre Bluse. „Ich mag,
dass du keinen BH trägst. Das ist wie eine Aufforderung für mich.“ Fast
beiläufig berührte er ihre Brustwarze und zog sich sogleich zurück.
Tamara zuckte erneut. Sie hatte die
Berührung ja nicht kommen sehen. Schnippisch sagte sie: „Es ist angenehmer
für mich, besonders bei der Hitze zurzeit. Ich gehe nicht ohne BH, um euch
Männer zu reizen.“
Nun umschloss er einen Busen mit der
ganzen Hand, als würde er ihm gehören. „Du sollst auch nicht andere
Männer verlocken!“
Sachte begann er die Brust zu massieren.
Sie stöhnte leise auf und räkelte sich an der Wand, als würde sie auf einem
Bett liegen. Hatte sie nicht noch vor einigen Tagen davon geträumt, von
Dorian genommen zu werden? Er strahlte solch eine Kraft aus, eine
animalische, fast aggressive Erotik. Gewiss konnte er jede Frau haben, aber
heute Nacht begehrte er Tammy.
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